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Illertissen

19.05.2015

39-Jähriger würgt im Alkoholrausch seine Mutter und schlägt sie blutig

Ein 39 Jahre alter Mann ist zu einer Haftstrafe von 16 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte alkoholisiert seine Mutter verprügelt.
Bild: Symbolbild, Bernhard Weizenegger

Blutüberströmt schleppte sich die Frau zur Polizei. Vor den Augen der Beamten brach sie dort zusammen. Nun stand ein 39-Jähriger vor Gericht - der Sohn des Opfers.

Weil er im Suff seine Mutter „grün und blau geschlagen hat“ (Richterin Gabriele Buck), ist gestern ein 39-jähriger Illertisser vom Amtsgericht Neu-Ulm zu einer Haftstrafe von 16 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. In das Urteil floss auch eine Trunkenheitsfahrt im Auto mit ein: Im März vergangenen Jahres war der Mann von der Polizei in Roggenburg gestoppt worden. Einen Führerschein konnte er damals nicht vorweisen, da er ihm bereits 2007 wegen Alkohols entzogen worden war – aber dafür hatte er knappe 2,4 Promille intus, die von reichlich Absinth herrührten.

Ähnlich alkoholisiert war der von der iberischen Halbinsel stammende Angeklagte auch an einem frühen Novembernachmittag im Jahr 2013, als er seine Mutter „vermöbelt“ hat, wie sich Richterin Buck ausdrückte.

Die 58 Jahre alte Frau wohnte damals zusammen mit Tochter, deren Mann und dem gemeinsamen Kind im Haus des Angeklagten und dessen Freundin. Ein Stippvisite bei Verwandten war das Ganze allerdings nicht – sowohl die Schwester des Angeklagten als auch deren Mann suchten Arbeit in Deutschland. Die Jobsuche zog sich wohl auch wegen der Sprachprobleme in die Länge, sodass die Sippschaft viel länger als eigentlich vorgesehen die Gastfreundschaft des Illertissers strapazierte. Pläne, der Verwandtschaft eine eigene Bleibe zu beschaffen, verliefen im Sande.

Der Mutter schien das allerdings nichts auszumachen: Die Hausfrau hatte nicht vor, wieder in ihre Heimat zurückzukehren – obwohl sie der Angeklagte lieber heute als morgen dorthin zurückgeschickt hätte.

Wegen der eher beengten Wohnsituation blieben Probleme nicht aus – vor allem die Privatsphäre habe gelitten, so der Angeklagte zur Richterin. Üblicherweise bekämpft der Mann Stress mit Alkohol – so auch am Morgen des Tattags, als er um sechs Uhr mit seiner Arbeit auf einer Baustelle begann und – sozusagen zur Brotzeit – zwei Dosen Whisky-Cola leerte.

Im Laufe des Vormittags holte ihn dann seine Lebensgefährtin von der Arbeit ab, weil die familieninterne Abschiebung der Mutter bevorstand: Sie sollte mit dem Fernbus zurück nach Hause.

Zuvor allerdings fuhr der Angeklagte mit der Frau noch zum Einkaufen. Auf dem Rückweg holte er dann noch gleich den Sohn der Schwester von der Schule ab.

Er packte seine Mutter am Hals und würgte sie

Daheim angekommen, ging der Budenzauber der Vortage von Neuem los – so jedenfalls der Angeklagte. Dass er das, was folgte, getan hat, gab er freimütig zu – warum er es getan hat, konnte oder wollte er allerdings nicht sagen. Jedenfalls packte er seine Mutter am Hals, würgte sie und verpasste ihr drei Faustschläge ins Gesicht – potenziell lebensbedrohliche Angriffe, wie ein Gutachten des Memminger Landgerichtsarztes Dr. Horst Bock ergab.

Nach Atem ringend und blutüberströmt flüchtete die Frau vor ihrem gewalttätigen Sohn und suchte Schutz bei der Illertisser Polizei.

Dort kollabierte die verletzte Frau. Eine Polizistin schilderte: „Ich dachte, sie stirbt.“ Ein Notarzt überwies die Frau umgehend ins Ulmer Bundeswehrkrankenhaus. Nach einer Nacht zur Beobachtung und weiteren Untersuchungen wurde die Frau wieder entlassen – mit dem Rat, bei einem niedergelassenen Arzt zu Nachsorgeuntersuchungen zu gehen. Das tat die Frau aber nicht – aus Angst, die Behandlungskosten aus eigener Tasche zahlen zu müssen.

Wohl auch aus Gründen ihrer Sicherheit reiste die Frau dann in ihre Heimat zurück – den ersten unmittelbaren Kontakt mit ihrem Sohn hatte sie erst wieder gestern im Gerichtssaal. Mittelbaren Kontakt gab es aber durchaus – in Form eines Anwalts, der für seine Mandantin vom Angeklagten Schmerzensgeld und die Übernahme der Behandlungskosten einforderte und auch erhielt.

Vermutlich, um das Gericht milde zu stimmen, versicherte der Angeklagte, eine stationäre Alkoholtherapie antreten zu wollen, nachdem eine ambulante keinen Erfolg gehabt hatte. Richterin Buck hegte gewisse Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Versprechens – schließlich habe er lange genug Zeit gehabt, sich um besagte Therapie zu bemühen. Das wird der 39-Jährige aber jetzt tun müssen, will er nicht im Knast landen. Als eine Bewährungsauflage ordnete die Richterin an, ihr binnen sechs Monaten eine Bescheinigung über einen Therapieplatz vorzulegen.

Zudem muss der Mann 2500 Euro an die Diakonie zahlen. kr

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