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04.03.2011

Brunner und der „kleine Doktor“

K-H. Brunner

Der SPD-Kreisrat darf seinen „Dr.“ ohne Zusatz führen. Staatsanwalt: kein Vergehen

Illertissen Wer in diesen Tagen den Titel „Dr.“ im Namen trägt, hat es nicht ganz leicht. Der Fall Guttenberg sorgt für gewisses Misstrauen. Und so wurde jetzt hinter vorgehaltener Hand immer mal wieder die Frage aufgeworfen, ob der SPD-Kreisrat und ehemalige Illertisser Bürgermeisters Karl-Heinz Brunner seinen Titel zu Recht trägt. Der stammt von der Comenius Universität Bratislava und ist mit einem „deutschen“ Doktortitel nicht vergleichbar. Dennoch darf Brunner das Kürzel „Dr.“ ganz legal vor seinem Namen tragen, allerdings nur in Bayern und Berlin.

Wie Brunner gestern gegenüber unserer Zeitung erklärte, hatte er sich nach seiner Abwahl als Illertisser Stadtoberhaupt 2003 an der Universität von Bratislava eingeschrieben und Wirtschaftswissenschaften studiert. 2005 legte er seine Prüfung ab. Das Thema seiner auf Englisch geschriebenen Abschlussarbeit: Öffentlich-private Partnerschaften im EU-weiten Vergleich. Seither darf er sich „doktor filozofie“ (PhDr.) nennen, also „Doktor der Philosophie“.

Er habe sich anschließend beim bayerischen Wissenschaftsministerium erkundigt und die Auskunft bekommen, er müsse sich nur entscheiden, ob er die slowakische oder die deutsche Form wählen wolle. „Ich habe nur den ,Dr.’ genommen, weil das gebräuchlicher ist“, so Brunner. Das wäre jetzt nicht mehr möglich, denn ein solcher nicht-wissenschaftlicher Doktorgrad, wie ihn der Illertisser erworben hat, entspricht nach internationalen Standards eher einem Master-Abschluss – und der ist eben noch kein „Doktor“. Korrekterweise müsste der Titel „PhDr.“ lauten.

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Allerdings tut Brunner nichts Unrechtes, wenn er sich dennoch „Dr.“ nennt, denn in Bayern und Berlin gilt eine Ausnahmeregelung: Wer einen solchen „kleinen Doktor“ im Ausland erworben hat, darf ihn führen wie einen „großen“, vorausgesetzt, die Prüfung hat vor dem 1. September 2007 stattgefunden. Wegen des sogenannten Bolognaprozesses, durch den international einheitliche Studienabschlüsse eingeführt wurden, müssen solche weniger wertvollen Abschlüsse mit einem Zusatz versehen sein.

Brunners Titel hat bereits die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Als sich der SPD-Mann (vergeblich) um einen Sitz im Bundestag bewarb, wurde er anonym angezeigt. Doch die Staatsanwaltschaft Memmingen stellte 2009 das Ermittlungsverfahren „wegen Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen“ ein – weil es nach Rechtslage nichts zu ermitteln gab.

Doch was passiert, wenn Brunner die Grenzen des Freistaates hinter sich lässt? Ist er dann seinen Titel los? Nein, denn es gilt das Wohnortprinzip. Somit ist er auch in Hamburg oder Stuttgart ein „Doktor“. Sollte er allerdings eines Tages von Illertissen nach Ulm ziehen, müsste er wohl vor seinen „Dr.“ wieder ein „Ph“ schreiben.

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