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Untereichen

17.01.2020

Drogen-Razzia in Untereichen: 40-Jähriger vor Gericht

Auf einem Anwesen in Untereichen fand die Polizei im April insgesamt 1,5 Kilogramm Marihuana. Nun läuft der Prozess.
Bild: Kriminalpolizei Neu-Ulm

Plus Die Polizei fand im April rund 80 Marihuanapflanzen bei einem Untereicher. Die Staatsanwaltschaft geht von Drogenhandel aus, der Angeklagte beharrt auf "Eigenbedarf".

Es waren aufsehenerregende Szenen, die sich im vergangenen April in dem kleinen Dorf Unterreichen abgespielt hatten. Die Anwohner wunderten sich zunächst, was ein Großaufgebot der Polizei mit mehreren Fahrzeugen und sogar einem Hubschrauber in dem Ort zu suchen hatte. Es waren Drogen. Bei einer Razzia fanden die Ermittler mehrere Marihuana-Plantagen auf dem Anwesen eines 40-Jährigen. Nun hat der Prozess gegen ihn am Landgericht Memmingen begonnen, wo er sich sogar wegen bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln verantworten muss.

Der Beschuldigte versteckte sich rund zehn Tage vor der Polizei

Ins Visier der Ermittler war der Mann, der keinen gültigen Führerschein besitzt, geraten, weil er vor eine Polizeistreife geflohen ist. Dabei war er innerorts mit bis zu 160 Stundenkilometern unterwegs. Als er in einem Wohngebiet die Lichter des Autos ausschaltete, verloren die Beamten ihn aus den Augen. Die Polizisten notierten sich das Kennzeichen und fuhren noch in dieser Nacht zur Adresse des Fahrzeughalters in Untereichen. Aus einer Scheune drang kräftiger Marihuanageruch. Die Beamten der Polizeiinspektion Illertissen verständigten die Kripo in Memmingen. Eine erste kleine Durchsuchung fand noch in der Nacht statt.

Lesen Sie mehr zum Einsatz: Großeinsatz in Untereichen: Das steckt dahinter

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Bei Tageslicht rückten dann die Durchsuchungskräfte an und stellten auf dem Anwesen knapp 80 Marihuanapflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien sicher. Eine Plantage war in der Scheune neben dem Wohngebäude untergebracht, zwei in einem alten Schlafzimmer in Erdgeschoss des Hauses sowie eine kleine Plantage mit nur fünf Pflanzen im Obergeschoss. Außerdem befanden sich diverse Geräte zum Drogenkonsum, etwas Glaspfeifen, sowie ein altes Luftgewehr und eine Armbrust, beides mit entsprechender Munition, auf dem Anwesen. Als der Verdächtige von der Razzia in seinem Haus erfahren hatte, versteckte er sich bei Freunden. Wo genau er sich aufgehalten hatte, wollte er dem Richter nicht sagen. Rund zehn Tage entkam der 40-Jährige so der Polizei - bis sie ihn schließlich doch fand. Seit der Festnahme im April sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Memmingen in Untersuchungshaft.

Angeklagter: Habe nur zum Eigenbedarf angebaut

Am ersten Prozesstag verhörte der Vorsitzende Richter Christian Liebhart den Angeklagten und eine Reihe an Polizeibeamten, die an dem Fall gearbeitet hatten. Der Verdächtigte stritt die Vorwürfe, er würde mit Betäubungsmitteln handeln, ab. Seiner Darstellung nach hat der das Marihuana zum Eigenbedarf angebaut. Er habe es zuletzt vor allem aus medizinischen Gründen geraucht. Der Angeklagte berichtete von Rückenschmerzen wegen eines Bandscheibenvorfalls vor einigen Jahren. Ein Arzt hatte ihm auch Rezepte für medizinisches Marihuana ausgestellt. Doch weil es in Apotheken nur selten vorrätig und daher schwer zu bekommen und überdies noch sehr teuer ist - bis zu 125 Euro pro fünf Gramm - habe er es seit November 2018 selbst angebaut. Konventionelle Schmerzmittel wolle er nicht mehr nehmen. Das ihm verschriebene Methadon habe ihm körperlich geschadet.

Der Richter wies den Beschuldigten eindringlich darauf hin, dass seine Geschichte angesichts der aufgefunden Menge sowie verdächtiger Handykonversationen nur schwer zu glauben sei. Die Polizei hatte auf dem Telefon des Angeklagten Chatverläufe entdeckt, in denen es um „grüne Tapete“ und „Pizzen“ ging, die abgeholt werden können. Der Angeklagte blieb dennoch bei seiner Version der Geschichte. Mit „grüner Tapete“ und „Pizza“ sei tatsächlich genau das gemeint. Auch die vielen Druckverschlusstütchen, in denen Drogen typischerweise aufbewahrt werden und die zu dutzenden auf dem Anwesen gefunden wurden, habe er für andere Dinge gebraucht. Darin lagere der passionierte Oldtimerteile-Sammler zum Beispiel seine Schrauben. Und zu viel Gras sei es auch nicht gewesen: Die Pflanzen hätten ihm ein ganzes Jahr reichen sollen.

Was es mit Luftgewehr und Armbrust auf sich hatte

Zu den Waffen, die die Polizei auf seinem Anwesen gefunden hatte, sagte er: Das Luftgewehr sei alt und ein Erbstück des Vaters. Die eine Armbrust habe er mit 18 günstig bei einem Ausverkauf erworben. „Hätte ich gewusst, dass die so einen Ärger macht, hätte ich sie schon längst entsorgt“, so der Angeklagte. Außerdem war noch von einer zweiten Armbrust die Rede, die mit Saugnapfpfeilen eher in die Spielzeugkategorie gehört. Mit keiner der Waffen sei in der jüngeren Vergangenheit geschossen worden, sagte der 40-Jährige. Im Prozess muss nun geklärt werden, ob der Angeklagte die Waffen griffbereit gelagert hatte. Seiner Aussage nach befanden diese sich verstaut auf verschiedenen Schränken, während Fotos von der Hausdurchsuchung sie sowohl an die Wand gelehnt als auch auf dem Boden liegend zeigen. Dabei räumte auch der Richter die Möglichkeit ein, dass die Fundstücke von Polizeibeamten bewegt worden waren.

Der Beschuldigte musste sich vor Gericht ebenso für seinen Konsum harter Drogen erklären. In einer Haarprobe wurden unter anderem Hinweise auf Kokain, Amphetamin und Methadon gefunden. Währende seiner knapp zehntägigen Flucht habe er alles Mögliche genommen, erklärte der Mann vor Gericht. Da habe er sich „komplett weggeschossen“. Zum Beispiel auch mit Heroin, das er laut seiner Aussage zuvor noch nie probiert hatte.

Während der folgenden Prozesstage sollen noch weitere Zeugen verhört werden. Unter anderem sind verschiedene Gutachter und Bekannte des Angeklagten geladen.

Ebenfalls am Landgericht Memmingen verhandelt wird derzeit Überfall auf einen Vöhringer Uhrenhändler vor gut sechs Jahren. Lesen sie hier unsere Berichte dazu:

Für Aufsehen in der Region sorgte im vergangenen Jahr auch dieser Prozess:


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