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Babenhausen

08.11.2018

Experte warnt: Gemeinden müssen mehr für junge Leute tun

Ein Projekt des Jugendparlaments war der Illertisser Skateplatz. Den Vorschlag setzte die Stadt 2014 für eine halbe Million Euro um.
Bild: Floran Holley (Archiv)

In Babenhausen wurde über die Zukunft der Jugendarbeit in der Region diskutiert. Das Fazit: Es gibt einiges zu tun. Ein Musterbeispiel ist Illertissen. 

Städte und Gemeinden müssen mehr für die Jugendarbeit tun. Der Meinung ist zumindest Winfried Pletzer, Referent für kommunale Jugendarbeit beim Bayerischen Jugendring. Wie das aussehen sollte, darüber haben Jugendpfleger und Bürgermeister aus ganz Mittelschwaben kürzlich bei einer Konferenz in Babenhausen diskutiert. Drei Praxisbeispiele aus der Region zeigten, wie Jugendarbeit funktioniert.

Die Prognose, die Pletzer den Landkreisen Neu-Ulm, Unterallgäu und Günzburg stellte, ist düster. Zwar bleibt, das zeigen auch Zahlen des Landesamtes für Statistik, die Einwohnerzahl in der Region stabil. Die Geburtenrate gehe jedoch zurück, die Bevölkerung überaltere. Außerdem hätten Gemeinden schon jetzt mit dem Wegzug „junger und qualifizierter Macher“ zu kämpfen. „In ein paar Jahren ist das noch schlimmer“, sagte Pletzer. Gegen diesen Trend müsse vorgegangen werden Der Jugendreferent sieht dabei die Städte und Gemeinden in der Verantwortung. Ein Schritt sei es, Kinderkrippen und Kitas zu errichten, wie es vielerorts bereits getan wird. „Für eine Gemeinde als Standort für Familien ist das besonders wichtig.“

Solche Investitionen reichten aber nicht aus. Pletzer zitierte eine Umfrage unter Jugendlichen in Bayern, in der sie nach Themen befragt wurden, die ihnen wichtig sind: Vor allem Bürgerbeteiligung stand dabei hoch im Kurs. Daraus folgerte er: „Gemeinden müssen Jugendliche mehr teilhaben lassen.“ Denn die Arbeit mit jungen Menschen sei für Kommunen heute wichtiger Standortfaktor. Die These lautet: Wer sich bereits in der Jugend politisch im Ort engagieren kann, bleibt dort auch wohnen.

Experte warnt: Gemeinden müssen mehr für junge Leute tun

Das Thema schien auch den meisten anwesenden Bürgermeistern wichtig zu sein. Trotzdem plagen sie andere Probleme: Der Bürgermeister der Gemeinde Lauben im Unterallgäu, Reiner Rößle, sagt: „Zu uns ziehen gerade viele junge Leute, weil die Mieten so billig sind. Uns fehlt aber das nötige Bauland.“ Ein anderer, Alfred Gänsdorfer, Bürgermeister der Gemeinde Sontheim klagt über die schwierige Zusammenarbeit mit Jugendlichen. „Wir haben es mit einer Jungbürgerversammlung versucht, aber man kommt nicht an die Leute ran.“ Er wünsche sich mehr junge Menschen im Rathaus: „Wenn ich in meinen Gemeinderat schaue, stehen die meisten Mitglieder kurz vor der Rente.“ Dort sei mehr „Durchmischung“ nötig. Referent Pletzer verweist da auf mehr Teilhabemöglichkeiten für Jugendliche. „Je früher mit Jugendpartizipation begonnen wird, desto eher kommen auch junge Leute in den Gemeinderat.“

Wie Jugendarbeit in der Praxis aussehen kann, zeigten drei Beispiele aus der Region: Dabei ging das Jugendparlament aus Illertissen voran. Sechs der insgesamt neun Jungabgeordneten erklärten zusammen mit Stadtjugendpfleger Harald Heckenberger und Bürgermeister Jürgen Eisen, wie die Arbeit des Parlamentes aussieht und, was das Gremium schon alles umsetzen konnte: Das Kino in der Schranne, Bandcontests, Graffiti-Aktionen und – das bisher größte Projekt – der Illertisser Skateplatz, den die Stadt 2014 errichtet hat.

Auch andere Methoden scheinen für Gemeinden zu funktionieren. Unter der Federführung der Jugendreferentin im Gemeinderat, Amelie Arnold, wurden 2016 in Ottobeuren Jugendliche mit einem Fragebogen zu ihrer Heimat und ihren Plänen und Wünschen befragt. Das Ergebnis: Viele hätten geplant, auch im Erwachsenenalter in Ottobeuren zu leben. Zudem wurde eine Junge-Bürger-Versammlung ins Leben gerufen, bei der Jugendliche ihre Wünsche äußern konnten. Das Ergebnis: Öffentliche Konzerte, ein Orchester und ein Grillplatz.

Ein weiteres Beispiel bot die Stadt Krumbach. Dort stellt sich die Kommune bei der Jugendarbeit breit auf: Ein selbst verwaltetes Jugendzentrum und ein Café dienen als Treffpunkt für junge Menschen. Außerdem arbeitet die Stadtjugendpflegerin Birgit Baumann zusammen mit den Jugendlichen an der Verwirklichung eines Skate- und Bewegungsparks. „Da stellt sich derzeit nur der Stadtrat dagegen“, so Baumann.

Für die Kommunen sind die einzelnen Projekte zum Teil kostspielig. Die Stadt Illertissen geht dabei wohl voran. Denn dort investierte die Stadt 500000 Euro in den Skateplatz. Zudem steht dem Jugendparlament ein Etat von 3500 Euro zur Verfügung. Für Jugendreferent Pletzer eine Investition in die Zukunft.

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