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Babenhausen

23.04.2020

Kriegsende: Als das Fuggerschloss zum neutralen Gebiet erklärt wurde

Das Fuggerschloss in Babenhausen soll saniert werden. Den Knackpunkt stellt die Finanzierung dar.
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Das Fuggerschloss in Babenhausen soll saniert werden. Den Knackpunkt stellt die Finanzierung dar.

Plus Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen bewies Fugger-Fürstin Gunilla ihren Mut. Wie sich das Ende des Zweiten Weltkriegs in Babenhausen abspielte.

Für die schwäbische Landbevölkerung waren es besonders ereignisreiche Tage im April 1945: Aus dem Fränkischen kommend näherten sich die siegreichen Amerikaner. Vereinzelt gab es letzte Versuche, die Truppen aufzuhalten. In Babenhausen spielte auch die Fuggerfürstin eine Rolle.

Brückensprengungen konnten die Amerikaner nicht aufhalten

Um dem Feind keine strategischen Mittel an die Hand zu geben, mussten in Deutschland militärische Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie entsprechende Sachwerte zerstört werden. So wurden beispielsweise alle Donaubrücken zwischen Ulm und Passau gesprengt, was den Vormarsch der alliierten Truppen letztlich nur verzögern und nicht stoppen konnte. Am 22. April nahmen die Amerikaner die einzige unzerstörte Brücke in Dillingen ein, über die der gesamte Nachschub der Amerikaner nach Schwaben rollte.

Volksturm-Männer retten Günzbrücke in Babenhausen

Als in den letzten Apriltagen noch die Illerbrücken in Illertissen und Kellmünz gesprengt wurden, waren sogar Tote zu beklagen. Zwei Blindgänger der letzten verzweifelten Kampfhandlungen der deutschen Truppen mit den anrückenden Amerikanern in Kellmünz erreichten den Fuggermarkt, glücklicherweise ohne größere Schäden anzurichten. Auch die hölzerne äußere Günzbrücke in Babenhausen sollte gesprengt werden. Dass es am Ende nicht dazu kam, war der Weitsicht älterer Volkssturmmänner zu verdanken. Sie hatten ihren Volkssturmführer in das Polizeihaus gelockt und ihn dann kurzzeitig in einer Gefängniszelle eingesperrt. So konnte er keine Befehle mehr erteilen. Die beiden bereits angebrachten Sprengladungen an der Brücke wurden entschärft.

Kriegsende: Als das Fuggerschloss zum neutralen Gebiet erklärt wurde

Am Vormittag des 26. April 1945 kamen die Amerikaner von Oberroth her in den Fuggermarkt. Zuerst schickten sie einige Warnschüsse und rückten dann kampflos ein. Die an der Ulmer Straße und an der Memminger Straße errichteten Panzersperren waren nur notdürftig geschlossen und wurden von den Fahrzeugen umfahren.

In Dreier-Reihen zogen die amerikanischen Soldaten dann im Markt ein. Sie befahlen dem Bürgermeister an allen Häusern, die weiße Fahne hissen zu lassen, wenig später wehte sie auch vom Kirchturm. Dieses Zeichen der Kapitulation war von vielen Bürgern vorher schon heimlich vorbereitet worden. Die Reichsführung hatte solche Handlungen verboten und unter schwere Strafen gestellt.

Fürstin lässt dreisprachige Schilder aufhängen

Vom Turm des Schlosses wehte die irische Fahne, die die Fürstin Gunilla Fugger zum Zeichen des „Sitzes der irischen Gesandtschaft in Deutschland“ hatte aufziehen lassen. Sie hatte auch noch in aller Eile dreisprachige Schilder malen lassen, die an den Einfallstraßen im Westen, Norden und Süden rechtzeitig aufgestellt worden waren, mit denen auf den Sitz der Gesandtschaft hingewiesen wurde.

In aller Eile hatte die Fürstin für die einrückenden amerikanischen Soldaten dreisprachige Hinweisschilder aufstellen lassen.
Bild: Sammlung Dieter Spindler

Die mutige junge Frau machte den amerikanischen Offizieren in fließendem Englisch klar, dass sie als Schwedin das Schlossareal zum exterritorialen, neutralen Gebiet erklärt habe. Sie erklärte später: „Da hat mir meine Nationalität sicherlich geholfen. Mein schwedischer Pass wurde akzeptiert“. Die Fürstin hatte den Amerikanern erklärt, dass im Schloss wertvolles Augsburger Archivmaterial lagere und dass dies bewacht werden müsse. Es wurde dann am Rechbergflügel eine zweisprachige Tafel angebracht und das Gebäude als „Protected Monument“ unter den Schutz der Militärregierung gestellt.

Entmachteter Bürgermeister wird durch den Ort gefahren

Den Bürgermeister Josef Hudler entmachteten die Amerikaner, setzten ihn auf den Kühler eines Jeeps und fuhren mit ihm durch den Markt. Im „Schwarzen Adler“ wurde die Kommandantur eingerichtet und in den rückwärtigen Stallgebäuden und im Brauhaus des „Sailer-Bräu“ die Parteigenossen und Soldaten festgesetzt.

Viele Babenhauser Bürger mussten ihre Wohnungen für die Besatzer räumen und selbst bei Bekannten oder auf Dachböden unterkommen. Für die Babenhauser Kinder war die Zeit der Besatzung durchaus interessant: Einige sahen unter den US-Soldaten erstmals Farbige. Außerdem verschenkten die Amerikaner auch mal Süßigkeiten, etwa dicke Rippchen Schokolade. Dies dauerte bis in den Sommer hinein, dann zogen die Amerikaner ab.

Als am 8. Mai 1945 der Krieg endete, war das auch das Ende des Dritten Reiches. Das Lager des Reichsarbeitsdienstes im Schloss wurde geräumt. Die Polen und Ostarbeiter einschließlich ihrer Familien, die seit Mitte 1944 in dem Zivilarbeiterlager des Holzbetonwerkes Trucksäß (heute SFB) am Weiherweg lebten, wurden in ein Zentrallager gebracht. Die unruhigen Zeiten dauerten noch an. Doch auch dank der Besonnenheit der Bürger ist es bei der Besetzung zu keinen Übergriffen, Zerstörungen oder tödlichen Schüssen gekommen.

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