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Verkehr

23.06.2017

Lkw-Fahrten: Tiefenbacher wehren sich

Einige Kommunalpolitiker wollen, dass die Lastwagenfahrten durch die Gemeinde zum Ziegelwerk Bellenberg gestoppt werden – und wenden sich an den Landrat persönlich

Die Stimmung bei einigen Tiefenbachern ist getrübt. Der Grund: Etliche Lastwagen fahren durch den Illertisser Ortsteil. Diese transportieren wie berichtet Lehm, der durch die Baumaßnahmen im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 abgetragen wird, zum Ziegelwerk nach Bellenberg – das wiederum das Material für die Ziegelproduktion verwendet. Gebaut wird derzeit die zweite Röhre des Boßlertunnels zwischen Wendlingen und Ulm.

Für die Tiefenbacher Bürger bedeutet das laut Landratsamt: täglich insgesamt etwa 75 Lastwagenfahrten durch die Ortschaft. Bereits bei der Ortsversammlung der Illertisser CSU wurden die bevorstehenden Lastwagenfahrten angesprochen (wir berichteten). Stadtrat Dietmar Haas befürchtete in der Sitzung vor wenigen Wochen „tausende Fahrten“. Es war die Rede von 900000 Tonnen Material, welches transportiert werden sollte.

Das Landratsamt bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass seit einigen Tagen die Lehmzufuhr nach Bellenberg im vollem Gange ist. Und tatsächlich sollen bis zu 900000 Tonnen Lehm in Bellenberg ankommen.

Einige Stadträte, die aus Tiefenbach stammen, und Kreisrat Gerhard Leopold, ebenfalls ein Tiefenbacher, haben sich deshalb in einem Schreiben an den Landrat persönlich gewandt. Denn betroffen ist eine Kreisstraße – und dafür ist der Landkreis zuständig. In dem Brief heißt es, dass eine Zufuhr von 75 Lastwagen am Tag vom Boßlertunnel zum Bellenberger Ziegelwerk genehmigt worden sei. Das ergebe mit Hin- und Rückweg 150 Fahrten täglich durch Tiefenbach und den Weißenhorner Ortsteil Emershofen. „Für unsere Mitbürger ist das nicht zumutbar“, ist in dem Schreiben zu lesen. Und weiter: „Es darf doch nicht sein, dass eine einzelne Firma profitiert zum Schaden der Bürger.“

Laut Stadtrat Ewald Ott, habe man drei alternative Vorschläge. Favorisiert werde aber vor allem eine Route: Die Strecke von Vöhringen über den Riedhof in der Nähe von Tiefenbach und schließlich nach Bellenberg. Die Vorteile: „Die Straße ist geteert und es gibt so gut wie keine Anwohner, außer am Riedhof, die durch den Verkehr belästigt werden könnten“, sagte Ott im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dem Stadtrat stößt aber noch eine ganz andere Sache negativ auf: „Für den Boßlertunnel wurde extra eine Baustellenausfahrt gebaut, damit die Bewohner nicht belästigt werden und bei uns fahren die Lastwagen durch Emershofen und Tiefenbach.“

In dem Schreiben fordern die Kommunalpolitiker deshalb, bis zur Prüfung der vorgeschlagenen Alternativen, außerdem eine 30er-Zone aus der Kreisstraße durch Tiefenbach zu machen – sowohl in Richtung Bellenberg, als auch nach Emershofen. „Das ist die Forderung von uns!“, sagte Ott, der gleichzeitig Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt auffordert, ebenfalls tätig zu werden.

Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen steht bereits hinter den Tiefenbachern. Ihm sei wichtig, dass jetzt so schnell wie möglich eine Alternative gefunden und zumindest die Geschwindigkeitsbeschränkung eingeführt werden könne, so der Rathauschef. Doch genau das scheint gar nicht so einfach zu sein, denn diese Route wurde bereits im vergangenen Jahr geprüft. Laut Erich Sailer, Leiter des Fachbereichs Verkehr im Landratsamt, sei dort keine besondere Gefahrenlage gegeben, deshalb könne keine Geschwindigkeitsbeschränkung durchgeführt werden.

Von Seiten des Landratsamtes hieß es gestern außerdem, dass auf jeden Fall ein Runder Tisch mit allen Beteiligten angedacht sei. „Wir nehmen das Anliegen der Bürger ernst und versuchen eine Lösung zu finden“, lautete ein Statement. Die vorgeschlagenen Strecken werden jetzt geprüft, es gebe noch kein abschließendes Ergebnis.

Das Ziegelwerk Bellenberg hat dem Landratsamt zufolge außerdem veranlasst, dass die Zu- und Abfahrten nicht über den gleichen Ort verlaufen sollen, sodass pro Tag durch Tiefenbach 75 und nicht, wie von den Einwohnern vermutet, 150 Lastwagen rollen. Die Fahrer seien zudem dazu angehalten, nur mit 30 Stundenkilometern den Ort zu passieren.

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