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Babenhausen

14.10.2020

Öko-Modellregion: Im Günztal trifft das Weiderind auf exotisches Tempeh

Die Modellregion widmet sich vielfältigen Bereichen: Sie treibt die Vermarktung des Günztal-Weiderinds voran, begleitet aber auch Anbauversuche mit der Schwarzen Bohne, aus der Tempeh hergestellt werden kann.

Plus Babenhausen ist Mitglied der Öko-Modellregion Günztal, die seit November besteht. Die Projektmanagerin informiert über die angestoßenen Maßnahmen. Die Markträte haben weitere Ideen parat.

Seit rund einem Jahr ist das Günztal eine von 27 Öko-Modellregionen in Bayern. Auch Babenhausen, Kettershausen und Egg beteiligen sich als Mitglieder finanziell daran. Projektmanagerin Rebecca Schweiß hat kürzlich sich und die bisherige Arbeit im Babenhauser Marktrat vorgestellt. Das Gremium signalisierte, dass sich die Marktgemeinde noch intensiver in die Modellregion einbringen möchte. Auch erste Ideen, wie das gelingen kann, gibt es schon.

Ein Ziel: die regionale Identität stärken

Rebecca Schweiß präsentierte die verschiedenen Bereiche, in denen die Öko-Modellregion agiert. Ein Ziel ist es, hiesige Landwirte, Verarbeiter, Vermarkter und Verbraucher zusammenzubringen und Wertschöpfungsketten aufzubauen. Das Bewusstsein für vor Ort erzeugte Bio-Produkte soll steigen, ebenso deren Anteil in der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie. Ein Bestreben ist es auch, die Artenvielfalt zu stärken.

Beispiele für bereits angestoßene Projekte konnte Rebecca Schweiß dem Marktrat mehrere vorweisen: So gibt es beispielsweise Anbauversuche mit der Schwarzen Bohne – „eine echte Pionierarbeit“, wie die Projektmanagerin sagte. Diese zielen darauf ab, eine Tempeh-Manufaktur in Markt Rettenbach mit regional erzeugten Schwarzen Bohnen zu versorgen. Tempeh ist eine Spezialität aus Indonesien. Bei der Herstellung werden ganze Bohnen mit einem Edelschimmel fermentiert. Im Gegensatz zu Lupinen und Soja gebe es die exotischen Schwarzen Bohnen nicht aus deutscher Bio-Erzeugung; sie müssen den weiten Weg von China ins Unterallgäu zurücklegen, wo sie schließlich verarbeitet werden. Das soll sich ändern.


Eine Manufaktur verarbeitet die Bohnen zu Tempeh.
Bild: Daniel Delang

Für den Fuggermarkt interessant sei die Wiederentdeckung der alten Dinkelsorte Babenhauser Zuchtveesen. Auch hierzu stellen Landwirte in der Modellregion buchstäblich Feld-Versuche an. Auf Nachfrage des Marktrats sagte Schweiß, dass sich leider kein Babenhauser Bäcker für die Verarbeitung des Veesens gemeldet habe.

Jubi Babenhausen könnte Leuchtturm beim Thema Gemeinschaftsverpflegung sein

Zu den weiteren Projekten in der Öko-Modellregion gehört die Einführung einer mobilen Schlachtbox im Ost- und Unterallgäu mit dem Ziel einer stressfreieren Schlachtung. Auch neue Vermarktungswege für das Günztaler Weiderind werden erschlossen. Die Resonanz auf die Aktion „Baum sucht Pate“, bei der Bürger Patenschaften für Bäume auf kommunalen Streuobstwiesen übernehmen können, sei gut, sagte Schweiß. Wie berichtet, beteiligt sich daran etwa Kettershausen. In einem Ortsteil der Gemeinde – in Tafertshofen – fand kürzlich auch ein Besuch bei und mit Landwirt Andreas Thoma statt, der dort Freilandschweine auf Weiden hält. Gut 40 Interessierte folgten der Einladung und erfuhren Neues über die Bio-Aufzucht von Schweinen.

Die Markträte nahmen die Aktivitäten wohlwollend zur Kenntnis – und hatten auch Vorschläge parat, wie sich Babenhausen mehr einbringen könnte. Michael Sell, CSU-Marktrat und Leiter der Jugendbildungsstätte, informierte über Gespräche in diese Richtung. So wäre es denkbar, den Babenhauser Zuchtveesen in Brotbackkursen zu nutzen. Rebecca Schweiß sagte: „Die Jubi wäre ein Leuchtturm in der Region beim Thema Gemeinschaftsverpflegung.“ Sonja Henle (CSU) erkundigte sich über Kooperationsmöglichkeiten zwischen der Modellregion und den Babenhauser Schulen. Es gebe bereits Projekte wie den Schulgarten, an die man anknüpfen könnte. Dieter Miller (Freie Wähler) brachte die Imkerei und Streuobstbestände im Fuggermarkt ins Spiel.

Babenhausen bezahlt pro Jahr mehr als 4000 Euro für Öko-Modellregion

Wie berichtet, hatte der Markt Babenhausen 2019 beschlossen, als Mitglied jährlich 4100 Euro für die Öko-Modellregion Günztal zu bezahlen. Das Projekt ist zunächst auf einen Zeitraum von zwei Jahren bis November 2021 befristet – ebenso die Förderung durch das bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das 75 Prozent der Kosten übernimmt. Schweiß warb für eine anschließende Fortführung – auch wenn es ungewöhnlich sei, bei einem Antrittsbesuch gleich auf das Ende der Förderperiode zu sprechen zu kommen. Bürgermeister Otto Göppel (CSU) nannte es beachtlich, was innerhalb weniger Monate alles geschehen sei.

Zur Öko-Modellregion:

  • Die Öko-Modellregion Günztal ist ein Zusammenschluss von 15 Kommunen in den Landkreisen Ostallgäu und Unterallgäu. Sie erstreckt sich von Günzach im Süden bis Kettershausen im Norden. Die Günz, das längste Bachsystem Bayerns, verbindet die Gemeinden. Insgesamt wirtschaften in diesem Gebiet rund 110 landwirtschaftliche Betriebe nach den Kriterien des ökologischen Landbaus.
  • Die staatlich anerkannten und geförderten Modellregionen sind ein Baustein des Landesprogramms BioRegio 2020. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat es für den Ausbau des ökologischen Landbaus initiiert.
  • Nähere Informationen zu den einzelnen Projekten unter oekomodellregion-guenztal.de

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