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Landkreis Neu-Ulm

26.11.2019

SEK-Einsatz gegen mutmaßlichen Waffenhändler

Im Illertisser Ortsteil Gannertshofen haben Spezialkräfte der Polizei dieses Haus gestürmt. Offenbar gingen Türe und Fensterscheiben dabei zu Bruch.
Bild: Sabrina Schatz

Plus Ein großer Polizeieinsatz sorgt in Gannertshofen für Aufsehen. Anwohner berichten von lauten Knallgeräuschen und von "Reichsbürgern". Was bisher bekannt ist.

Ein großer Polizeieinsatz hat im Bucher Ortsteil Gannertshofen (Landkreis Neu-Ulm) für Aufsehen gesorgt: Am frühen Dienstagmorgen durchsuchten Beamte der Kriminalpolizei einen ehemaligen Bauernhof in der Ortsmitte, auch Spezialkräfte waren beteiligt. Nach vorliegenden Informationen stürmten sie das Gebäude: Anwohner berichten von Knallgeräuschen, Eingangstür und Fenster gingen zu Bruch. Ein 55-jähriger Mann wurde verhaftet. Er wird verdächtigt, mit illegalen Waffen zu handeln. In Gannertshofen ist das Geschehen derzeit Thema Nummer eins. Es wird viel spekuliert, auch von „Reichsbürgern“ ist die Rede. Hier ein Überblick – was derzeit bekannt ist.

Bild: Sabrina Schatz

Bei dem Einsatz der Polizei ging es um den mutmaßlichen Handel mit Waffen auf dem Anwesen: Weil der 55-jährige Beschuldigte nach Erkenntnissen der Behörden als gewaltbereit gilt, waren Spezialkräfte vor Ort. Sie führten einen "Zugriff" aus, heißt es in einem Bericht der Polizei. Wie der genau aussah, dazu will sich Johanna Graf, die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten nicht äußern. In Gannertshofen wird darüber viel spekuliert: Der Bewohner des Hauses habe ein „Blutbad“ angedroht, falls die Polizei das Anwesen betreten werde, heißt es. Zeugen berichten auch von lauten Knalls und von zu Bruch gegangenen Fenstern. Die Straße sei während des Einsatzes weiträumig abgesperrt gewesen und sogar eine Drohne sei aufgestiegen. Fakt ist: Der 55-Jährige wurde verhaftet. Eine "Bedrohungslage" für die Allgemeinheit habe nicht bestanden, hatte es am Dienstagvormittag vonseiten der Polizei geheißen.

Polizeieinsatz in Gannertshofen: Mann soll Waffen gestohlen haben

Der Mann wird verdächtigt, mit illegalen Waffen zu handeln. Er soll bei einer Hausräumung im Jahr 2017 mehrere verbotene Gegenstände gestohlen haben, um diese zu verkaufen. Das ereignete sich offenbar nicht im Landkreis Neu-Ulm: Am Dienstagmorgen wurde in Gannertshofen jedenfalls ein Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Augsburg vollzogen. Neben Kriminalpolizei und Sondereinsatzkommando waren Beamte der operativen Ergänzungsdienste aus Neu-Ulm und Kempten sowie Diensthundeführer vor Ort. Nicht bestätigen wollte die Polizei Informationen wonach auch Steuerfahnder an dem Einsatz beteiligt waren. Die will ein Augenzeuge am Dienstagmorgen auf dem Anwesen beobachtet haben. Am Dienstagmorgen war auf Nachfrage bei der Polizei zu erfahren, mehrere Behörden seien an der Aktion beteiligt.

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Verdächtiger soll Szene der Selbstverwalter nahe stehen

Im Gebäude, einem ehemaligen Bauernhof, fanden die Polizisten mehrere verbotene Gegenstände. Sie wurden sichergestellt. Um welche Waffen es sich genau handelt, wurde nicht bekannt gegeben. Nur so viel: Pistolen oder Gewehre seien nicht darunter gewesen, hieß es auf Nachfrage. Anfängliche Gerüchte, es habe sich bei dem offenbar erst seit etwa einem Jahr in Gannertshofen lebenden Mann um einen sogenannten "Reichsbürger" gehandelt, bestätigten sich am Dienstag nicht. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, steht der 55-Jährige jedoch der Szene der "Selbstverwalter" nahe. Deren Mitglieder fühlen sich dem Staat nicht zugehörig, erklären sich mitunter für unabhängig und markieren ihre Anwesen teilweise mit "Grenzen". Anders als die Reichsbürger berufen sie sich nicht auf das Fortbestehen eines "Deutschen Reichs". Einige sind nach Ansicht des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz jedoch bereit, den angeblich durch sie selbst verwalteten Raum mit Waffengewalt zu verteidigen. Ob es bei dem Einsatz in Gannertshofen zu Widerstandshandlungen gekommen ist, ließ Polizeisprecherin Graf offen.

Bild: Sabrina Schatz

Der Zeitpunkt der Durchsuchung am frühen Dienstagmorgen war bewusst gewählt: Üblicherweise setzten die Ermittler solche Einsätze zu Uhrzeiten an, zu denen die Betreffenden zu Hause vermutet werden, hieß es von der Polizei. In dem Fall in Gannertshofen war das gegen 4.30 Uhr. Mehrere Personen wurden in dem Gebäude angetroffen.

SEK in Gannertshofen: Drohte der Mann ein "Blutbad" an?

In Gannertshofen ist der Polizeieinsatz am Dienstag das Gesprächsthema Nummer eins: „Da muss es heftig zugegangen sein“, sagt ein Mann im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Mann soll der Polizei zunächst nicht geöffnet haben, ist zu hören. Stattdessen soll ein „Blutbad“ angedroht worden sein. Die Polizei habe sich daraufhin wohl Zutritt verschafft. Bürger berichten von lauten Knallgeräuschen, die in der Umgebung zu hören gewesen seien. Das Sondereinsatzkommando der Polizei habe Rauch- oder Blendgranaten gezündet, wird vermutet. Eine Bestätigung gibt es von offizieller Seite dafür nicht.

Offensichtlich gibt es jedoch Schäden an dem Gebäude: Bretter sind in den Öffnungen der Eingangstür und zwei Fenstern zu sehen. Die hat die örtliche Feuerwehr eingebaut, die dazu gegen 5.30 Uhr alarmiert wurde und mit sechs Mann anrückte, wie Kommandant Jörg Schenk bestätigt. Tür und Fenster seien bei dem Polizeieinsatz zu Bruch gegangen. Als die Feuerwehrleute vor Ort waren, seien Polizeibeamte gerade dabei gewesen, das Gebäude zu durchsuchen.

Diese Aktion zog sich offenbar hin. Ein Gannertshofer, der gegen 6 Uhr mit seinem Hund an dem betreffenden Haus vorbei ging ging, sah auf dem Anwesen mehrere Männer mit Westen mit der Aufschrift „Steuerfahndung“. Ob der 55-Jähriger wegen weiterer Straftaten verdächtig ist, sagt Polizeisprecherin Grab nicht. Die Ermittlungen laufen noch. Der Mann wurde nach seiner Vernehmung wieder freigelassen.

Schon in den frühen Morgenstunden wurde ein Einsatz der Polizei in Gannertshofen bekannt: Sondereinsatzkommando stürmt Haus in Gannertshofen

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