Es war keine kriminelle Tat, die am Vormittag des 26. Oktober zu einem großen Polizeiaufgebot vor dem Rathaus in Senden geführt hat. Sogar die Polizeipräsidentin Claudia Strößner war vor Ort, dazu einige Gäste auch aus der Politik und von anderen Blaulichtorganisationen. Denn es gab einen freudigen Anlass: Auf dem Grundstück Kemptener Straße 2, also direkt neben dem Rathaus, ist der offizielle Spatenstich für den Neubau der Polizeidienststelle erfolgt. Ende 2024 soll das vierstöckige Gebäude bezugsfertig sein. Es erfüllt nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West alle Anforderungen an einen heutigen funktionellen Polizeibau und lässt eine flächenmäßige Weiterentwicklung der Dienststelle in Senden zu.
Bauherr ist allerdings nicht die Polizei selbst oder ein staatlicher Dienstleister, sondern die Sendener Wohnungs- und Städtebaugesellschaft SWSG, eine Tochtergesellschaft der Stadt Senden. Sie errichtet ein Bürogebäude, die Polizei wird als Mieterin einziehen, die polizeispezifischen Einbauten allerdings selbst bezahlen. SWSG-Geschäftsführer Marco-Manuel Reyes beziffert die Gesamtkosten für das Gebäude mit ungefähr 880 Quadratmetern Nutzfläche, Tiefgarage und oberirdischen Parkplätzen auf rund 4,5 Millionen Euro, die Stadt Senden bezuschusst das Vorhaben mit 1,45 Millionen Euro.
Im Rathaus in Senden steht nicht mehr Platz zur Verfügung
Endlich könne das Bauprojekt beginnen, sagte Reyes und beschrieb kurz die einzelnen Schritte auf dem Weg dahin. Schon seit 1985 ist die Polizei im Sendener Rathaus untergebracht. 2006 wies der damalige Leiter auf ständig steigende Anforderungen an die Polizei und auf die Notwendigkeit einer Erweiterung hin. Die Stadt wuchs, es gab mehr Straftaten, die Polizei benötigte mehr Personal. Ende 2014 habe man die angemietete Fläche für die Polizei im Rathaus auf 350 Quadratmeter ausdehnen können, sagte Reyes. Doch auch die Stadtverwaltung brauchte mehr Platz, deshalb gab es dort fortan keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten mehr.
Die Bürgermeisterin Claudia Schäfer-Rudolf berichtete in ihrer Ansprache von einem Besuch in der Polizeistation nach ihrem Amtsantritt. Sie habe einen großen Joghurtbecher gesehen, der dort gestanden habe, weil es hineingeregnet habe, erzählte sie. "Es kann doch nicht sein, dass die Polizei in einer Stadt dieser Größe so arbeiten muss", habe sie sich gedacht. Auch die Polizeipräsidentin war der Meinung, dass etwas unternommen werden muss. Schäfer-Rudolf sprach am Donnerstag von einem "tollen Tag für alle in Senden": Gemeinsam gelinge es nun, eine neue Dienststelle zu schaffen, die vernünftige Arbeitsbedingungen für die Beamtinnen und Beamten biete. Mit dem Neubau wolle man ein Zeichen setzen für die Leute in dieser Stadt, sagte die Rathauschefin.
Es sei ein tolles Signal, dass die Polizei dazu bereit sei, in der mit Abstand zweitgrößten Stadt des Landkreises weiterhin Personal in einer Dienststelle einzusetzen und entsprechende finanzielle Mittel zu investieren, sagte der stellvertretende Landrat Erich Winkler. Die Polizeipräsidentin Claudia Strößner betonte, der Neubau sei ein klares Bekenntnis zum Polizeistandort in Senden und zum nördlichen Landkreis. "Man merkt, dass der Bereich Senden und Neu-Ulm eine hohe Arbeitsbelastung mit sich bringt", sagte sie. Es sei sogar der am stärksten belastete Bereich im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums. Fast 15.000 Einsätze haben die Polizistinnen und Polizisten Strößner zufolge im Jahr 2022 in Neu-Ulm und Senden bewältigt.
Noch weitere Einheiten der Polizei könnten künftig in Senden untergebracht werden
Die Polizeipräsidentin ging in ihrer Rede auch auf die anstehenden Umstrukturierungen bei der Polizei im Landkreis ein. Sie merke, dass es in der Bevölkerung viel Unsicherheit gebe, sagte sie im Hinblick auf die geplante Fusion der Polizeiinspektionen Illertissen und Weißenhorn. "Wir werden im Gespräch bleiben und versuchen, die Ängste zu nehmen", betonte Strößner, die am Donnerstag auch die Polizeidienststelle in Weißenhorn besuchte. Im Zuge der Umstrukturierung bietet es sich zudem an, die Polizeistation Senden an die Polizeiinspektion Neu-Ulm anzugliedern, fügte die Polizeipräsidentin hinzu. Keine der geplanten Maßnahmen solle einen Rückzug der Polizei aus der Fläche bedeuten, kein Standort solle abgewertet werden: "Die Organisationsmaßnahmen, die man prüft, sind dazu da, die polizeiliche Präsenz zu erhöhen."
Nachdem sie gemeinsam mit Architekt Martin Maslowski und den weiteren Projektbeteiligten zum Spaten gegriffen hatte, äußerte sich die Polizeipräsidentin auf Nachfrage unserer Redaktion noch zur personellen Ausstattung der Polizei in der Stadt mit 23.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Derzeit seien 15 Beschäftigte in der Dienststelle im Sendener Rathaus tätig, nach dem Umzug in den Neubau sollen künftig um die 20 Beamtinnen und Beamte dort arbeiten. "Es könnte auch sein, dass weitere Einheiten, die bislang an anderen Standorten sind, dort untergebracht werden", sagte Strößner. Die Fläche dafür sei vorhanden. Im Hinblick auf die künftige Präsenz und Dienststelle der Polizei in Weißenhorn sagte sie: "Wir schauen: Was braucht die Stadt Weißenhorn - gefühlt und tatsächlich?"
Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt sagte nach Strößners Besuch auf Nachfrage, es seien "gute Gespräche" gewesen. Jeder habe am Ende noch lachen können. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Es werde eine Presseerklärung vorbereitet und es sei vereinbart worden, vorher sich dazu nicht zu äußern. Man ziehe an einem Strang, sagte Fendt. "Alle wollen das Beste für die Polizei." (mit krom)