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Fußball

18.05.2018

Thomas Tuchel: Von „Klein-Paris“ ins richtige Paris

Der Krumbacher Thomas Tuchel wird ab der kommenden Saison wieder auf der Bühne der Champions League zu sehen sein. Der Ex-Spatz wird Trainer bei Paris Saint-Germain.
Bild: Bernd Thissen/dpa

Der Ex-Spatz Thomas Tuchel wird neuer Trainer beim französischen Meister PSG. In seiner Heimat Krumbach ist niemand von seinem sportlichen Erfolg überrascht

„Klein-Paris“? Willi Fischer muss bei diesem Begriff ein wenig schmunzeln. Aber, ja in der Tat, ab und zu werde Krumbach tatsächlich als „Klein-Paris“ bezeichnet. Wahrheit, Dichtung und Legende kommen da irgendwie zusammen. Der Heimatvereinsvorsitzende berichtet von Krumbacher Viehhändlern, die im 19. Jahrhundert in Paris aktiv waren und dann ihren Frauen Pariser Mode mit nach Hause brachten. Das war offenbar optisch sehr beeindruckend. Das geflügelte Wort „Klein-Paris“ war geboren. Nun wird ein Mann aus „Klein-Paris“ eine Lebensreise ins richtige Paris antreten. Es ist Thomas Tuchel, der Trainer bei Paris Saint-Germain (PSG) wird.

Es ist ein Karrierehöhepunkt für Tuchel, der in seinem Leben schon ganz andere Zeiten erlebt hat. Das Jahr 1998 ist ein Tiefpunkt für ihn. Ständig Schmerzen, ein Knorpelschaden, eine teure Operation. Der Profivertrag beim damaligen Zweitliga-Aufsteiger SSV Ulm 1846 unter Trainer Ralf Rangnick war ausgelaufen, Gehalt gab es keins. „Auf meinem Konto war null“, erinnert sich Tuchel in einem großen Interview mit dem Zeit Magazin Mann im Herbst 2017. Tuchel sortiert eine Weile nachts bei einem Bäcker in Ulm Brötchen. Besonders bitter: Hätte die Verletzung keinen Strich durch seine Profilaufbahn gemacht, hätte er in der folgenden Saison mit Ulm in die erste Liga aufsteigen können. Noch heute zehren die Spatzen von der Bundesliga-Saison 1999/2000. Eine Erfahrung, die Tuchel verwehrt bleibt. Wer weiß, wohin seine Reise gegangen wäre, hätte er erstklassig spielen dürfen. Die Voraussetzungen dafür brachte er jedenfalls mit.

Der Krumbacher Thomas Tuchel geht nach Paris

1992 absolviert der Krumbacher sein Abitur am Simpert-Kraemer-Gymnasium. „Er war schon damals sehr zielstrebig“, erinnert sich sein ehemaliger Sportlehrer Hans Komm an Tuchel im Sport-Leistungskurs. „Seine nationale und internationale Karriere wundert mich nicht.“ In den Jugendmannschaften des TSV Krumbach sei Tuchel der Beste gewesen. Mit 14 Jahren wurde er mit der Schulmannschaft Deutscher Meister in Berlin. Komm: „Jetzt, als PSG-Trainer, wird sein Name überall zu sehen sein. Und das hat er auch verdient.“ Willi Härtle, ein weiterer Sportlehrer Tuchels, beschreibt ihn als „anders als der Rest“. Der Jugendliche „trank nicht einen Tropfen Alkohol, schließlich wollte er Profi werden“.

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1992 unterschreibt Tuchel seinen ersten Profivertrag bei den Stuttgarter Kickers. Doch er kommt gerade mal auf acht Zweitliga-Einsätze. Er wechselt zum SSV Ulm 1846 in die Regionalliga Süd. Ein Abstieg. Als seine Karriere als Spieler endet, beschließt er, BWL zu studieren und nach Stuttgart zu ziehen. Nebenbei arbeitet er als Kellner. Tuchel hat das Gefühl, mit dem Fußball abgeschlossen zu haben.Doch als er erfährt, dass die Spatzen in die Bundesliga aufgestiegen sind, will er zurück – als Trainer.

Thomas Tuchel: Differenzen mit Funktionären

Zunächst ist er Jugendcoach beim VfB Stuttgart, dann bei seinem alten Verein, dem FC Augsburg. Parallel dazu schließt er die Prüfung zum DFB-Fußballlehrer ab – als Jahrgangsbester. 2008 wechselt er in den Nachwuchsbereich des FSV Mainz 05. Mit seinem A-Jugendteam wird er deutscher Meister. Ein Jahr später schafft es Tuchel völlig unerwartet auf den Cheftrainerposten in Mainz. Plötzlich im Rampenlicht, plötzlich in den Medien. Dann der nächste große Sprung: Von 2015 bis 2017 ist er Trainer bei Borussia Dortmund.

Der erfrischende, offensivfreudige Stil von Tuchel-Teams begeistert die Fans. Doch da sind auch immer wieder Differenzen mit Funktionären. Tuchel sei ehrgeizig und gehe keinem Konflikt aus dem Weg, beschreibt ihn seine Grundschullehrerin Karin Deisenhofer. Sie habe erfahren, dass Tuchel einen Intensiv-Sprachkurs in Französisch besucht. „Da muss ich sagen: Hut ab!“ Und welcher Draht bleibt Tuchel zur Heimat? „Ich habe meine Kindheit und Jugend in Krumbach verbracht, meine Eltern sind in Krumbach immer fest verwurzelt gewesen“, sagte er vor einigen Jahren in einem Interview mit unserer Zeitung. Und nun gibt es noch eine besondere Verbindung. Von Paris nach Klein-Paris.

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