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Neusäß

02.08.2018

Welcome to the USA, willkommen in Deutschland

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2 Bilder
Schüler aus Gersthofen besuchen während eines Austauschprogramms eine Highschool in North Carolina in der Vereinigten Staaten.
Bild: Renate Roberston

Jugendliche berichten von ihrem Schüleraustausch. Was sie positiv überrascht hat und was sie an dem fremden Land nicht so toll finden.

Das Justus-von-Liebig-Gymnasium Neusäß veranstaltet dieses Jahr zum sechsten Mal einen USA-Schüleraustausch. Die Partnerschule ist die Northwest Guilford Highschool in Greenboro, North Carolina. Die deutschen und amerikanischen Schüler besuchen sich gegenseitig für jeweils zwei Wochen. Hier berichten sie, welche Vorurteile sie hatten und was sie im fremden Land überrascht hat.

Landschaft und Städte

Als die Neusässer Schüler in Amerika aus dem Flugzeug steigen und zu ihren Gastfamilien fahren, fällt den Jugendlichen zuallererst die Landschaft auf. Die 16-jährige Ricarda Zurek aus Augsburg erinnert sich noch an ihren ersten Eindruck: „Mir war gar nicht bewusst, dass zwischen den einzelnen Gebäuden und Häusern so viel freier Platz liegt. Das Land ist so weitläufig. Und alles ist einfach viel größer.“ Das liegt vor allem an den großflächigen Pferdefarmen, die sehr weit auseinander liegen, erklärt ihr die 16-jährige Addison Greenhill, ihre Austauschpartnerin.

Das Besondere an ihrer Heimat North Carolina, betont die 18-jährige Amerikanerin Megan Brewer, ist, dass sie dort Berge und Strand haben. „Wir leben genau in der Mitte“, sagt sie. Als die Amerikaner Deutschland besuchten, waren Städte wie München und Augsburg für die Jugendlichen ein besonderes Erlebnis. Addison sagt: „Sie sind viel älter, haben mehr Charakter. Alles ist hübsch und sauber.“

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Kleidung

Als Megan an ihrer Schule in den USA mit dem Deutschunterricht anfing, zeigte die Lehrerin ihr nur Bilder von Deutschen in Lederhosen. Bis zum Austausch hat Megan geglaubt, dass die Menschen in Deutschland tatsächlich die meiste Zeit Tracht tragen. „Normale Kleidung haben wir im Unterricht kaum gesehen“, sagt Megan. „Ich war überrascht, dass die Klamotten in Deutschland ganz normal sind. Auf vielen stehen sogar englische Sprüche drauf.“

Mentalität

Die 16-jährige Chiara Novakovic aus Neusäß hatte vor ihrer Reise in die USA ein bestimmtes Bild von den Amerikanern im Kopf: „Wir hatten alle das Vorurteil, dass die Amerikaner sehr verrückt sind. Aber stattdessen waren sie ganz normal. Alle waren zu uns sehr nett und sehr höflich.“ Als die Schülergruppe zum Beispiel einen Besuch in Washington machte und dort mit der U-Bahn fuhr, sprachen fremde Leute die Jugendlichen an und unterhielten sich mit ihnen. Die Freundlichkeit der Menschen wirke auf sie zwar ungewohnt, aber nicht unangenehm. „Die Amerikaner sind nicht so distanziert und verschlossen wie wir Deutschen.“

Amerikanerin Meghan erklärt das so: „In South Carolina ist die sogenannte ,Southern Hospitality‘ ganz typisch. Die Menschen in den Südstaaten legen sehr viel wert auf Gastfreundschaft. Alle sind nett zueinander, helfen sich gegenseitig.“

Das bemerkte auch der 15-jährige Joshua Schmidt aus Neusäß. „Bei der Gastfamilie hat man sich schnell eingelebt. Man ist Teil der Familie geworden.“ Der 18-jährige Wyatt Wallace erkennt dagegen keinen Unterschied zwischen den USA und Deutschland: „Hier ist es genauso wie bei uns, alle sind sehr nett zueinander.“

Verkehr

Viel eindrücklicher erinnert sich der 18-jährige Amerikaner an die deutschen Autos auf den Straßen: „In Amerika haben wir viele sehr alte und kaputte Autos. Aber hier in Deutschland sind alle super schön.“ Seine Mitschülerin Addison bestätigt das: „Mercedes zum Beispiel. Bei uns ist das ein absoluter Luxus, aber hier gibt es so viele davon.“

Begeistert ist Wyatt auch von den öffentlichen Verkehrsmitteln, die im Vergleich zu North Carolina in Deutschland sehr gut ausgebaut sind. „Es ist total einfach, überall hinzukommen.“ Das ist in der Heimat der Austauschschüler ganz anders. Dort sind die öffentlichen Verkehrsmittel kaum ausgebaut. Joshua und Chiara erzählen: „Es gibt an vielen Straßen nicht mal Gehwege, so wie bei uns. Auch Fahrradfahrer sieht man kaum.“

In Amerika sei das sogar richtig gefährlich, ergänzt Wyatt: „Fahrradfahrer werden andauernd von Autos angefahren. Es ist einfach nicht üblich in North Carolina.“ Doch öffentliche Verkehrsmittel werden in den USA auch gar nicht benötigt. Ricarda erzählt: „Jedes Familienmitglied hat ein Auto. In Amerika fährt jeder Auto, und du darfst schon mit 16 Jahren deinen Führerschein machen.“

Und viele Jugendliche hätten in den USA auch gar keine andere Wahl. So wie Wyatt: „Du musst eigentlich mit dem Auto fahren. Wenn ich das Fahrrad nehmen würde, dann bräuchte ich zwei Stunden zur Schule. Mit dem Auto sind es nur zwanzig Minuten. Und ich wohne schon relativ nahe im Vergleich zu anderen.“

Doch nicht alles finden die Amerikaner am deutschen Verkehr gut, Megan Brewer sagt: „Was mir gar nicht gefällt, ist, dass, wenn man über eine Straßenkreuzung läuft, die Ampel einfach auf Rot schaltet und man nicht weiß, wie viel Zeit man noch hat.“ In Amerika gibt es einen Countdown, der die Zeit angibt. Das sei nicht so gefährlich wie in Deutschland, erklärt Megan.

Lebensstil

Auch der Lifestyle unterscheidet sich zwischen deutschen und amerikanischen Jugendlichen sehr stark. Joshua sagt: „Mir war nicht bewusst, dass ein Schüler in den USA mindestens zwei oder drei Hobbys hat.“ Sein Austauschpartner spiele in der Sommersaison Fußball, im Winter Basketball und dann spiele er auch noch Klavier und Gitarre. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt Joshua. Chiara kann sich erklären, woran das liegt: „Alle Hobbys sind in den Schulalltag integriert. In Deutschland müssen wir eher nach Vereinen schauen.“ Die Möglichkeiten an amerikanischen Schulen scheinen vielfältiger: „Wir haben ja nur ein Sportfeld, aber dort gibt es für jede Sportart ein eigenes Feld.“

Essen

Fast Food. Das war das Erste, an das die deutschen Schüler in Amerika dachten. „Ich hatte das Vorurteil: In Amerika essen alle nur Fast Food. Aber das stimmt gar nicht“, sagt Chiara. Megan sieht das anders: „Unser Essen in Amerika ist fettig und salzig. In Deutschland ist es eher saisonal und hochwertiger.“ Besonders von dem vielen frischen Obst sei die 18-Jährige begeistert.

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