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Thannhausen

21.02.2015

Ad Mould ist zahlungsunfähig

Der Thannhauser Werkzeugbauer AdMould ist in Schwierigkeiten geraten.
Bild: Monika Leopold-Miller

Insolvenz: Der Thannhauser Werkzeugbauer hat in den vergangenen Jahren zu viele Verluste erwirtschaftet. Jetzt zog der Mutterkonzern die Reißleine.

Die Ad Mould Werkzeugbau GmbH in Thannhausen hat beim Amtsgericht Neu-Ulm Zahlungsunfähigkeit angemeldet und befindet sich seit dem 27. Januar in der vorläufigen Insolvenz.

Unternehmensinternen Quellen zufolge hat der Werkzeugbauer in den vergangenen Jahren zu viele Verluste erwirtschaftet und konnte lediglich durch die Mutter, die Geiger Automotive GmbH, am Leben gehalten werden. Da ein vernünftiges Konzept für die Sanierung fehlte, wollte der Mutterkonzern diese Verluste nicht mehr tragen. Das bestätigt auch der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Pluta.

Zunächst war geplant, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung abzuwickeln. Ein Verfahren, bei dem der Schuldner weiterhin über sein Unternehmen verfügt, dabei lediglich der Aufsicht eines vom Gericht bestellten Sachwalters unterliegt. Das Amtsgericht wies diesen Antrag jedoch zurück, weil es Nachteile für die Gläubiger fürchtete und bestellte den Ulmer Rechtsanwalt Pluta als vorläufigen Insolvenzverwalter.

Dessen Sprecher betonte, ein klassisches Insolvenzverfahren sei im Gespräch mit allen Beteiligten als die bessere Lösung anerkannt worden. Das Gericht habe einen Interessenskonflikt in der engen wirtschaftlichen Verbundenheit der Firma Geiger mit Ad Mould gesehen, da Geiger sowohl Kunde als auch größter Gläubiger des Werkzeugbauers war. Am 1. April wird nun das Insolvenzverfahren eröffnet.

Pluta habe sich umgehend vor Ort ein Bild von Ad Mould gemacht und entschieden, den Betrieb fortzuführen, erklärt sein Sprecher. Die Gehälter der derzeit 35 Mitarbeiter seien gesichert und fließen weiter. Derzeit sucht der Insolvenzverwalter Investoren für den Werkzeugbauer gesucht. Ziel sei ein Verkauf des Unternehmens. Pluta habe bereits mehrere Gespräche mit Interessenten geführt, die durchaus positiv verlaufen seien. Der Sprecher der Kanzlei verweist jedoch darauf, dass solche Verhandlungen eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Aber „es läuft gut an“. Bislang produzierten die Mitarbeiter von AdMould am Standort Thannhausen hauptsächlich Spritzformen für die Kunststoffteile des Automobilzulieferers Geiger. Die Belegschaft ist verunsichert. Ein Mitarbeiter sagt, ihnen sei kurz vor Weihnachten mitgeteilt worden, dass die Firma geschlossen werden soll. Dann sei lange nichts geschehen, bis plötzlich der Insolvenzverwalter vor der Tür stand. Schlimm sei vor allem die Zeit dazwischen gewesen.

Im Augenblick würden die Mitarbeiter wieder Hoffnung schöpfen, sagt Betriebsrat Benjamin Harasch. Wie es weitergehe, könne er zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht beurteilen: „Wir hoffen das Beste für die Arbeiter und ihre Familien.“ Mehr will er aus Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen im Moment nicht sagen.

Die Automobilzulieferindustrie ist ein hart umkämpfter Markt. In dieser Branche ist auch die Geiger Automotive GmbH mit ihren rund 400 Mitarbeitern „kein großer Player“, wie deren Geschäftsführer, Peter Reif, betont. Da inzwischen auch die Deutschen Autobauer ihre Anfragen global ausschreiben, „ist die Notwendigkeit, sich als Zulieferer global aufzustellen, eine Überlebensfrage“, sagt er. In der Gesamtbetrachtung spielen dabei auch – im globalen Wettbewerb betrachtet – überhöhte Werkzeugkosten eine Rolle. „Geiger kann es sich nicht leisten, bei den Werkzeugen draufzuzahlen“, sagt Reif.

Um die Aufträge an den neuen Standorten in den USA, China und Mexiko vernünftig stemmen zu können, sei die Entwicklung in Deutschland erst einmal zweitrangig. Daher hat Geiger auch den geplanten Umzug von seinem Stammsitz im oberbayerischen Murnau am Staffelsee in ein neues Werk abgeblasen. Ein bereits gekauftes Grundstück mit einer Fläche von knapp 42000 Quadratmetern im etwa zehn Kilometer von Murnau entfernten Habach hat das Unternehmen wieder an die Gemeinde zurückgegeben.

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