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90 Jahre

20.06.2015

Aus dem kleinen Ebershausen auf die große Bühne

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Endlich beim Theater: Robert Naegele in Ulm 1951 mit Erika Wackernagel in dem Stück „Was ihr wollt“ von Shakespeare.

Schauspieler und Heimatdichter Robert Naegele feiert am 23. Juni Geburtstag. Warum er in seinem Leben genau den gleichen Weg noch einmal gehen würde

Ein wenig unsicher wirkt er, als er aus der ersten Sitzreihe nach vorne ans Rednerpult geht. Die Füße sind nicht mehr ganz jung. Jeder Schritt will da überlegt sein. Doch es geht noch alleine. Sein Helfer steht bereit. Dann setzt er sich an den Tisch, blickt ins Publikum und spricht – mit einer Stimme, die den Raum des Krumbacher Heimatmuseums füllt. Kein Zittern, kein Haspeln ist zu hören, sondern ein Schauspieler und Hörfunksprecher, der sein Handwerk gelernt hat und noch immer beherrscht. Robert Naegele war fast 90 Jahre, als er zur Eröffnung seiner Ausstellung nach Krumbach ins Heimatmuseum kam und aus seinem Leben erzählte und aus seinen Büchern las. Zu hören war sein Alter wahrlich nicht. Gelernt ist eben gelernt, er ist ein Profi auf der Bühne. Am 23. Juni nun ist es so weit: Der 1925 in Nattenhausen geborene und in Ebershausen aufgewachsene Schauspieler und Schriftsteller Robert Naegele wird 90 Jahre alt.

Seinen Geburtstag will Robert Naegele in München „ganz schlicht“ feiern, mit seinen Freunden, bei Kaffee und Kuchen. Lesen will er etwas, vielleicht eine Geschichte von Hermann Hesse. „Ich glaube noch gar nicht, dass ich 90 werde“, sagt er selbst. Robby, wie seine Freunde ihn nennen, lebt schon lange in München, jetzt am Entenbach in einem Wohnstift. „Jeder Besucher staunt, wie schön ich es habe“, sagt er. Auch wenn ihm sein Abschied von der Wohnung im Herzen der Stadt schwergefallen ist, genießt er die Vorzüge seiner neuen Bleibe, kann er sich hier doch versorgen lassen.

Er gibt jedoch noch längst keine Ruhe, sondern schreibt noch immer kurze Geschichten, unter anderem für die Turmschreiber, eine Vereinigung bayerischer Schriftsteller und Journalisten, die jährlich ein Hausbuch veröffentlichen und zu denen er seit 1994 gehört. Über den Helfer, der ihn auch jüngst ins Heimatmuseum begleitet hat, hat er in der neuesten Ausgabe geschrieben, über sein „Knechtle“, wie er ihn auf gut schwäbisch nennt. „Knechtle“ hat ihn schließlich auch die Mutter genannt, wenn er frühmorgens den eiskalten Herd geschürt hat. Außerdem steht die Veröffentlichung seines zehnten Buches kurz bevor. „Wer hilft Frau Schräubele?“, heißt das Bühnenstück, das bald in Buchform erscheint.

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Der junge Robby aus dem kleinen Ebershausen verwirklichte seinen Traum vom großen Schauspieler. Ursprünglich hat Robert Naegele in einem Eisenwarenladen in Krumbach gelernt, ein Kriegseinsatz folgte. Danach war er nicht mehr zu halten: Mit dem Fahrrad fuhr der junge Mann damals nach Memmingen, um Schauspielunterricht zu nehmen, und bekam am Stadttheater eine erste Rolle. Zahlreiche Engagements an Theatern im gesamten deutschsprachigen Raum folgten. Er spielte den „Schneider von Ulm“, die Titelrolle in Don Carlos, den Prinz von Guastalla in Emilia Galotti, … Die jugendlichen Liebhaber und Helden waren Rollen, die er besonders liebte. Sein Lieblingsstück: „Draußen vor der Tür“, ein Drama Wolfgang Borchert, in dem er den Kriegsheimkehrer spielte. Rollen im Fernsehen, darunter in populären Krimis wie „Tatort“ oder „Derrick“, kamen hinzu und Robby verdiente endlich Geld. „Ich konnte mir dann ein Apartment leisten“, erinnert er sich heute. Nicht zu vergessen ist auch sein Engagement im Hörfunk. Für den „Schwabenspiegel“ des Bayerischen Rundfunks wurde er quasi vom Fleck weg engagiert. Nachdem sein erster Beitrag nicht gesendet wurde – seine Aussprache sei zu hochdeutsch gewesen, lautete die Begründung – durfte er auch endlich wieder ins Schwäbische verfallen. In der Sendung „Bairisch Herz – Ausgabe Schwaben“ war er für Zusammenstellung und Regie verantwortlich. Beim Funk hat er also quasi sein Schwäbisch wieder entdeckt, nachdem er sich so mühsam sein Hochdeutsch für’s Theater angeeignet hatte. Im Rundfunk hat er auch viele Fans aus der alten Heimat begeistert, die ihm bis heute die Treue halten und seine Lesungen besuchen.

Sein Leben und seine Erlebnisse – von seiner Kindheit in Ebershausen über die Zeit als viel reisender Schauspieler bis hin zu seinen alten Tagen – hat er in seinen neun Büchern verarbeitet. Viele sind in seiner Muttersprache, eben auf Schwäbisch, geschrieben. „Beim Theater hat man mir das Schwäbisch-Schwätza abgewöhnt“, hat er einmal geschrieben. „Aber das Schwäbisch-Schnaufa konnte man mir nicht abgewöhnen. Auch in der Hochsprache schnaufet meine Seele schwäbisch.“ Um den Alltag, im schwäbischen Dorf oder als Schauspieler in aller Welt, geht es in den Büchern. Spitzbübisch und humorvoll erzählt er alte Lausbubenstreiche und vom Dorfleben, wie es einst war. Manchmal wird er jedoch auch tiefgründig ernst, so etwa wenn er an die Eltern zurückdenkt.

Was würde er anders machen in seinem Leben, wenn er zurückblickt? „Ich würde alles genauso machen“, sagt er heute, ohne nachzudenken und fügt hinzu: „Mein Beruf hat mich völlig erfüllt“. Mit Blick auf die 90 meint er „schön, dass ich im Alter noch dabei sein kann, dass der Kopf noch funktioniert und, dass ich noch lachen kann.“ Und apropos lachen. Da fällt ihm doch gleich noch ein neuer Witz ein ...

gele - Ein Bühnenleben“ ist bis zum 5. Juli jeweils Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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