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Landkreis Günzburg

02.09.2019

Demenz: Wenn Opa mit der Marmelade auf dem Tisch Kreise malt

Sie gehören zum Organisationsteam der ersten bayerischen Demenzwoche: von links Regina Schütz und Alexandra Führer (beide von der Fachstelle für pflegende Angehörige im Landratsamt), Carolin Blank (Leiterin der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion Plus), Johanna Herold (Seniorenbeauftragte des Kreises und Krumbacher VHS-Vorsitzende, Margarete Wachter (Klinikseelsorgerin in Krumbach) und Dr. Anneliese Hösch (Vorsitzende des Hospizvereins Krumbach und Leitende Geriaterin der Kreisklinik). Es fehlen Pflegedienstleiterin Christine Rau (Klinik Krumbach) und Monika Drexler (Einsatzleiterin beim Hospizverein).
Bild: Angelika Stalla

Vom 13. bis zum 22. September findet im Landkreis die erste bayerische Demenzwoche statt. Das Thema soll das Krankenhaus verlassen und an die breite Öffentlichkeit.

War es bislang der Weltalzheimertag, der jährlich in der Kreisklinik Krumbach mit einer Ausstellung oder einem Vortrag zum Thema Demenz seinen Niederschlag fand, so soll das Thema jetzt eine breitere Öffentlichkeit finden. Ausgerufen vom Bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege wird es landkreisweit die erste bayerische Demenzwoche geben. Vom 13. bis zum 22. September werden Veranstaltungen im Kreis Günzburg stattfinden.

„Es ist unser Ziel das Thema Demenz der ganzen Gesellschaft bewusst zu machen“, erklären Regina Schütz und Alexandra Führer von der Fachstelle für pflegende Angehörige im Landratsamt. „Nicht nur Betroffene sollen informiert werden, ein Bewusstseinswandel im Umgang mit der Krankheit und den Betroffenen sowie deren Pflegepersonen soll eingeläutet werden“, sagt Schütz. „Außerdem bewegt eine Woche mehr als ein Tag“, ergänzt Dr. Anneliese Hösch, Vorsitzende des Krumbacher Hospizvereins und Leitende Geriaterin in der Kreisklinik, und wie Regina Schütz von Anfang an bei der Organisation der Alzheimer-Tage dabei. Zum Auftakt der bayerischen Demenzwoche wird es ab dem 13. September in den meisten Buchhandlungen des Landkreises Literaturvorschläge und Informationen zum Thema Demenz geben. Am 17. September informieren dann außerdem die Fachstelle für pflegende Angehörige des Landratsamtes sowie die Gesundheitsregion Plus ab 9 Uhr auf dem Günzburger Wochenmarkt über Angebote für Demenzkranke und deren Angehörige im Landkreis.

Es wird viel vorgelesen

Am 18. September startet dann die „Vorlesestunde für Kinder zum Thema Demenz“. Die erste Station ist um 15.30 Uhr in der Stadtbücherei Krumbach. Außerdem wird um 16 Uhr in der Stadtbücherei Burgau gelesen. Es folgen weitere Vorlesestunden bis ins Jahr 2020 in den Büchereien in Ichenhausen, Jettingen-Scheppach, Leipheim, Thannhausen und Ziemetshausen, für die die Termine noch bekannt gegeben werden. „Es sind auch Kinder betroffen, wenn Angehörige an Demenz erkrankt sind“, erläutert Klinikseelsorgerin Margarete Wachter aus dem Organisationsteam. Je älter sie seien, desto mehr Fragen würden entstehen, erklärt sie. „Warum darf der Opa mit der Marmelade Kreise auf den Tisch malen und ich nicht“ oder „warum macht die Oma in die Hose“ seien beispielsweise Fragen, die Kinder beschäftigten. Es gebe mittlerweile schöne Kinderbücher, die sich mit dem Thema auseinandersetzten und die überdies auch Erwachsenen eine Hilfestellung geben könnten, fügt sie an.

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Der Kinofilm „Für Dich dreh ich die Zeit zurück“ wird am 18. September um 19 Uhr, im Cinepark in Krumbach gezeigt. Darin geht es um ein Ehepaar, das seit 40 Jahren verheiratet ist, als die Frau unter einer fortschreitenden Alzheimer-Demenz zu leiden beginnt.

Es ist wichtig, dass "jeder mit Demenz umgehen kann"

Für Johanna Herold, Seniorenbeauftragte des Landkreises und Vorsitzende der Volkshochschule Krumbach, ist es wichtig, dass „jeder mit Demenz umgehen kann“. Deshalb sei es unabdingbar, mit dem Thema eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Carolin Blank, Leiterin der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion Plus betont, dass es derzeit schon 240000 Demenzkranke in Bayern gibt. Im Jahr 2030 gehe man bereits von 300000 Erkrankten aus. „Deshalb müssen wir alle zusammenhalten“, betont Klinikseelsorgerin Margarete Wachter. Teilhabe sei in allen Bereichen wichtig. „Der Demenzkranke muss sich nicht zurückziehen, sondern die Gesellschaft fängt ihn auf“, ist ihre Idealvorstellung.

Was dem Organisationsteam außerdem wichtig ist: Die diesjährige Demenzwoche strahlt bereits jetzt ins kommende Jahr aus, wenn eine zweite bayerische Demenzwoche stattfinden soll. Die Vorlesestunden für Kinder dauern nämlich noch an, die Bücherei in Leipheim hat angekündigt, ihre Mitarbeiter schulen zu wollen.

Neben der Demenzwoche gibt es im Landkreis fortlaufende Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Jeden ersten Montag im Monat findet ein Treffen in Burgau statt, jeden ersten Dienstag im Monat ist Demenzcafé in der Kreisklinik in Krumbach. Im BKH Günzburg ist jeden ersten Mittwoch Treffpunkt und jeden ersten Donnerstag in Ichenhausen. Nähere Informationen gibt es im Landratsamt Günzburg, bei Regina Schütz oder Alexandra Führer unter der Telefonnummer 08221/95-224 oder 08221/95-210.

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