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Leipheim/Günzburg

31.01.2015

Scheitert die BMW-Ansiedelung an den Altlasten?

Das Foto zeigt einen Ausblick vom ehemaligen Tower des Leipheimer Fliegerhorsts auf das Areal Pro nach Nordwesten. Auf der insgesamt etwa 18 Hektar großen Fläche südlich der Umgehung könnte sich möglicherweise das BMW-Logistikzentrum ansiedeln. Aber es gibt drei bayerische Konkurrenzstandorte.
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Das Foto zeigt einen Ausblick vom ehemaligen Tower des Leipheimer Fliegerhorsts auf das Areal Pro nach Nordwesten. Auf der insgesamt etwa 18 Hektar großen Fläche südlich der Umgehung könnte sich möglicherweise das BMW-Logistikzentrum ansiedeln. Aber es gibt drei bayerische Konkurrenzstandorte.

Auf dem Areal Pro könnten Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht kommen. Manche glauben, dass dies Leipheim aus dem Standortrennen um das BMW-Ersatzteillager werfen könnte. Nun gibt es noch einen Konkurrenten

Jetzt auch noch Bad Wörishofen. Im Standortrennen um das Logistikzentrum des Automobilkonzerns BMW hat sich mit der Kommune aus dem Unterallgäu ein fünfter Bewerber gemeldet. Und dem Areal Pro bei Leipheim scheinen nach der Einschätzung einiger Beobachter die Felle davon zu schwimmen. Es ist die Militär-Vergangenheit des einstigen Fliegerhorst-Geländes, die dem Landkreis Günzburg im Werben um BMW einen Nachteil verschaffen könnte.

Dem Vernehmen nach soll der Autobauer Angst vor den Altlasten haben, die auf dem Grundstück auf dem einstigen Fliegerhorst gefunden werden könnten. Bomben, Granaten und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg könnten dort ans Tageslicht kommen. Ein Gutachten der Oberfinanzdirektion hatte einst 57 Verdachtsfälle auf dem ganzen Areal Pro ausgemacht: Dies sind Orte, wo sich noch Blindgänger im Boden befinden könnten. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat die Stellen untersuchen lassen, aber nichts gefunden. BMW hat selbst ein Altlastengutachten für das potenzielle Grundstück erstellen lassen. Dort gibt es zwei Punkte, wo es Altlasten geben könnte.

Der Geschäftsführer des Zweckverbands Interkommunales Gewerbegebiet Landkreis Günzburg, Christian Zimmermann, sieht das Thema Blindgänger ohne Sorge. „Das Thema Altlasten auf dem einstigen Fliegerhorstgelände ist aus meiner Sicht kein Argument für eine Entscheidung gegen das Areal Pro“, sagt Zimmermann. Es bestehe zwar ein potenzieller „Kampfmittelverdacht“. Er gehe aber davon aus, dass der Grund ebenso beschaffen ist, wie das Areal der Firma Luible in der Nähe. Und dort seien vier Hektar ohne Probleme bebaut worden.

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Bauherren brauchen auf dem Areal Pro eine baubegleitende Kampfmittelräumung. Das bedeutet, dass ein Sprengemeister bei Erdarbeiten aufpasst, ob Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg auftauchen. Der Zweckverband beauftragt damit bei eigenen Arbeiten die Günzburger Firma Terrasond. Als das potenzielle BMW-Gelände jüngst auf Hinterlassenschaften der Römer untersucht wurde, war ein Sprengmeister der Firma vor Ort. „Es wurden keine Kampfmittel gefunden“, informiert Zimmermann.

Die Käufer der Grundstücke kommen für die Kosten dieser begleitenden Kampfmittelräumung auf. Gegenüber dem Zweckverband sind mehrere Interessenten aufgetreten, die das Logistikzentrum für BMW bauen und es dann an den Konzern vermieten wollen, erläutert Zimmermann. Von einer 150 Meter langen und 50 Meter breiten Halle ist die Rede. 340 Arbeitsplätze könnten entlang der Südumfahrung entstehen. „Bei einem Investitionsvolumen von 35 bis 40 Millionen Euro fallen die Kosten für die baubegleitende Kampfmittelräumung nicht ins Gewicht“, sagt der Zweckverbands-Geschäftsführer.

Über den Entscheidungsprozess hat Zimmermann „keine neuen Erkenntnisse“. Zu Anfragen unserer Zeitung äußerte sich BMW nicht. Im März rechnet der Zweckverband mit der Bekanntgabe der Entscheidung. CSU-Landtagsabgeordneter Alfred Sauter hatte jüngst Spekulationen zurückgewiesen, wonach sich die Bayerische Staatsregierung für den Standort Kleinaitingen stark mache. „Das würde ich mir verbieten“, sagte Sauter. Die Staatsregierung sei es nur ein Anliegen, dass das BMW-Ersatzteillager nach Bayern kommt – und nicht nach Baden-Württemberg wandert. Neben Bruckberg bei Landshut, Leipheim, Kleinaitingen und nun Bad Wörishofen ist auch die württembergische Stadt Ellwangen als Standort im Gespräch. Ein mit den Vorgängen Vertrauter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, geht davon aus, dass die Altlastenfrage das Areal Pro vom Spitzenplatz verdrängt habe. „In meinen Augen sind wir derzeit deutlich auf dem zweiten Platz“, sagte er unserer Zeitung – nicht wissend, dass sich auch Bad Wörishofen das BMW-Logistikzentrum ausgeguckt hat.

Zweckverbandsvorsitzender Hubert Hafner sieht keinen Anlass, pessimistisch zu sein. „Wir sind nicht aus dem Rennen“, sagt Landrat Hafner. Bad Wörishofen habe für die Ansiedlung erst zehn Hektar Fläche, nötig seien aber 15. Sauter, der als gut informiert gilt und einen direkten Draht zu Ministerpräsident Horst Seehofer hat, sagt: „Wir kämpfen weiter für Leipheim.“ Aber auch im Fall, dass BMW dem Areal Pro nicht den Zuschlag geben sollte, werde er nicht Trübsal blasen. Es sei für die Wirtschaft ein hervorragender Standort. An der A8 werde es interessante Entwicklungen geben, glaubt Sauter. Röfingen, Jettingen-Scheppach, Günzburg, Bubesheim und Leipheim könnten „die tollsten Flächen“ anbieten. Die genannten Kommunen seien in der komfortablen Lage, nicht jeden nehmen zu müssen. Sauter sagt: „Man muss nur warten können.“

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