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Landkreis Günzburg

14.12.2020

Wie der Corona-Lockdown Einzelhändler im Kreis Günzburg trifft

Der Einzelhandel geht ab Mittwoch, 16. Dezember, in einen coronabedingten Lockdown in Deutschland. Dann muss auch Mode Obermeier in Krumbach seine Türen bis Januar schließen. Montag und Dienstag wurden die Öffnungszeiten bis 20 Uhr erweitert.
Bild: Annegret Döring

Plus Am Mittwoch müssen Geschäfte des nicht täglichen Bedarfs ihre Türen schließen. Längere Öffnungszeiten, Kurzarbeit und ein bisschen Hoffnung - wie die Händler im Kreis Günzburg reagieren.

Am Mittwoch ist es so weit: Nur noch Geschäfte des täglichen Bedarfs dürfen geöffnet haben. Alle anderen müssen wegen des beschlossenen coronabedingten Lockdowns schließen – vorerst bis zum 10. Januar 2021. Wir hörten uns in der Region um, wie dies betroffene Einzelhändler trifft und was sie dazu sagen.

Einzelhandel im Landkreis Günzburg: Weihnachtsgeschäft ist das Wichtigste im Jahr

Brigitte Obermeier-Schober, Geschäftsführerin und Inhaberin von Mode Obermeier in Krumbach, hat schon mit einem Lockdown gerechnet, „aber nicht so extrem früh“, sagt sie. Sie fühlt sich nicht sehr wohl bei dem Gedanken, dass das Weihnachtsgeschäft, das eines der wichtigsten im Jahr sei, nun durch den Lockdown betroffen ist. Als schnelle Reaktion hat sie ihr Geschäft am Montag und Dienstag bis 20 Uhr geöffnet, „mehr konnten wir auf die Schnelle nicht vorbereiten“, sagt sie. Sie hofft, dass sie die Winterware in ihrem Bekleidungsgeschäft auch noch im Januar an den Mann oder die Frau bringen kann, da wäre man ja noch mitten im Winter. Allerdings dürfte der Lockdown dann nicht verlängert werden.

Ob sie für ihre Angestellten dann im Dezember noch Kurzarbeit anmelden kann, weiß sie noch nicht. Der Steuerberater müsse das erst durchrechnen und außerdem müssten alle Überstunden und alter Urlaub abgebaut sein. Im Januar müsse sie dann aber mit Sicherheit Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. „Ich kann die Krankheit nicht einschätzen, natürlich gehen Menschenleben vor“, sagt sie. Dennoch betont sie, dass sie die Schließungen nicht verstehe, auch nicht bei der Gastronomie. Wenn alles so gefährlich sei, dann müssten auch Lebensmittelläden schließen. Sie hätten sich immer an Hygienekonzepte gehalten.

Blumen: Ware wird verderben, nicht nur in Leipheim

„Eine ganz, ganz schwierige Zeit“, ist es für Heidi Mößle, Inhaberin von Blumen Schmid in Leipheim, denn sie hat schon die ganze Ware für Weihnachten eingekauft, neben Dekoartikeln vor allem frische Pflanzen und Schnittblumen. „Wir gucken, dass wir die Sachen rauskriegen“, sagt sie, und gibt spontan 30 Prozent Rabatt auf Weihnachtssterne, Christrosen und andere Saisonware. Gestern hatte sie viel Kundschaft im Laden – „wir stehen wirklich gerade Kopf“ –, dennoch sei ein Abverkauf der frischen Pflanzen und Blumen in den zwei Tagen bis zum Lockdown kaum machbar. Was dann nicht verkauft ist, bedeutet für sie Verlust, beim Lockdown im Frühjahr sei verdorbene Ware jedenfalls nicht ersetzt worden. Und Weihnachtsdekoration, die heuer im Trend ist, lässt sich zwar aufbewahren, in der folgenden Weihnachtssaison seien jedoch dann andere Farben im Trend, sagt Heidi Mößle. Sie rechnet damit, dass sie ihr Geschäft jetzt mindestens vier Wochen geschlossen halten muss. Aber gerade der Umsatz in der Vorweihnachtszeit sei wichtig für das Geschäft mit drei Mitarbeitern, um die eher ruhigen Monate Januar bis März über die Runden zu kommen.

Der Saisonwechsel ist auch in der Modebranche ein Problem. Marlene Müller, Mitarbeiterin bei Schuh Beck in Günzburg, rechnet durchaus damit, dass der vorerst bis 10. Januar angesagte Lockdown verlängert wird, was für die Geschäftsleute noch mehr Unsicherheit bedeutet. „Generell geht es dem Einzelhandel nicht gut“, sagt sie deshalb, versucht aber trotzdem, optimistisch zu bleiben: „Wir machen das Beste daraus.“ Stiefel wurden kurzfristig über das Wochenende um 20 Prozent reduziert, auch Hausschuhe sind in der kalten Jahreszeit und als Geschenk zu Weihnachten vermehrt gefragt. Marlene Müller hofft, dass für Kunden bestellte Ware und Reparaturen noch vor der Schließung am Mittwoch abgeholt werden können, aber „notfalls müssen die Leute halt warten“.

Feinkost und Weihnachtsdekoration mit erweiterten Öffnungszeiten

Aufatmen kann Marion König in Jettingen, die nicht nur Geschenkartikel wie jetzt vor Weihnachten Christbaumkugeln, Engel und andere saisonale Deko, sondern auch ausgewählte Lebensmittel verkauft. Zuerst aber habe es „große, große Verwirrung gegeben“, weil nicht klar war, ob sie auch am Mittwoch ihr Geschäft noch öffnen darf. Sie darf, weil sie ein Gewerbe mit Feinkost angemeldet hat. Vorsichtshalber aber hat Marion König am Wochenende schon auf Facebook und Instagram die längeren Öffnungszeiten für gestern und heute gepostet. Ihre Kunden haben das Angebot gestern gut genutzt, sagt sie und fügt auch gleich noch ein großes Lob an: „Unsere Kunden sind sehr kooperativ“, Hygieneregeln würden sie vorbildlich einhalten. Marion König und ihr Mann Diethard König, der sich überwiegend um die vom Lockdown nicht betroffene Glaserei kümmert, wollen nicht klagen. „Die meisten jammern“, sagt Diethard König, „aber denen geht’s auch wirklich schlecht.“

Wenn es läuft wie beim ersten Lockdown im Frühjahr, dann kann Susanne Bissinger von Elektro Spengler in Ichenhausen gelassen bleiben. „Wir sind kein reines Verkaufsgeschäft“, sagt sie. Der Landesinnungsverband des Elektrohandwerks hatte das Unternehmen im Frühjahr als „Mischbetrieb des Handwerks“ eingeordnet, der geöffnet bleiben durfte, weil „der Verkauf von Waren unabdingbarer Teil des Betriebes“ ist. Bissinger ging gestern Nachmittag davon aus, dass das auch jetzt so sein wird, sagte allerdings: „Ich habe jetzt noch keine Nachricht“, die Homepage des Landesinnungsverbands für das Bayerische Elektrohandwerk sei wohl wegen der vielen Aufrufe immer wieder abgestürzt. Genaue Informationen seien erst heute zu erwarten.

Beratung für Elektrogeräte am Telefon in Ichenhausen

Den überwiegenden Teil des Umsatzes macht Elektro Spengler mit Elektroinstallationen, diese Sparte ist vom Lockdown nicht betroffen. „Installation und Kundendienst bleiben gewährleistet“, sagt Bissinger, die gestern Nachmittag davon ausging, dass im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühling das Ladengeschäft nicht geöffnet werden kann. Aber auch wer einen neuen Kühlschrank braucht oder zu Weihnachten eine Mikrowelle verschenken will, kann sich trotz Lockdown beraten lassen, telefonisch dann eben. Für Mitnahmeartikel wird ein Übergabetermin vereinbart. Susanne Bissinger ist froh, dass das möglich ist, auch wenn es „auf alle Fälle mehr Aufwand“ ist.

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