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Landsberg

16.09.2020

Ärger wegen der Schulbusse im Landkreis Landsberg 

Die Platzkapazitäten in den Bussen reichen teils nicht aus, wenn die Schüler zur Schule oder mittags nach Hause fahren. Das Landratsamt versucht gegenzusteuern und übt Kritik an den Busunternehmen und der Gemeinde Dießen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der Landkreis Landsberg mietet wegen der Corona-Auflagen zusätzliche Fahrzeuge an. Im Kreisausschuss wird Kritik an Busunternehmern und der Gemeinde Dießen laut.

Eigentlich sollen die Schüler morgens und mittags in den Bussen wegen des Coronavirus Abstand halten. Tatsächlich ist das aber nur schwer einzuhalten. Dietmar Winkler, der am Landratsamt für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) und damit auch für den Schulbusverkehr verantwortlich ist, kritisierte die aktuelle Situation im Kreisausschuss mit deutlichen Worten. Er beklagte vor allem die Situation in Landsberg und am Ammersee.

„Wir haben ein Problem bei der Schülerbeförderung“, machte Dietmar Winkler gleich zu Beginn der Sitzung klar, und das obwohl der Landkreis sich bereits im August darum gekümmert habe, dass weitere Busse eingesetzt werden, um die Corona-Regeln und das damit verbundene Hygienekonzept einhalten zu können. „Wir haben zehn zusätzliche Busse im Einsatz“, berichtete er. Dabei sei es eigentlich Aufgabe der Busunternehmer, für ausreichend Kapazitäten zu sorgen. Diese hätten aber keinerlei Rückmeldung gegeben, wo Kapazitäten nicht ausreichen. „Probleme haben wir selber mitbekommen oder durch Eltern erfahren“, sagte Winkler im Kreisausschuss.

Kommunen für Grund- und Mittelschüler verantwortlich

Die zusätzlichen Busse seien auf den Strecken in Richtung Kaufering, Landsberg, Dießen und Schondorf im Einsatz, informierte Winkler. Das Problem sei, dass der Landkreis nur für die Fahrten von Schülern der Gymnasien bis Klassenstufe zehn, der Realschulen und des Förderzentrums zuständig sei. Bei Grund- und Mittelschülern müssten sich die Kommunen um die Organisation des Schulverkehrs kümmern – was allerdings nicht überall funktioniere. „In Dießen passiert das trotz Beförderungspflicht nicht. Der Verkehr zur Carl-Orff-Mittelschule erfolgt über unser Liniennetz. Wir reden hier über 190 Schüler“, informierte Dietmar Winkler. Die Schließung der Mittelschulen in Utting und Windach habe zu dieser verschärften Situation geführt, so der Mitarbeiter des Landratsamts.

Ärger wegen der Schulbusse im Landkreis Landsberg 

Dießens Geschäftsstellenleiter Karl Heinz Springer sagte dazu auf Nachfrage des LT, dass sich die Marktgemeinde keines Versäumnisses bewusst sei. „Das Landratsamt hat uns diesbezüglich bisher auch nicht kontaktiert. Wir werden das Gespräch suchen.“

In Eresing und Eching sind die Schülerzahlen höher

Winkler präsentierte den Kreisräten auch Zahlen über zusätzliche Fahrgäste. So seien laut den Zahlen des Landratsamts beispielsweise in Eching neun Schüler für die Nutzung der Busse gemeldet, tatsächlich seien es 20 und in Eresing seien es statt der offiziell 16 insgesamt 30. Schwer zu kalkulieren sei auch die Auslastung in Landsberg, so Winkler. Das hänge damit zusammen, dass es für Schüler von Waldorf- und Montessorischule sowie Gymnasiasten der Klassenstufen elf und zwölf und für Schüler der FOS/BOS eine Wahlfreiheit bestehe, wie sie zur Schule kommen. Hier gibt es keine Beförderungspflicht für den Landkreis, so der Fachmann. Das mache die Planung zu einem „Lotteriespiel“. Zumal auch weitere Gruppen – beispielsweise Senioren, die einen Ausflug machen – zusteigen könnten, dann werde der Bus schnell sehr voll.

„Müsste der Abstand von 1,5 Metern auch in den Bussen eingehalten werden, bräuchten wir zehn zusätzliche Busse in Landsberg und zwölf für den Überlandverkehr“, informierte der Organisator des ÖPNV im Landkreis. Landrat Thomas Eichinger (CSU) ergänzte dazu, dass der Mund-Nasen-Schutz geringere Abstände ermögliche. Er machte aber auch klar, dass es ohne politische Lösungen auf höherer Ebene nicht möglich sein werde, das Problem zu beheben. „Unterschiedliche Zeiten beim Unterrichtsbeginn würden helfen. Ein Problem ist auch, dass es zu wenig Busse und Fahrer gibt. Weil aber alle Landkreise das Problem haben, kann ich nicht bei den anderen wildern.“

Zusätzliche Kosten für Landkreis Landsberg

Und dann ist da noch die zusätzliche finanzielle Belastung für den Landkreis. Laut Winkler werden heuer wohl 220000 Euro fällig. Abgemindert werden die Kosten durch einen Rettungsschirm des Freistaats. Der zahlt vier Euro Zuschuss pro gefahrenem Kilometer. Zu wenig, so der Fachmann. „Unter 400 Euro am Tag bekommen wir keinen Bus angemietet. Deswegen reicht der Zuschuss nicht. Zudem gilt der Rettungsschirm bis Jahresende. Was machen wir, wenn die derzeitigen Corona-Regeln 2021 auch noch gelten?“, warf Winkler in den Raum.Im Kreisausschuss wurde darüber nicht weiter diskutiert.

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