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Mundart im Landkreis Landsberg

13.09.2015

Der heimische Dialekt ist auf dem Rückzug

Der Lechrain - unser Foto enstand bei Reichling mit Blick auf Apfeldorf und Kinsau - hat seine eigene Sprache.
Bild: Julian Leitenstorfer

Immer weniger Menschen sprechen Lechrainisch. Das hat viele Gründe. An den Schulen etwa bleibt kaum Zeit dafür.

So wie sich Leben und Lebensweise der Menschen ändern, verändert sich auch ihre Sprache. Das zeigt sich gerade im Landkreis, wo ein ganz eigener Dialekt gesprochen wird. Oder muss man sagen, wurde? Der Lechrainer Dialekt ist eine eigentümliche Mischform, die östlich des Lechs zwischen Friedberg, Landsberg und Schongau zu hören ist. Doch die einzigartige Regionalsprache ist seit Jahren auf dem Rückzug. Sie wird nicht nur vom Hochdeutschen verdrängt, sondern auch vom Bairischen ausgehöhlt.

Martin Wölzmüller ist der Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. Er stammt aus Prittriching und wohnt heute im Eglinger Ortsteil Heinrichshofen an der Grenze zum Landkreis Aichach-Friedberg. Er spricht den Dialekt noch und hat Anfang der 1990er-Jahre das Buch „Der Lechrainer und seine Sprache“ herausgebracht. Die Menschen, die den Dialekt sprechen, werden immer älter, sagt er. Und ihre Sprache geben sie immer seltener an Kinder oder Enkel weiter. „Der Spracherwerb beschränkt sich nicht mehr nur auf den Familienkreis“, sagt Martin Wölzmüller.

Die Einflüsse sind vielschichtig. Über die Medien lernen Kinder eine ganz andere Sprache kennen und an der Schule wird in der Regel Hochdeutsch gesprochen. Daran ändert auch die zweite Auflage der Handreichung für Schulen „Dialekte in Bayern“ nichts. An den Grundschulen im Landkreis ist sie zwar bekannt, damit gearbeitet wird aber nicht. Das hat Schulamtsdirektor Rudolf Schönauer bei einer Umfrage bei den Rektoren erfahren. „Der Dialekt kommt zu kurz“, sagt er, und verweist auf die Fülle an Anforderungen, die heutzutage an Schüler und Lehrer gestellt würden.

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Ruth Wiedemann, die Leiterin der Grundschule an der Platanenstraße in Landsberg, hat Lechrainer Wurzeln. Ihre Mutter stammt aus Walleshausen. Und wenn die sich im Dialekt unterhält, dann werde es selbst für die Tochter schwer, sie zu verstehen. Mundart habe an ihrer Schule ihren Platz in Liedern, Gedichten oder Theaterstücken. Allerdings werde dann nicht Lechrainisch, sondern eher Münchener Bairisch gesprochen. Im Westen Landsbergs gebe es nur noch wenige Kinder, deren Eltern und Großeltern schon in der Stadt lebten. Darüber hinaus besuchen auch viele Kinder von Migranten den Unterricht. Viele von ihnen müssten in der deutschen Sprache speziell gefördert werden. Und wie sieht es auf dem Land aus? Scheuring liegt mitten im Lechrain. Dort ist Angelika Dott die Schulleiterin. Sie lebt zwar seit 40 Jahren in Kaufering, den lokalen Dialekt spricht sie aber nicht. Und mittlerweile auch nur noch die wenigsten ihrer Schüler. Für Projekte fehle die Zeit. Martin Wölzmüller kennt diese Entwicklung. Seine Kinder seien „zweisprachig“ erzogen worden. Mit der Großmutter unterhalten sie ich im Dialekt, mit Gleichaltrigen anders.

Alt, mit Relikten aus dem Mittelhochdeutschen

Martin Wölzmüller kann verstehen, dass viele Lechrainer Begriffe verschwinden, weil die Sprache sehr landwirtschaftlich geprägt sei. Er hofft aber, dass die Phonetik erhalten bleibt. Ein auffälliges Merkmal des Lechrainischen sei das harte, kehlige -kch-, das sonst nur im Allgäu oder in Tirol zu hören sei. Der Lechrainer Dialekt ist vom Lautstand her überwiegend als schwäbisch einzustufen, sein Wortschatz dagegen eher bairisch geprägt. Er ist laut Wölzmüller ein sehr alter Dialekt sogar mit Relikten aus dem Mittelhochdeutschen.

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