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Fuchstal

14.02.2018

Die Rolle des Ahorns und des Regenwurms

Mit diesem Gerät wurde im Ascher Eichwald der Holzzuwachs bestimmt.
Bild: Andreas Hoehne

Ludwig Pertl stellt Ergebnisse des überregionalen Boden-Projekts im Fuchstaler Gemeinderat vor. Wie kann man den Wald auf die Klimaveränderungen anpassen?

Seit November 2016 läuft im Landkreis sowie in fünf weiteren Alpenländern das dreijährige Projekt „Links4Soils“, in dem erforscht werden soll, wie man den Boden auf die klimatischen Veränderungen anpassen kann. Auf regionaler Ebene beteiligen sich Kaufering, Obermeitingen, Igling, Scheuring und die Gemeinde Fuchstal finanziell an dem Projekt. In Fuchstaler Gebiet fand die erste Phase der Studien statt. Projektleiter Ludwig Pertl informierte die Gemeinderäte über die Ergebnisse und versicherte, dass man sich im Gemeindewald auf einem guten Weg befinde.

Die Wassermenge gibt den Ausschlag

Man hätte den Fuchstaler Eichwald für die ersten Untersuchungen ausgewählt, so Pertl, da dessen Schotterboden den Verhältnissen in 70 Prozent des Alpenraums entsprächen. Man habe den Holzzuwachs verschiedener Baumarten im Halbstundentakt gemessen und wichtige Ergebnisse erhalten, die im Ausland große Beachtung gefunden hätten. Festgestellt wurde, dass die Fichte in ihrer Hauptvegetationszeit während einer Heiß-Trocken-Phase im Juni ihr Wachstum praktisch vollständig eingestellt habe. Ganz anders der Ahorn, der über zahlreiche Feinwurzeln verfügt und Wasser auch aus tieferen Bodenschichten beziehen könne. Damit habe sich gezeigt, dass nicht die Temperatur, sondern die Wassermenge den Ausschlag für den Holzzuwachs gebe.

8000 Kubikmeter verdunsten pro Tag

Mit der fehlenden Wasseraufnahme entfalle die Fähigkeit des Waldes, mit Hilfe der Verdunstung für ein kühl-feuchtes Klima zu sorgen, das der Hitze im Sommer und der Erderwärmung entgegenwirken kann. Allein im 130 Hektar großen Fuchstaler Gemeindewald verdunsteten 8000 Kubikmeter Wasser am Tag. Notwendig sei es deshalb, in den Wald andere Baumarten zu bringen, die für einen durchwurzelten und humusreichen Boden sorgen und Trockenphasen überstehen. Damit schaffe man einen Bio-Dauerwald mit höchstmöglichen Erträgen.

Landwirte mit ins Boot holen

In Fuchstal habe man vor 30 Jahren mit der Umwandlung der Wälder begonnen, wies Bürgermeister Erwin Karg hin. Er hofft, dass man in dieser Richtung weitermache, so Pertl. Wenn man zusätzlich die Landwirtschaft mit ins Boot hole, könne man Fuchstal zu einer Modellregion entwickeln und kleinräumig die Auswirkungen des Klimawandels neutralisieren. „Wir können uns nicht leisten, weiter wegzuschauen“, so Pertl, zumal es einen langen Vorlauf brauche, um Veränderungen im Wald zu erzielen.

Eine Tüte mit Fruchtgummi

Ein Rätsel sei für ihn das derzeitige Wertesystem, stellte der Forstexperte fest. Denn man belohne klimaschädliches Verhalten wie etwa mit der Subventionierung von Kohle, Erdöl und Erdgas, Maßnahmen zur Verringerung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes würden jedoch sogar bestraft. So zahle der Waldbauer beim Anbau von Ahorn und Pappel derzeit noch drauf. Ein Umdenken werde wohl erst einsetzen, wenn man den Ausstoß des Klimagases wie etwa in der Schweiz mit einer Abgabe belege und das Geld für dessen Vermeidung einsetze.

Ein besonderes Geschenk hatte Perl den Gemeinderäten mitgebracht: ein Tütchen mit Regenwürmern aus Fruchtgummi. Diesen Bodenbewohnern komme bei der Umwandlung des Waldbodens in fruchtbaren und lebendigen Humus eine besondere Rolle zu, so Pertl. Deshalb wurden in Fuchstal durch die Diplom-Landwirtin Anna Köhler Regenwürmer gezählt. Im Ahornwald waren es pro Quadratmeter drei Mal so viel wie unter den Fichten.

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