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Dießen

09.10.2019

Klimadebatte: Haben Aktivisten den SUV eines Dießeners beschädigt?

Gerd Beyer hat einen 15 Jahre alten VW Tuareg, um vor allem einen Wohnwagen zum Wintercamping zu ziehen. Er wurde zuletzt immer wieder Opfer von Vandalismus am Fahrzeug.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der 15-Jahre alte VW Touareg des Dießeners Gerd Beyer wurde schon mehrmals von Unbekannten beschädigt. Eine Anzeige brachte bislang aber noch keinen Erfolg. 

Die Unbekannten kommen entweder nachts oder in unbeobachteten Augenblicken. Und immer wieder ist das Auto des Dießener Gerd Beyer Ziel dieser Attacken. Mal erwischt es die Reifen, mal die Karosserie. Gerd Beyer ist sauer. Der ehemalige Pilot der Bundeswehr fährt einen VW Touareg. Und dieser Typ Fahrzeug gehört zu den immer stärker in der Kritik stehenden SUVs (Sport Utility Vehicles).

Autos wurden von Klima-Aktivisten beschmiert

Kaum eine andere Fahrzeugart polarisiert in Zeiten der Klima-Diskussionen und Klima-Demonstrationen so stark wie diese geländegängigen Autos. So wurden einige unlängst in München von Aktivisten mit Parolen wie „Klima-Killer“ beklebt, beschmiert, deren Fahrer Anfeindungen ausgesetzt. Vor allem in Großstädten wächst die Aversion gegenüber den SUV drastisch an, aber auch in heimischen Regionen wie am Ammersee sind inzwischen Anzeigen bei der Polizei anhängig.

Die Attacken begannen vor zwei Jahren

Für Gerd Beyer begann der Kontakt mit dem Phänomen SUV-Hass vor zwei Jahren. Da wurde sein VW Touareg Ziel einer „perfiden Attacke“, wie er es bezeichnet. Der Pensionist wunderte sich, weshalb im Laufe der Zeit der Reifendruck an seinem Fahrzeug immer weiter abnahm. „Mal war es rechts, dann hinten links und dann wieder an einem anderen Reifen.“ In der Werkstatt sei man dem Rätsel auf die Spur gekommen. „Offenbar hat jemand mit einer medizinischen Spritze Löcher in die Lauffläche der Reifen gestochen.“ Die Luft sei immer dann entwichen, wenn die Einstichstelle nach unten zeigte, das Auto also mit vollem Gewicht auf die Schadstelle drückte. Das war der erste Fall, der Beyer rund 700 Euro kostete – und den er damals noch nicht zur Anzeige brachte. Es sollte jedoch nicht die letzte Attacke gewesen sein.

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Glänzen in der Reifen-Lauffläche

Etwa ein Jahr später fiel ihm ein goldfarbenes Glänzen in der Lauffläche seiner neuen Sommerreifen (Neupreis: 800 Euro) auf. Eine Schraube steckte dort zwischen den Gummiprofilen. Gerd Beyer ist sich sicher: „Die wurde hineingedreht.“ Die Schraube sei nagelneu, unverrostet, in keiner Weise verbogen gewesen, sondern steckte kerzengerade in dem Reifen.“ Jetzt wandte er sich an die Polizei, doch die Ermittlungen brachten kein Ergebnis.

Der letzte Vorfall ereignete sich im April. Eines Morgens ging er an den Kofferraum seines Autos und sah, dass die Typenbezeichnungen fehlten. „Die waren nicht einfach abgerissen, sondern müssen fein säuberlich entfernt worden sein.“

Die Fahrerin schüttelte heftig den Kopf

Alles Zufall? Seine Frau Heidi Beyer glaubt das nicht. Als sie bei einem örtlichen Discounter auf den Parkplatz fuhr, bemerkte sie einen ebenfalls einfahrenden VW-Bus älteren Baujahres. „Die Fahrerin schaute provozierend zu mir und schüttelte heftig den Kopf.“

Früher war die S-Klasse das Ziel

Polizeihauptkommissar Michael Strohmeier, kommissarischer Leiter der PI Landsberg, glaubt dabei eher an ein gewisses Neidverhalten. „Früher waren die Limousinen der Mercedes S-Klasse oder die 7er-BMW-Reihe Ziel solcher Attacken.“ Dabei sieht er die Neiddiskussion, zumindest bei den Mittelklasse-SUV oder Mini-Vans, unangebracht: „Durch das Downsizing der Motoren oder die Start-Stopp-Automatik hat sich der Schadstoffausstoß der modernen Fahrzeuge deutlich reduziert.“ Da gäbe es andere, wie von Heidi Beyer erwähnte ältere Autos, die wahre Schmutzschleudern seien. In seinem Zuständigkeitsbereich, zu dem auch der nördliche Ammersee gehört, kann er aber keinen Anstieg der Delikte in Sachen SUV feststellen.

Zunehmender Vandalismus

Seine Kollegen in Dießen verzeichneten in diesem Jahr mehrere Vorfälle wie zum Beispiel der im Januar, als ein Unbekannter in der Schondorfer Bahnhofstraße gegen die Türe eines dort abgestellten Audi Q7 getreten habe. In Dießen wurde im August jeweils ein VW Tiguan zerkratzt, einmal in der Von-Eichendorff-Straße, einmal in der Bahnhofstraße. Dennoch will der Chef der PI Dießen, Hauptkommissar Alfred Ziegler, ebenfalls nicht von einer signifikanten Häufung von Attacken gegen SUVs sprechen: „Ich glaube eher, dass die Vorfälle dem zunehmenden Vandalismus zuzuschreiben sind.“ Was er allerdings feststellt, ist eine so nie dagewesene Neiddiskussion: „Was uns in der Gesellschaft inzwischen immer mehr fehlt, ist Toleranz.“

Der SUV muss einen Wohnwagen ziehen

Weshalb nun aber fahren die Beyers nach den gemachten Erfahrungen überhaupt ein solches Auto, zumal sie seit einem Jahr überlegen, sich einen Neuwagen zuzulegen. Die Beiden sind seit 27 Jahren begeisterte Wintercamper, sagt Gerd Beyer, und den Wohnwagen dafür müsse ein Auto erst einmal ziehen können, auch aus schwerem Gelände heraus.

Außerdem geht der 77-Jährige nach wie vor in den Wald, um Material für seinen Kachelofen zu holen, mit dem er das gesamte Haus heizt. Er versichert: „Als Sohn eines Försters lebe ich sehr bewusst im Umgang mit der Natur.“ Zum Einkaufen würden sie auch immer einen Korb mitführen, um Plastiktüten zu vermeiden. Kein Verständnis hat Beyer dagegen, dass sich niemand über „alte, stinkende Klein- oder VW-Busse aufregt, mit denen viele Mütter ihre Kinder in die Schule fahren, anstatt dorthin zu laufen.“

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