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Landsberg

27.04.2020

Landsberg: Erinnern an grausame Verbrechen

Gedenkfeier in der Welfenkaserne: (von links) Oberbürgermeister Mathias Neuner, seine Stellvertreterin Doris Baumgartl, Oberstleutnant Thomas Sandlein, Bürgermeister Thomas Salzberger und Hauptmann Gerhard Bechtold.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Vor 75 Jahren wurden die KZ-Außenlager bei Kaufering und Landsberg befreit. Ein Künstler geht wegen der Corona-Pandemie neue Wege der Erinnerung.

Vor 75 Jahren erreichte die VII. US-Armee den Landkreis Landsberg und befreite die noch in den KZ-Außenlagern verbliebenen Häftlinge. Sie entdeckten dabei vor allem im Lager IV bei Hurlach Berge von Leichen von in den Tagen zuvor an Krankheit verstorbenen oder ermordeten Häftlingen. Die SS hatte das Lager in Brand gesteckt. Um an diese Ereignisse zu erinnern, fanden gestern in Landsberg Gedenkveranstaltungen statt. Der Landsberger Künstler Wolfgang Hauck hat eine besondere Ausstellung entwickelt.

Am Montagmorgen wehten die israelische, bayerische und bundesdeutsche Flagge an der Wache der Welfenkaserne zwischen Landsberg und Igling. In der Untertageanlage fand anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung der KZ Außenlager Kaufering-Landsberg wegen der Corona-Pandemie nur eine kleine Gedenkveranstaltung statt. Oberbürgermeister Mathias Neuner, die Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl, der Kauferinger Bürgermeister Thomas Salzberger und der Standortälteste Oberstleutnant Thomas Sandlein legten im Beisein der Vertreter der Militärgeschichtlichen Sammlung „Erinnerungsort Weingut II“ am Gedenkstein Kränze nieder und gedachten der Opfer der grausamen Verbrechen.

Jederzeit zugänglich und sicher erreichbar

Seit Montag präsentiert der Landsberger Künstler Wolfgang Hauck mit seiner Online-Ausstellung „1945-2020: Eine aktuelle Bestandsaufnahme der Landsberger Erinnerungskultur“ ein ganz besonderes Ausstellungsformat: digital, interaktiv als virtuelle Realität. Die Ausstellung zeige das Nicht-Sichtbare und doch Gegenwärtige, heißt es in einer Pressemeldung. 75 Jahre nach Kriegsende solle reflektiert werden, wie eine Stadt und eine Gesellschaft mit der Erinnerungskultur im Jahr 2020 umgeht. Dazu habe Wolfgang Hauck ein Ausstellungsformat entwickelt, das in den Zeiten der Corona-Pandemie jederzeit zugänglich und sicher erreichbar sei.

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„Es ist zudem weit mehr als eine Dokumentation. Dieses Format zeigt sechsmal Variationen der Säulenhalle in Landsberg in einer anderen Gestaltung und führt mit den Panoramatouren auch an andere Orte, die nicht zugänglich sind“, sagt Wolfgang Hauck. Die virtuelle Eröffnung erfolgte als Live-Streaming über Youtube und wurde als Video aufgezeichnet. So kann man sie jederzeit ansehen. Und das wurde laut Wolfgang Hauck bis Ende April über 300 Mal getan.

Was sich vor 75 Jahren ereignet hat

In der Stadt Landsberg endete der Zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch der amerikanischen Soldaten am 27. April, die über die Staustufe 15 die Innenstadt erreichten und am 28. April noch den Norden und Osten der Stadt über die Eisenbahnbrücke bei Kaufering besetzten. Deutsche Kampftruppen hatten zuvor beide Lechbrücken gesprengt. Es war zu kleineren Gefechten gekommen mit insgesamt etwa 30 Toten und einzelnen Granateinschlägen in der Stadt. In den Tagen zuvor hatte die SS die KZ-Außenlager geräumt. Die noch gehfähigen Häftlinge wurden im sogenannten Todesmarsch nach Dachau getrieben. Daran erinnert auch das Todesmarschdenkmal an der Neuen Bergstraße in Landsberg.

Mehr über die KZ-Außenlager Kaufering: KZ Dachau: "Es schwebte immer der Tod über den Köpfen der Häftlinge"

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