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Landsberg

22.06.2020

Landsberg: Maskengegnerin darf nicht mehr am DZG unterrichten

Bei einer Kundgebung gegen die Corona-Schutzmaßnahmen Ende Mai auf dem Landsberger Hauptplatz (unser Foto) hat unter anderem auch eine Lehrerin des Landsberger Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums gesprochen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Eine Landsberger Lehrerin kritisiert öffentlich die Corona-Schutzmaßnahmen. Ein Schüler hat sich unter anderem deswegen beim Kultusministerium und der Schulleitung beschwert.

Sie weigert sich, Mundschutz zu tragen und die allgemein gültigen coronabedingten Abstandsregeln einzuhalten. Deswegen darf eine Lehrerin jetzt nicht mehr am Dominikus-Zimmermann-Gymnasium (DZG) in Landsberg unterrichten. Zudem wurde gegen die Frau eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Kultusministerium eingereicht. Verfasst wurde die Beschwerde von einem „sehr besorgten Schüler“, der das Landsberger Tagblatt darüber per E-Mail informierte. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich die Lehrerin zu den Vorwürfen.

Die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat unter anderem bei einer Kundgebung gegen die Corona-Schutzmaßnahmen am 30. Mai auf dem Hauptplatz über ihre Situation berichtet. Zu sehen und zu hören ist das in einem auf Youtube veröffentlichten Video. Darauf bezieht sich auch der Schüler, der seinen anonymen Brief an unsere Zeitung, das Kultusministerium, die Ministerialbeauftragte für Oberbayern-West und an die Schulleitung des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums geschickt hat. Er sei sich nicht sicher „ob sie ihren Lehr- und Erziehungsauftrag in Zeiten einer Pandemie vollumfänglich und korrekt erfüllen kann“, schreibt er. Ihn und einige Mitschüler treibe die Sorge um, dass die Lehrerin ihrem Lehrauftrag nicht mehr gerecht werde. Schließlich würde sie ihren Schülern beibringen, den Mindestabstand nicht einzuhalten, keine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und unbeschränkten Kontakt zueinander zu haben.

Die Lehrerin hat ein Attest vom Arzt

„Das alles sind doch keine pädagogischen Mittel“, sagt die Lehrerin. Mundschutz zu tragen, halte sie für gefährlich. Auch könne sie nicht damit leben, dass ihre Schüler überwacht würden und der Schulhof „mit seinen aufgemalten Kreuzen einem Exerzierplatz gleicht“. Alles, was vor Corona pädagogisch wertvoll war, würde nun über Bord geworfen. Das könne sie mit ihrem Lehrauftrag, den sie unter anderem seit über zehn Jahre am DZG mit seinen rund 820 Schülern gewissenhaft erfülle, nicht verantworten.

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Sie habe ihren Vorgesetzten, Schulleiter und Oberstudiendirektor Bruno Bayer, bereits Anfang März darum gebeten, dem Kultusministerium schriftlich mitzuteilen, dass sie nur dann bereit sei, weiter zu unterrichten, wenn das zu „normalen Bedingungen“ möglich sei. Sie könne so nicht unterrichten, auch weil ihr ein Attest vorliege, das zeige, „dass sie Luft zum Atmen brauche“.

Auch an die Oberbürgermeisterin hat sie sich gewandt

Außerdem habe sie sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) gewandt und sie darin auf die Gefahr hingewiesen, die vom Tragen eines Mundschutzes ausgehe. „Eine Antwort habe ich aber nicht bekommen.“ Vielmehr sei ein anderer Vorfall, bei dem ein Landsberger Gastronom die Polizei einschaltete, weil „ich angeblich den Mindestabstand bei einem Besuch in dem Lokal nicht eingehalten habe“, an die Schule gemeldet worden. „Ich habe nie ein Protokoll meiner Vernehmung gesehen, aber die Schulleitung weiß wohl, was da drin steht.“ Trotzdem sei sie weiter zur Schule gegangen, weil es ihr wichtig sei, ihre Schüler zu unterrichten. Außerdem habe ihr Bayer versichert, dass es ihre Privatsache sei, wo und wie sie sich politisch engagiere.

Vergangene Woche änderte sich die Situation aber: „Ich habe vier Stunden Unterricht gehalten, so wie ich es für richtig empfunden habe“, erinnert sich die Lehrerin. Tags darauf habe sie Schulleiter Bayer vor einem Klassenzimmer abgefangen. „Er hat mir gesagt, ich hätte mich wieder nicht an die Regeln gehalten und dass ich so nicht weiter unterrichten darf. Ich habe daraufhin meine Sachen gepackt und bin gegangen.“ Die Schule werde sie erst dann wieder betreten, wenn sich die Lage wieder normalisiere, also wenn es keine Pflicht mehr gebe, Masken zu tragen und Abstandsregeln einzuhalten. „Da habe ich aber wenig Hoffnung“, sagt sie.

Der Schulleiter möchte sich nicht äußern

Schulleiter Bruno Bayer will sich nicht zu dem Fall äußern und verweist auf die Pressestelle des Kultusministeriums. Doch auch dort möchte man aus personen- und datenschutzrechtlichen Gründen keinerlei Auskünfte über etwaige Beschwerden, Ermittlungen oder disziplinarische Maßnahmen geben. Pressesprecher Daniel Otto teilt ganz allgemein mit, dass die Hygienevorschriften vor Ort auf große allgemeine Akzeptanz stoßen und sehr umsichtig berücksichtigt würden. Jede Schule habe hier nach den Vorgaben des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus ein eigenes Konzept entwickelt, das den lokalen Gegebenheiten angepasst sei. Für die Erstellung und Einhaltung des Konzepts sei die Schulleitung verantwortlich.

Die Antwort des Kultusministeriums fällt knapp aus

In aller Regel würden sich Schüler sowie Lehrkräfte nach bisheriger Erfahrung sehr einsichtig zeigen, was die geltenden Hygienevorschriften an Schulen betreffe. „Bei einem Verstoß durch Schüler gegen Hygienevorschriften wie beispielsweise das Maskengebot kann von Erziehungsmaßnahmen Gebrauch gemacht werden“, so Otto. Dabei komme es darauf an, dem Schüler bewusst zu machen, dass ein Mund-Nase-Schutz nicht primär einen Eigenschutz darstelle, sondern dem Schutz anderer diene und dass es deswegen gerade darauf ankomme, dass alle diesen Schutz tragen.

Lesen Sie auch den Kommentar dazu:Die Schule hat zu spät reagiert

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02.07.2020

wenn man diese Lehrerin so reden hört könnte man glauben entweder ganz links , dann hätte sie aber nichts gegen Vermummung , oder fast Reichersberger , alle anderen sind blöd nur sie hat vollkommen recht den sie ist ja Beamtin ... schade das man solche Leute nicht einfach entlassen kann . jetzt ist nur noch die Frage zu was sie wirklich hin will ? vielleicht hat sie ja einfach keine lust mehr zu arbeiten

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28.06.2020

Momentan ist kollektives Verhalten gefragt, und zwar in Sachen Vernunft. Leute die glauben, ihre individuellen Rechte sind wichtiger als allgemeine Sicherheit benehmen sich egoistisch. Wer glaubt der Virus ist das Ergebnis von fake news, der sollte dringendst seinen Verstand untersuchen lassen. Demokratie schuetzt die Meinung von Minderheiten. Das heisst aber nicht das Minderheiten mit ihrem Verhalten die Mehrheit gefaehrden darf. Was ist ein in Sachen persoenliche Freiheiten eingeschraenktes Jahr im Vergleich zu einem Tod den niemand will. Der Virus kann nur gewinnen durch die Ignoranz der Menschheit. Christine Ernst Namibia

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