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Landsberg

26.11.2020

Landsberg: Welches Geschäft hat Platz für Weihnachtszauber?

Waltraud Kolb (oberes Bild, Mitte) verkauft statt auf dem Christkindlmarkt bei enzer fotografie fotoni. Über die Idee, Fieranten und den Einzelhandel zusammenzubringen, freuen sich auch Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl und Fotograf Ralf Danger.
Bild: Frauke Vangierdegom

Plus Morgen hätte der Landsberger Christkindlmarkt eröffnet werden sollen. Für Fieranten könnte es doch noch eine Möglichkeit geben, ihre Waren zu verkaufen. Auf die Kinder wartet eine himmlische Überraschung.

Kein Lichterglanz, kein Budenzauber läutet die Christkindlmarkt-Zeit in Landsberg ein. Nicht nur denen, die sich um diese Jahreszeit gerne mit Freunden und Bekannten zur geselligen Runde auf dem Georg-Hellmair-Platz trafen, bietet sich dort ein trauriges Bild. Auch für die Fieranten ist in diesem Jahr alles anders als sonst: Statt ihre Waren vor der Stadtpfarrkirche, in der Ludwigstraße oder auf dem Hauptplatz feilzubieten und mit Kunden ins Gespräch zu kommen, stehen viele daheim vor Bergen von Kartons mit den Dingen, die auf dem Christkindlmarkt hätten verkauft werden sollen.

Auch die 74 Jahre alte Waltraud Kolb aus Pürgen war wochenlang damit beschäftigt, über 500 Gläser Marmelade einzukochen, Liköre abzufüllen und Kräutersalze herzustellen. Seit acht Jahren hat Oma Traudi, wie sie von Christkindlmarkt-Besuchern liebevoll genannt wird, einen Stand in Landsberg. Und dieses Jahr war sie, wie viele Fieranten auch, guter Dinge, dass – wenn schon der Christkindlmarkt abgesagt werden muss – wenigstens die Landsberger Stadtweihnacht stattfindet. Doch dann kam alles ganz anders, denn auch diese Alternative musste der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Vorschriften weichen.

Wohin mit über 500 Gläsern Marmelade und Likören?

Und jetzt? Wohin mit den vielen Gläsern und Flaschen? Wie soll Oma Traudi ihre Waren heuer an den Mann oder die Frau bringen? Waltraud Kolb machte sich auf die Suche nach einer Lösung. Zufällig hörte Viola Baumgärtner, die Inhaberin des Landsberger Fotostudios enzer fotografie fotoni, von der Not, in der die Pürgenerin steckte, und sagte spontan: „Die Oma Traudi kann doch ihre Waren bei uns verkaufen.“ Gesagt, getan: Im Treppenaufgang zum Fotostudio wurden zwei Bauernschränke aufgestellt, die Oma Traudi liebevoll dekorierte und mit ihren Waren bestückte. „Ich bin sehr dankbar, dass ich nicht daheim auf meinen vielen Gläsern sitzen bleibe, auch wenn mir der Kontakt zu den Kunden am Stand dieses Jahr sehr fehlen wird“, sagt Oma Traudi. „So kommt wenigstens ein bisschen Vorweihnachtsstimmung auf.“

Fieranten und die Landsberger Geschäftswelt zusammenführen

Im ersten Gespräch zwischen Viola Baumgärtner und Waltraud Kolb entwickelte sich schnell die Idee, auch anderen Fieranten eine Möglichkeit zu bieten, ihre Waren ohne Christkindlmarkt in der Innenstadt anbieten zu können. In einer E-Mail an Landsbergs Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl wurde um die Mithilfe der Stadt gebeten, aus der Idee ein Projekt werden zu lassen.

 Am Georg-Hellmair-Platz hat Margaretha Bissing-Götz eine Himmelswerkstatt aufgebaut.
Bild: Julian Leitenstorfer

Jetzt nimmt sich das Raum- und Veranstaltungsmanagement der Stadt Landsberg mit Mirjam Mumm der Idee an und sucht nach weiteren Einzelhändlern in der Innenstadt, die Fieranten einen Platz in ihrem Geschäft anbieten können, wo wenigstens ein Teil der Ware präsentiert und verkauft werden kann. „Das ist eine hervorragende Idee“, sagte Bürgermeisterin Baumgartl, als sie sich an Oma Traudis Auslage im Fotostudio von Viola Baumgärnter selbst ein Bild machte. „Ich persönlich bin sehr traurig, dass wir nach dem Christkindlmarkt auch die Stadtweihnacht absagen mussten. Aber wenn alle zusammen helfen, können wir den Fieranten vielleicht ein bisschen helfen.“

In der Landsberger Innenstadt werden noch Läden gesucht

Aktuell werden Läden in der Innenstadt gesucht, in denen Zinnfiguren, Dekosterne, Räucher- und Duftstäbchen, Kinderbücher, Olivenholz-Waren oder eingemachte Pesto und Marmeladen verkauft werden können.

Wie sehr den Landsbergern ihr Christkindlmarkt fehlt, zeigt auch eine Idee von Elvira Zuber aus Landsberg, die sie pünktlich zur eigentlichen Eröffnung des Christkindlmarkts in die Tat umsetzen möchte. In einer E-Mail an das Landsberger Tagblatt schreibt sie: „Wäre es nicht wert, in dieser tristen Zeit den Bewohnern von Landsberg vorzuschlagen, sämtliche Fenster mit Kerzen zu erleuchten. Ich würde mich freuen und mache es auf jeden Fall.“

Ein bisschen Weihnachtszauber wird es auf dem Georg-Hellmair-Platz ab heute aber dann doch geben. Margaretha Bissinger-Götz, Gestalterin für visuelles Marketing bei der Stadt Landsberg, hatte gleich, nachdem feststand, dass es in diesem Jahr weder einen Christkindlmarkt noch ein Christkindl geben wird, die Idee, wenigstens das Audienzhäuschen des Christkindls auf seinem angestammten Platz aufzustellen und darin eine Himmelswerkstatt einzurichten.

Das Christkindlhäuschen am Hellmairplatz in Landsberg wird heuer zur Himmelswerkstatt.
Bild: Thorsten Jordan

Seit ein paar Wochen hat sie zusammen mit den Bauhof-Mitarbeitern gesägt, gemalt, gebastelt und das Häuschen tapeziert und eingerichtet. Entstanden ist die Landsberger Himmelswerkstatt. Wenn heute, so gegen 17 Uhr, die Vorhänge zurückgezogen und das Licht in der Werkstatt eingeschaltet wird, wartet vor allem auf die Kinder eine himmlische Überraschung. Mehr noch: Bis Weihnachten wird sich die Szenerie in dem Holzhäuschen mit Briefkasten davor noch dreimal ändern, bis – „bis dann eben Weihnachten ist“, sagt Bissinger-Götz mit einem Augenzwinkern.

Einzelhändler, die Fieranten bei sich aufnehmen möchten, können sich beim Raum- und Veranstaltungsmanagement der Stadt Landsberg unter der Telefonnummer 08191/128-500 melden.

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