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Imkerverein St. Ottilien

05.10.2016

Mitten im Leben und auf der Höhe der Zeit

Bei der 100-Jahr-Feier des Imkervereins St. Ottilien (von links) Bürgermeister Josef Loy, Martin Wieser, Ulrike Windsperger und Markus Gläserke.
Bild: Franz Thoma

Bienenzüchter feiern das 100-jährige Bestehen ihres Zusammenschlusses

Schöpfungsfreundlich und zukunftsfähig, Respekt vor allem, was den Lebensatem in sich hat. Als inspirierende Vision reihte sich dieser Ausspruch von Pater Eugen Badtke, Zelebrant des Festgottesdienstes, zum bestimmenden Thema der 100-Jahr-Feier des Imkervereins St. Ottilien ein. Weiß man doch gerade unter den Imkern um die Sensibilität der Bienenvölker, eben auch als Anzeiger des ökologischen Gleichgewichts.

Gut 120 der aktuell 187 Mitglieder hatten sich zunächst in der Pfarrkirche in Eresing zum Gottesdienst versammelt. Dabei trug der eigens gegründete Chor der Imker mit der Deutschen Messe von Franz Schubert zur musikalischen Gestaltung bei. Eine Idee, die sich gerne fortsetzen dürfe, wie Zweiter Vorsitzender Jan Kolditz anmerkte.

Ihm war es auch überlassen, ein paar beeindruckende Zahlen zu den Bienen zu nennen: Bis zu 60000 Bienen leben in einem einzigen Bienenvolk, 100000 Flüge benötigen die Bienen, um ein Pfund Honig herzustellen. 250-mal schlagen Bienen pro Sekunde mit den Flügeln und fliegen bis zu 30 Stundenkilometer, und wenn es sein muss, auch noch bis zu zehn Kilometer weit.

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Zum schmackhaften Schmaus beim „Alten Wirt“ hatte sich der Imkerverein reichlich Vortragskost verordnet. Die Universitätsdozentin und Gartenratgeber-Autorin Ulrike Windsperger referierte zum Thema „Bienen und Ökologie – Die Bedeutung der Bienen im Naturkreislauf“. Beängstigend wirkte ihr Einstiegszitat von Beate Jessel, der Präsidentin des Umweltbundesamts, wonach 40 Prozent aller Pflanzen und Tierarten vom Aussterben bedroht seien. Windsperger zeigte Fehlentwicklungen auf, beginnend von heimischen Gärten, die ihr top gestylt wie eine Besserungsanstalt für die Natur vorkommen, bis zur exzessiven Nutzung der Boden Flächen durch Land- und Energiewirte.

Dass die Ottilianer Namensgeber des Vereins sind, ist der herausragenden Kompetenz des Klosters zur Gründerzeit geschuldet. Etliche Jahrzehnte waren die Patres mit ihrer Imkerei ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus, stellte Fachreferent Martin Wieser aus Eching fest. Von Beginn an hatte der Verein ein weites Einzugsgebiet, immer vertreten war auch die Geistlichkeit der umliegenden Pfarreien, gerade zur Gründerzeit. Mitgliedschaften etlicher Familien sind über Generationen bis heute dokumentiert, wie zum Beispiel die Familien Wagner aus Geltendorf, Genitheim aus Egling oder Winterholler aus Windach.

Mit dem jetzigen Stand von 187 Mitgliedern nähere man sich der Boomzeit aus den Jahren 1954/55. Immer war es Auftrag und Idee des Vereins, Wissen um die Imkerei zu vermitteln. In der Zeit um 1927 fand sich mehrmals Karl von Frisch auf der Referentenliste. 1973 sollte er für seine Forschungen an Honigbienen zusammen mit Konrad Lorenz für die „Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern“ mit dem Nobelpreis geehrt werden. Als zweiter Imkerverein Oberbayerns konnte der Verein 1976 eine eigene Fahne weihen. Gewichtig und unbestritten auf Platz eins landete man mit der Gabe der schwersten Kerze Oberbayerns (aus Bienenwachs) im selben Jahr an das Kloster St. Ottilien.

Vorsitzender Markus Gläserke freut sich über den neuen Trend. „Imkern ist in! Ein kleiner Warnhinweis auf ,Suchtgefahr’, aber auch Arbeitsintensität sei angebracht“, sagte er augenzwinkernd. Nicht immer sei es einfach, Urlaubsplanung und Imkerei unter einen Hut zu bringen. Zum Zwecke der Wissensvermittlung werden regelmäßig Möglichkeiten zur Fortbildung angeboten – etwa am Lehrbienenstand bei Eresing. Die Geselligkeit kommt dabei nie zu kurz. Dass sich die Imker viel zu sagen haben, war an diesem Abend offensichtlich. Auch Rosi Häckl aus Ramsach zeigt sich nach drei Jahren als Mitglied fasziniert von ihrem Hobby, das ihr über die Familie ihres Mannes zugetragen wurde. Perfektion, Kraft und Gerechtigkeit im Bienenvolk seien für sie faszinierend.

Das Jubiläum war auch Anlass für eine Ehrung: Ferdinand Drechsler vom Bezirksverband der Imker Oberbayern zeichnete mit Markus Gläserke den langjährigen früheren Vorsitzenden Martin Wieser aus. (thof)

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