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Landsberg

14.11.2019

"Räuber und Banditen": So geht es mit dem Stadtmuseum weiter

Sie freuen sich über die Zukunft des Landsberger Stadtmuseum: Leiterin Sonia Fischer und Dritter Bürgermeister Axel Flörke.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Es gibt Grünes Licht für die Sanierung des Landsberger Stadtmuseums und geplante Landesausstellung im Jahr 2024. Warum der Oberbürgermeister gegen die Schau ist und was er bereits angeordnet hat.

Die „Räuber und Banditen“ können im Jahr 2024 nach Landsberg kommen: Mit 18:10 Stimmen hat sich der Stadtrat am Mittwochabend dafür ausgesprochen, die bayerische Landesausstellung, die diesen Titel tragen soll, ins Stadtmuseum zu holen. Einstimmig wurde beschlossen, das Stadtmuseum zu sanieren, um es für die Landesausstellung und die anschließende neue Dauerausstellung zur Stadtgeschichte baulich fit zu machen. Am Morgen nach der Sitzung leitete Oberbürgermeister Mathias Neuner ( CSU) erste Schritte zur Umsetzung der Beschlüsse ein. Wir erklären, wie es nun weitergeht.

Das Museum an sich bot im Stadtrat kaum noch weiteren Gesprächsstoff. Mit dem Konzept von Museumsleiterin Sonia Fischer für die künftige Dauerausstellung war schon in der Sitzung zuvor Einverständnis signalisiert worden. Die damals geführte Standortdebatte kam nur noch am Rande zur Sprache: Christian Hettmer (CSU) kritisierte, die Art, wie dieser Punkt im April 2018 im Stadtrat präsentiert worden sei, als man sich für die Beibehaltung des Museums im ehemaligen Jesuitengymnasium entschieden hatte: „Das, was hier passiert ist, war keine vertrauensvolle Zusammenarbeit, sondern ein Vorenthalten von Fakten.“ Er sei aber Demokrat genug, um den seither artikulierten „Bürgerwillen“ zu respektieren, sagte Hettmer. Dieser Bürgerwille wurde auch in der Sitzung sichtbar: Bis die Entscheidungen zum Museum gefallen waren, waren die Zuschauerreihen dicht besetzt.

Warum der OB dringend von einer Landesausstellung abrät

Nicht einer Meinung war der Stadtrat bei der Frage, ob im Stadtmuseum die Landesausstellung 2024 abgehalten werden soll. Erneut bezweifelte Oberbürgermeister Mathias Neuner, ob eine solche Ausstellung termingerecht geschultert werden könne. Er machte auf wachsende bauliche Auflagen (Stichwort Brandschutz), die Verkehrs- und Parkproblematik und viele andere geplante städtische Projekte aufmerksam: So verwies Neuner auf insgesamt 141 Vorhaben, die in dem Strategiepapier „Unser Landsberg 2035“ aufgelistet seien. Die Verwaltung arbeite jetzt schon am Limit. In diesem Zusammenhang erwähnte der Oberbürgermeister, dass von rund 500 Mitarbeitern der Stadt 53 „dauerhaft krank“ gemeldet seien. Den Mitarbeitern gegenüber habe er auch eine „Fürsorgepflicht“. Als besonders dringlich erwähnte Neuner den Bau neuer Kindergärten und -krippen. „Sich da mit ganzer Kraft auf eine Landesausstellung zu konzentrieren, davon kann ich nur dringend abraten“, warnte Neuner.

"Räuber und Banditen": So geht es mit dem Stadtmuseum weiter
Museumsleiterin Sonia Fischer (rechts, bei einem Ortstermin des Stadtrats) kann jetzt für die Landesausstellung und eine neue Dauerausstellung im ehemaligen Jesuitengymnasium weiterarbeiten.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Stefan Meiser ( ÖDP) erinnerte daran, dass er bereits den Grundsatzbeschluss pro Landesausstellung abgelehnt habe. Er frage sich, wie das Stadtmuseum den zu erwartenden Ansturm verkraften könne: „Tausende Besucher an bestimmten Tagen, da fehlt mir die Fantasie, wie das funktionieren kann.“

Axel Flörke hält alle Probleme für lösbar

Dritter Bürgermeister Axel Flörke (Landsberger Mitte) erinnerte daran, dass im Ältestenrat seitens der Verwaltung gesagt worden sei, dass die Landesausstellung personell zu schaffen sei. Jetzt würden dagegen wieder neue Dinge auf den Tisch gelegt: der Brandschutz oder auch die Frage der Parkplätze und Zugangsmöglichkeiten. Alle diese Themen seien jedoch lösbar. Das bestätigte auch Museumsleiterin Sonia Fischer. Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl, habe die Zugänglichkeit des Museums selbst gesehen. Parkmöglichkeiten bestünden beim Do-It-Baumarkt und auf der Park-&-Ride-Fläche an der Autobahn, die mit einem Buspendelverkehr mit dem Museum verbunden werden könnten. „In Burghausen und anderen Landesausstellungen war die Zuwegung viel schwieriger“, sagte Fischer. Die Besucherströme könnten durch die Taktung der Führungen und den Online-Ticketverkauf gesteuert werden.

Die Landesausstellung als Druckmittel

Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) warf dem Oberbürgermeister vor, er stelle das Museum und die Landesausstellung in Konkurrenz mit anderen Aufgaben der Stadt wie die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen. Es sei aber so, dass ein Teil dieser neuen Betreuungsplätze erst nach dem Jahr 2024 bis 2033 realisiert werden solle. Sie warnte davor, die Landesausstellung abzusagen: „Entweder kommt das Stadtmuseum mit der Landesausstellung oder es kommt in den nächsten zehn Jahren überhaupt nicht.“

Am Ende wurde namentlich über die mit dem Haus der Bayerischen Geschichte besprochenen Vertragsbedingungen zur Durchführung der Landesausstellung abgestimmt: Dafür sprachen sich die UBV, die Grünen, die Landsberger Mitte und die SPD sowie Petra Ruffing (CSU) aus, dagegen waren die übrigen CSU-Vertreter sowie BAL und ÖDP.

Wer für das Projekt verantwortlich ist

Am Morgen nach der Sitzung leitete der Oberbürgermeister erste Schritte für die Umsetzung der Museumssanierung und der Landesausstellung ein. Zur Projektverantwortlichen wurde Museumsleiterin Sonia Fischer benannt. Bis Jahresende solle ein Ablauf- und Finanzierungsplan vorliegen. Zudem werde Dritter Bürgermeister Flörke bei dem Projekt unterschriftsberechtigt. „Wir müssen zügig vorankommen“, sagte Neuner, und machte dabei klar, dass er sich nicht selbst um alles kümmern könne. „Meine Aufgabe ist es, das Projekt aufzusetzen, Projektverantwortliche und Kompetenzen zu benennen, die es dann machen müssen.“

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar:Museum und Landratsamt: Mit Druck geht es doch

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