Landsberg, Penzing Am Bundeswehrstandort Landsberg bleibt vieles beim Alten und dennoch riefen die gestern verkündeten Entscheidungen des Bundesverteidigungsministers Lothar de Maizière auch tiefe Bestürzung hervor – vor allem bei der Flugabwehrraktengruppe 22, die den Auflösungsbeschluss bekam. Gesichert ist dagegen vorläufig die Zukunft der Welfenkaserne in Landsberg, die durch diese Phase der Reform nur kaum merkliche Veränderungen erfahren wird.
Das Büro von Presseoffizier Oberstleutnant Thomas Milbrath war am gestrigen Tag alles andere als ein ruhiger Ort. „Bereits in der Früh haben sich die ersten Fernsehteams angekündigt, die angeblich schon mehr wussten, als wir selbst.“ Tatsächlich aber mussten sie alle auf die Standortbroschüre von Verteidigungsminister Lothar de Maizière warten, die über das Intranet der Bundeswehr ab zehn Uhr an alle Standorte verschickt wurde. Kurz darauf betritt der stellvertretende Kommodore des LTG, Oberstleutnant Klaus Schierlinger, das Büro – und wirkt zunächst etwas ratlos. Er hat die Seiten der Broschüre bereits ausgewertet, die den Standort Landsberg betreffen.
Dass Penzing als Standort aufgelöst werde, sei eigentlich keine neue Nachricht, sondern nur logische Folge des Auflösungsbeschlusses für das LTG 61, der aber schon 2004 bekannt gemacht wurde. Diesem Beschluss zufolge ist das LTG auch als jenes Geschwader vorgesehen, das die letzte Transall nach der Einführung des Nachfolgeflugzeugs A 400 M – wird in Wunstorf stationiert – vom Fliegerhorst Penzing aus in den Ruhestand schicken wird. Dass sich daran – trotz jetzt bestätigter Standortaufgabe – zeitlich etwas ändern werde, sei momentan aus den Entscheidungen des Verteidigungsministers nicht ableitbar. Ein Werben des Transportgeschwaders 63 in Hohn um die Ausphasung der Transall hatte in den vergangenen Monaten entsprechende Gerüchte genährt, dem LTG 61 könnte die Aufgabe entzogen werden und das Ende dadurch vorzeitig ereilen.
„Das Geschwader bleibt wohl bestehen“, bestätigt auch der Standortälteste Oberst Klaus Schuster gestern telefonisch dem LT. Er war in Köln-Wahn, um dort die Entscheidungen mit der Luftwaffenführung zu diskutieren. Um die Flugabwehrraketengruppe 22, die ebenfalls im Fliegerhorst beheimatet ist, tue es ihm leid. Dennoch habe er bezüglich eines Zeitplans, innerhalb dessen der NATO-Einsatzverband außer Dienst gestellt werde, keine Informationen. „Das wird jetzt im Realisierungsplan festgelegt.“ Allerdings werde das einige Zeit dauern, bis dieser fertiggestellt sei. Von Anfang nächsten Jahres ist dabei die Rede.
Bis zuletzt auf ein gutes Ende gehofft
Viele offene Fragen sieht der Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 22, Oberstleutnant Stephan Pillmeier, der zusammen mit seinen rund 500 Soldatinnen und Soldaten bis zuletzt auf ein gutes Ende gehofft hatte. „Es gibt genügend Vorteile für einen Verband im Süden“, ist er auch heute noch überzeugt und diese Gründe habe er auch bis ins Ministerium hinein kommuniziert. Erst vor Kurzem ist die FlaRakGrp von einem Schießen auf Kreta zurückgekommen – mit Bestergebnis. Allein die Entscheidung sei anders ausgefallen, die ihn nun tief betroffen mache. Ab sofort kämen aber jetzt ganz neue Anforderungen auf ihn zu, in deren Mittelpunkt die Zukunft seiner Leute stehe: „Wir werden die richtigen Fragen stellen, um dann die entsprechenden Antworten geben zu können.“
Nur wenige Kilometer von Penzing entfernt in Landsberg herrscht dagegen große Erleichterung. Die Welfenkaserne wird weiter bestehen, der Bunker im Realisierungsplan gar als „struktursicher“ geführt. Die Interpretation von Oberst Klaus Schuster: „Damit bleibt er auf gewisse Zeit erhalten“. Aufgelöst – auch das ist seit Längerem bekannt und beschlossen – werde der Logistikverband (5./Logistikbataillon 471), das mittlerweile aber ohnehin nur noch aus 40 Mann bestehe. Die Bundeswehrfeuerwehr werde in eine zivile Organisation überführt, was aber nur eine formelle Änderung für die rund 52 Mann bedeute.
Bis zuletzt auf dem Prüfstand war die Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt. „Das hat mich schon etwas nervös gemacht“, gesteht CSU-Generalssekretär Alexander Dobrindt ein. Umso mehr freut er sich, dass es dort weitergeht. Die Fallschirmspringer werden zwar nach Oldenburg wechseln, doch künftig werden in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne Unteroffiziere und Feldwebel (rund 600 pro Lehrgang) ausgebildet sowie die Sanitätsversorgung sichergestellt. Insgesamt bedeute dies für Altenstadt allerdings eine Reduzierung von derzeit 720 auf 190 Dienststellen für das Stammpersonal.
Was den Standort Penzing angehe, so sieht Alexander Dobrindt die letzte Entscheidung noch nicht gefällt. Solange die Transall dort noch fliege, und das sind nach derzeitigem Erkenntnisstand noch gute zehn Jahre, bestünde für den Fliegerhorst noch eine chance – auch die einer militärischen Nachnutzung. Alexander Dobrindt: „Bis zum Jahr 2020 wird es noch viele Entscheidungen geben.“
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