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Scheuring

28.02.2020

Wahlkampf mit harten Bandagen in Scheuring

Amtsinhaber Manfred Menhard möchte in Scheuring Bürgermeister bleiben. Er hat das Amt seit 2002 inne. Bei der Wahl am 15. März muss er sich gegen seinen Herausforderer Konrad Maisterl behaupten. 

Plus Scheurings Bürgermeister und sein Herausforderer gehen bei einer Diskussion hart miteinander ins Gericht. Ein Grund dafür ist eine Entscheidung des Gemeinderats.

Der Politische Aschermittwoch der Dorfgemeinschaft und der Freien Wähler in Scheuring war dazu gedacht, dass sich die zwei Bürgermeisterkandidaten den Gästen der Podiumsdiskussion vorstellen und ihre Ideen präsentieren. Es wurde ein emotionaler Schlagabtausch, was auch einer Entscheidung des Gemeinderats im vergangenen November geschuldet ist.

Der hatte mit 8:5 Stimmen beschlossen, dass der Rathauschef ab 1. Mai 2020 hauptamtlich arbeiten soll. Antragsteller war die Wählergruppe Freie Wähler Scheuring. Bürgermeister Manfred Menhard , der seit 2002 ehrenamtlich Rathauschef ist, hatte dagegen votiert. Er begründete dies unter anderem damit, dass die Aufgabe seiner Erfahrung nach auch so zu schaffen sei. „Hier wurden ohne Not Mehrkosten von 330000 Euro in sechs Jahren verursacht.“ Der Amtsinhaber verwies darauf, dass Egling und Igling vergleichbar groß seien und der kommende Bürgermeister dort weiterhin ehrenamtlich tätig sei.

Immer weniger Einnahmen bei der Gewerbesteuer

Einen anderen Standpunkt zu dem Thema hat sein Herausforderer Konrad Maisterl. „Wir dürfen nicht nur aufs Geld schauen. Die Frage ist doch, was erwarten wir von unserem Bürgermeister.“ Die Aufgabe werde immer umfangreicher und komplexer, betonte er. Das Geld aus den Augen verlieren dürfe die Gemeinde aber auch nicht, so Menhard , der die Einnahmen bei der Gewerbesteuer darstellte. Seit dem Jahr 2017 (891000 Euro) sei diese immer weiter gesunken. Heuer rechne er noch mit 460000 Euro.

Unter den rund 260 Gästen der Veranstaltung gingen die Meinungen darüber auseinander, wie am Applaus und den Fragen festgestellt werden konnte. „Der Musikverein muss eine Gebühr zahlen, wenn der die Lechrainhalle nutzen will, aber 330000 Euro mehr fürs Bürgermeisteramt, das geht“, kritisierte ein Gast. Und ein anderer bilanzierte, dass der Bürgermeister den Gemeinderat „wohl nicht so im Griff“ habe, „wie er es gern hätte“, deswegen gebe es künftig einen hauptamtlichen Rathauschef. Ein Mann äußerte sein Bedauern über den Verlauf. „Die Art der Auseinandersetzung gefällt mir nicht. Nach der Wahl müssen alle wieder zusammenarbeiten. “

Nicht nur diese Frage sorgt für Streit, sondern auch die Informationspolitik der Gemeinde. Dass es da Mängel gebe, fand neben Maisterl auch Gemeinderätin Regina Geisler , die sich ebenso wie die anderen Kandidaten für den Gemeinderat vor dem Rededuell vorstellen durfte. Insgesamt 26 Kandidaten von der Dorfgemeinschaft (12) und den Freien Wählern (14) bewerben sich. Menhard widersprach der Darstellung. Er stelle die Informationen ins Ratsinformationssystem, sodass alle Räte zur selben Zeit Zugriff darauf hätten, betonte er. Zudem könne sich jeder mit seinen Anliegen an die Verwaltung oder an ihn persönlich wenden. Aus Sicht von Maisterl ist es notwendig, dass es in Scheuring deutlich mehr Ausschüsse gibt, die Themen vorberaten, bevor diese in den Gemeinderat kommen.

Ortentwicklung stockt wegen fehlendem Hochwasserschutz

Der Kragen platzte Maisterl , als der Bürgermeister auf eines der drängendsten Probleme Scheurings zu sprechen kam: den Hochwasserschutz. Seit Jahren soll ein Konzept umgesetzt werden, das auf drei Säulen fußt: Dem Hochwasserrückhaltebecken am Lerchenberg , einer Flutmulde mit Versickerungsbecken westlich von Scheuring und der Renaturierung des Mühlbachs innerorts. Menhard informierte, dass das Wasserwirtschaftsamt mit der Bearbeitung der Unterlagen fertig sei und diese vor einigen Tagen ans Landratsamt weitergegeben habe. „Es kann doch nicht sein, dass wir Gemeinderäte das nicht vorher erfahren“, beklagte Maisterl. An der Herstellung des Hochwasserschutzes hängt die Erschließung eines Bau- und eines Gewerbegebietes.

Bei diesem Thema und weiteren Punkten ging der Blick der Gäste nach Prittriching , wo es vermeintlich besser läuft. Ein Gast verwies darauf, dass dort der Verlorene Bach deutlich tiefer gelegt wurde, um die Hochwasserthematik in den Griff zu bekommen. Für die zwei Kandidaten keine Option. Auch ein tiefergelegter Mühlbach könne die Wassermassen bei Starkregen oder Schneeschmelze nicht aufnehmen. Menhard fügte an, dass Prittriching das Projekt 2010 angeschoben und vergangenes Jahr realisiert habe. „Wir sind 2013 gestartet. So viel zum Thema dort geht schneller.“

Ein anderer Teilnehmer merkte an, dass die Nachbargemeinde Scheuring bei den Gewerbeansiedlungen den Rang ablaufe. Menhard verwies darauf, dass ihm die Gewerbetreibenden die Tür einrennen würden, es hänge am Hochwasserschutz. Auch die Ferienbetreuung in Prittriching wurde zur Übernahme empfohlen. „Sollte Bedarf bestehen, können wir das gerne machen. Den Eindruck hatte ich bislang aber nicht“, so der Bürgermeister.

Rasende Mütter sorgen für Unmut

Großes Thema war auch der Verkehr. Es wurde über fehlende Fußwege, Straßen im schlechten Zustand und rasende Mütter im Bereich des Kindergartens geklagt. „Wir können schon eine Tempo-30-Zone ausweisen. Die Hauptnutzer sind aber Eltern, wenn die nicht so viel Hirn haben und langsam fahren, ob dann Schilder etwas nutzen?“, äußerte der Herausforderer. Er forderte zudem, dass bei straßenbaulichen Maßnahmen Elemente mit eingebaut werden, die den Verkehr verlangsamen.

Maisterl will ebenso wie Menhard Fußwege schaffen, wo es möglich sei. Die Gemeinde befinde sich im Gespräch mit Grundstücksbesitzern, so der Amtsinhaber. Den Wunsch nach Tempo 30 auf den Hauptachsen des Ortes könne die Gemeinde nicht erfüllen, wie eine Anfrage beim Landratsamt aus dem Jahr 2015 ergab, so Menhard.

Die Bürgermeisterkandidaten:


Manfred Menhard

Bürgermeister Manfred Menhard wurde von der Dorfgemeinschaft Scheuring nominiert.
Bild: Menhard


  • Partei/Wählergemeinschaft Dorfgemeinschaft Scheuring
  • Geburtstag 29. Dezember 1955
  • Erlernter Beruf Landwirt
  • Ausgeübter Beruf Landwirt/Bürgermeister
  • Familie verheiratet, zwei Kinder
  • Politischer Werdegang 1990 bis 2002 Gemeinderat, 1996 bis 2002 Zweiter Bürgermeister, seit 2002 Erster Bürgermeister
  • Mich interessiert Kommunalpolitik, weil ich an der Gestaltung und Weiterentwicklung des Dorfes aktiv mitarbeiten kann und mich für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger einsetzen will.
  • Wenn ich gewählt werde, will ich mich vor allem um diese drei Dinge kümmern: Die Bereitstellung von Bauland für die Wohnbebauung und für das Gewerbe sowie die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen und die Mühlbachrenaturierung. Der dritte Punkt ist die Erneuerung der innerörtlichen Straßen mit Verbesserung der Sicherheit für Fußgänger und gleichzeitigem Glasfaserausbau.
  • Meine größte Stärke: k. A.
  • Meine größte Schwäche: k. A.


Konrad Maisterl jun.

Konrad Maisterl jun. aus Scheuring von den Freien Wählern Scheuring
Bild: Franz Dilger


  • Partei/Wählergemeinschaft Freie Wähler Scheuring
  • Geburtstag 14. Oktober 1964
  • Erlernter Beruf Landmaschinenmechaniker
  • Ausgeübter Beruf Betriebsschlosser, Gebäudemanager, Bauleiter.
  • Familie verheiratet, drei erwachsene Söhne.
  • Politischer Werdegang Im Gemeinderat von 1996 bis 2008 und 2014 bis heute.
  • Mich interessiert Kommunalpolitik, weil ich mit Scheuring sehr stark verbunden bin und mit den Bürgern und dem Gemeinderat für die Zukunft noch vieles bewegen und gestalten will.
  • Wenn ich gewählt werde, will ich mich vor allem um diese drei Dinge kümmern: Eine Seniorenwohnanlage auch mit Betreuung und eine Verbesserung der sozialen Infrastruktur, die Innerortsgestaltung mit Sanierung der Dorfstraßen und das Abschließen der laufenden Maßnahmen Überflutungsschutz und Neubaugebiet für Wohn- und Gewerbebau.
  • Meine größte Stärke Organisation und Durchführung sowie das gemeinschaftliche Vorantreiben von Projekten.
  • Meine größte Schwäche Manchmal konzentriere ich mich zu sehr auf ein Thema, aber das merke ich selbst und nehme bewusst Abstand.



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