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Landkreis Landsberg

09.10.2019

Was Denkmalpfleger alles finden: Keltische Schanzen, römische Münzen und Piratensilber

Die keltische Viereckschanze von Leeder, die derzeit noch von Jungfichten bewachsen ist, soll als Bodendenkmal besser erkennbar werden.
Bild: Bernd Steidl

Plus Die Denkmalpfleger berichten im Kulturbeirat über ihre Tätigkeit. Auch die Beschäftigung mit Altbekanntem birgt manchmal neue Erkenntnisse.

Mit einigen für Geschichtsinteressierte spannenden Neuigkeiten konnten die Kreisheimatpfleger bei der Sitzung des Kulturbeirats des Kreistags aufwarten. Dass auch die Beschäftigung mit Altbekanntem neue Erkenntnisse erbringen kann, machte insbesondere der Bericht des Bodendenkmalpflegers Dr. Bernd Steidl deutlich.

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In Rott ist nur eine Siedlung übrig geblieben

So wusste man schon seit vielen Jahrzehnten vom Fund von Waffen aus der Zeit der Merowinger des 7. Jahrhunderts in einer Kiesgrube westlich von Rott. Dazu gibt es auch die Nachricht, dass 1831 in einer Kiesgrube an der Chaussee von Landsberg nach Weilheim im Bereich von Rott zwei Waffen aus dem frühen Mittelalter entdeckt wurden. Als er nun sich auf auf dem im Bayernatlas im Internet veröffentlichten Urkataster umsah, machte Steidl zu einem altbekannten Thema eine neue Entdeckung: Es handelt sich nicht um eine Kiesgrube, sondern um zwei Fundorte. Es habe also zwei Gräberfelder in Rott gegeben und damit zwei Siedlungskerne, von denen nur einer als heutiges Dorf erhalten geblieben sei.

Römerstraße war früher woanders

Ein anderes Beispiel ist die Römerstraße, die von Trient über Innsbruck, Partenkirchen und am Ammersee-Westufer entlang nach Augsburg geführt hat. Diese Straße folgte in etwa der Trasse der heutigen Kreisstraße von Eresing nach Geltendorf. Allerdings wurden jetzt bei den Erschließungsarbeiten für die Erweiterung des Eresinger Gewerbegebiets Reste eines Grabens und Kiesspuren gefunden, die in Richtung Nordwesten abknicken. Steidl schaute wieder auf das Online-Urkataster: Und das bestätigte, dass der Weg im Eresinger Norden noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts genau so wie zur Zeit der Römer verlief. Die Römer mussten ihre Straße übrigens auch deshalb in Richtung Nordwesten führen, weil ihr Weg sonst im erst Anfang des 20. Jahrhunderts trockengelegten Emminger Weiher geendet hätte.

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Im Bereich eines Zulaufgrabens zum Emminger Weiher seien jüngst 32 römische Münzen aus dem 3. bis 5. Jahrhundert gefunden worden. Steidl sprach von einer „ganz ungewöhnlichen Serie“. Weitere Funde meldete ein Sondengänger aus dem Raum Denklingen: Unter anderem Knöpfe und Münzen, Gewandspangen und ein Gelenkglied von einem Beschlag von Pferdegeschirr aus römischer Zeit und sogenanntes Piratengeld. Dieses sei um 1600 aus mexikanischem Silber geprägt worden und eigentlich zur Weiterverarbeitung nach Europa gebracht worden. Der Fund weiterer Münzen aus dem 17. Jahrhundert und eines Schröpfkopfs weise zudem auf ein Soldatenlager während des Dreißigjährigen Krieges hin. Ein „schafförmiges Etwas mit einer Öse“ belege, dass einst ein Ritter vom Orden des Goldenen Vlieses auf der Denklinger Flur ein Stück seiner Ordenskette verlor.

Von den Kelten und noch früheren Zeiten

Intensiver beschäftigte sich Steidl auch mit einer Wallanlage auf der Flur von Leeder, die in spätkeltischer Zeit einen Bauernhof eingehegt hatte. Inzwischen sei es gelungen, das innere Areal bis zu den Wallkronen durch den Landkreis anzupachten. Ziel sei, die dort vor einigen Jahren gepflanzte Fichtenkultur zu roden, um das Bodendenkmal wieder sichtbarer zu machen und daraus einen außerschulischen Lernort wie in Haltenberg oder in der Steinzeitsiedlung in Pestenacker zu machen. Zum Ausbau der dortigen Unesco-Welterbestätte und zur Erneuerung der Ausstellung in Pestenacker hoffe er nun, dass der gestellte Antrag auf Förderung durch das EU-Förderprogramm „Leader“ befürwortet wird. Einen Projektbeschluss zum Ausbau der Welterbestätte hatte der Kreisausschuss im Juli gefasst.

Baudenkmalpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem berichtete von ein paar unerfreulichen Denkmalfällen: dem langsamen Verfall eines Anwesens in Scheuring, einer nicht näher genannten „extrem vernachlässigten“ privaten Kapelle im Landkreis und dem Brand eines denkmalgeschützten Anwesens in Denklingen.

Nicht jeder Wunsch nach Denkmalschutz erfüllt sich

Anhand dreier Landhäuser in Dießen verdeutlichte Weißhaar-Kiem, dass nicht alle dafür vorgeschlagenen Objekte auch tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt werden. In der Regel geschehe dies dann nicht, wenn zu wenig originale Substanz vorhanden sei.

Carmen Jakobs berichtete, dass das Depot des Landkreises 22 Stücke aus der vom früheren Kreisheimatpfleger Dr. Bruno Schweizer (1897-1958) zusammengetragenen Sammlung des Heimatvereins Dießen aufgenommen habe. Es handle sich um Werkzeug, Kleidung, Sakral- und Einrichtungsgegenstände überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Interessante volkskundliche Erkenntnisse könnte eine Dachziegelsammlung aus Dettenhofen liefern. Dabei handelt es sich um handgestrichene Ziegel verschiedener handwerklich tätig gewesener Ziegler, die vereinzelt mit Schutz- und Abwehrsymbolen, Inschriften und Zeichen versehen worden sind.

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