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Landkreis Landsberg

25.03.2020

Wegen Corona: Psychosomatische Kliniken machen Betten frei

Auch in der Psychosomatischen Klinik in Windach werden Betten für Corona-Patienten geräumt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Psychosomatischen Kliniken im Landkreis Landsberg müssen ihre Betten für Covid-19-Patienten bereitstellen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind dort aber begrenzt.

Auch die Psychosomatischen Kliniken in Bayern müssen ihren Betrieb vor dem Hintergrund der Corona-Krise einschränken. Ihre Bettenkapazitäten sollen bei Bedarf für die Behandlung von Covid-19-Patienten bereitgestellt werden. Im Landkreis Landsberg betrifft dies die Klinik in Windach und die Klinik im früheren Kloster der Barmherzigen Schwestern in Dießen. Doch die Behandlungsmöglichkeiten sind dort begrenzt.

Grundlage dafür ist eine bereits in der vergangenen Woche erlassenen Anordnung des Gesundheitsministeriums in München. Demnach sollten alle Krankenhäuser und Reha-Kliniken – außer der Psychiatrie – Eingriffe und Behandlungen verschieben und alle Patienten entlassen, die nicht zwingend weiterbehandelt werden müssen, erklärt der Chefarzt der Windacher Klinik, Dr. Götz Berberich. Sein Haus sei dieser Anordnung inzwischen auch so weit nachgekommen, dass sich dort nur noch Patienten aufhielten, die bei einer vorzeitigen Entlassung gefährdet wären. „Stand Dienstag ist das noch ein gutes Dutzend Patienten.“ Insgesamt verfügt die Windacher Klinik 177 Betten.

Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt

Allerdings: Die Behandlungsmöglichkeiten für Corona-Patienten, betont Berberich, wären in einer Psychosomatischen Klinik eher begrenzt. So stünden beispielsweise keine Beatmungsgeräte zur Verfügung. Man habe auch weder ein Röntgengerät noch ein Labor im Haus. „Uns könnte aber durchaus ein Behandlungsfenster für Patienten zugewiesen bekommen, die nach der Intensivbehandlung noch eine gewisse Nachbehandlung brauchen“, sagt Berberich.

Wegen Corona: Psychosomatische Kliniken machen Betten frei

Eine intensivere Pflege würde sich aber schwierig gestalten: „Wir haben nicht mal Krankenhausbetten.“ Die Überlegung, Psychosomatische Kliniken für Corona-Patienten bereitzustellen, sei als „Katastrophenmaßnahme“ zu sehen, die der Logik folgen würde, dass es besser wäre, Patienten dort zu versorgen als in einer Turnhalle. Die nächste Einschränkung sei das Personal: Die Ärzte seien meist keine Internisten, die man für die Behandlung von Viruspatienten benötige. Berberich sieht die Psychosomatischen Kliniken denn auch nur als Teil eines „Worst-Case-Szenarios“. In diesem Fall müsste dann auch weiteres Personal eingesetzt werden. Berberich denkt da beispielsweise an Ärzte der Bundeswehr.

Anordnung gilt derzeit bis 15. Mai

Die Anordnung, die Betten für Corona-Patienten vorzuhalten, gelte derzeit bis 15. Mai, berichtet Berberich weiter. Die Folgen dieser Verfügung bezeichnet er als „schlimm“, dies vor allem mit Blick auf die Patienten. „Die Ungewissheit setzt allen zu, aber vor allem unseren Patienten.“ Zeiten, in denen man sich besonders vor Ansteckungen schützen soll, seien etwa Menschen mit Waschzwang besonders schwierig, nennt er als Beispiel. Daneben warnt Berberich vor den wirtschaftlichen Folgen für privatwirtschaftlich betriebene Kliniken wie in Windach: „Diese Anordnung ist ein Klinikzerstörungsprogramm, soweit das nicht von der Politik aufgefangen wird.“ Denn auch wenn die meisten Zimmer jetzt leer seien, liefen die Personal- und Fixkosten für das Haus weiter. Aber über solche Fragen werde gesprochen.

Die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen konnte die Anfrage des LT zu den Vorgaben und Auswirkungen auf die Einrichtung „in der aktuellen Lage nicht so schnell beantworten“.

In der Psychiatrischen Klinik des Bezirks Oberbayern, die sich im fünften Stock des Klinikums Landsberg befindet und 74 Betten hat, werde derzeit wie berichtet die Neuaufnahme auf Notfälle beschränkt. Wie der der Geschäftsführer der Lech-Mangfall-Kliniken, Gerald Niedermeier, dem LT sagte, bestehen dort aber keine Beatmungsmöglichkeiten.

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