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Dießen

17.12.2020

Wie halten es die Dießener Grünen mit Corona und Sitzungen?

Ohne die Grünen lief die jüngste Kreistagssitzung (Bild) ab. Bei der Gemeinderatssitzung in Dießen nahmen am Abend zuvor die Dießener Kreisräte der Grünen hingegen schon teil – und auch bei einem anschließenden Imbiss mit Getränken.
Bild: Julian Leitenstorfer/Archiv

Plus Nach der letzten Sitzung des Jahres gibt es im Gemeinderat in Dießen noch einen Imbiss und Getränke. Auch die Grünen sind dabei. Doch am nächsten Tag bleiben sie dem Kreistag fern.

Aus dem traditionellen Weihnachtsessen nach der letzten Sitzung des Jahres wurde es wegen der Corona-Pandemie zwar nichts, ganz ohne geselliges Zusammensein beendete der Dießener Marktgemeinderat das Jahr jedoch nicht: Nach der Sitzung gab es in der Halle, wo man zuvor am Montagabend fast vier Stunden getagt hatte, noch ein Essensbuffet und Getränke. Teilweise bis 2 Uhr stand man zusammen, hieß es aus dem Kreis der Teilnehmer. Darunter waren auch die Grünen, deren Vertreter tags darauf die Kreistagssitzung boykottierten, weil sie eine solche Sitzung als falsches Zeichen in der aktuellen Lage bewerteten.

Genau dieser Umstand sorgte auch für einige Aufmerksamkeit – insbesondere bei der politischen Konkurrenz. Drei Dießener Gemeinderatsmitglieder der Grünen gehören nämlich auch dem Kreistag an: Miriam Anton, Dr. Holger Kramer und Gabriele Übler. Ebenfalls als Grüne im Kreistag ist Petra Sander, die die Dießener Gemeinderatsfraktion jedoch verlassen hat (LT berichtete). Hannelore Baur ( SPD) sagt, mit einem solchen Verhalten habe sie ein Problem: „Wenn ich mich und andere nicht einer Gefährdung aussetzen will, nehme ich meine Tasche und gehe heim und pfeife auf die belegten Brötchen.“

Wenn man schon der Kreistagssitzung fernbleibe, so Baur, „dann zieht man das halt komplett durch, ansonsten ist das einfach eine Farce“. Wie Baur berichtet, habe es nach dem Ende der nichtöffentlichen Sitzung ein Buffet mit belegten Broten und Getränken gegeben. Diese konnte man entweder im Stehen oder an den mit Abständen aufgestellten Sitzungstischen verzehren. Masken hätten auch die Grünen nicht getragen, als man in der Halle beieinanderstand.

Worin Gabriele Übler den Unterschied zwischen Gemeinderat und Kreistag sieht

„Wir waren alle nur sehr kurz dabei“, erklärte auf Nachfrage Gemeinde- und Kreisrätin Gabriele Übler. „Ich hätte es als Affront empfunden, der Einladung der Bürgermeisterin nicht zu folgen“, sagte sie weiter, man habe sich an die Sicherheitsregeln gehalten. Sie selber habe an dem Imbiss und Umtrunk nur etwa eine Viertelstunde teilgenommen, „es war eh schon so spät“.

Als "nicht ganz konsequent" bewertet Kreis- und Gemeinderätin Gabriele Übler ihr Verhalten in den politischen Gremien auf Gemeinde- und Kreisebene
Bild: Julian Leitenstorfer/Archiv

Im Übrigen sei die Situation im Gemeinderat nicht mit dem Kreistag zu vergleichen. „Es macht einen Unterschied, ob sich 20 oder 60 Leute treffen“, meinte Übler, und in den Sitzungen in der Halle sei man sehr auf Abstand bedacht, der Raum sei ausreichend belüftet. Sie räume aber für sich ein, dass ihr Verhalten bei beiden Anlässen „nicht ganz konsequent“ gewesen sei. Gleichzeitig wiederholte sie die Kritik an Landrat Thomas Eichinger (CSU): Es habe keine Auseinandersetzung mit dem Konflikt zwischen einer Kreistagssitzung und den hohen Corona-Infektionszahlen stattgefunden.

Am Montag nicht so gefährlich wie am Dienstag?

Etwas länger als Baur und Übler hielt sich noch Frank Fastl (Freie Wähler) bei der vorweihnachtlichen Geselligkeit des Dießener Gemeinderats in der Turnhalle auf. Als er so gegen 0.30 Uhr gegangen sei, seien schon noch 15 bis 18 Personen da gewesen, „bunt gemischt“, wie er sagt, mit mehr oder weniger Abstand. Er selber habe sich einen Teller mit Schnittchen genommen und sich an seinen Tisch begeben, von wo aus er sich mit seinem Fraktionskollegen Johann Vetterl, der an seinem eigenen Tisch saß, unterhalten und das Geschehen in der Halle beobachtet. Dass die Grünen trotz ihres Kreistagsboykotts am nächsten Tag auch mit bei dem Umtrunk waren, habe bei den Anwesenden schon Fragen aufgeworfen, sagt Fastl, und er ergänzt: „Aber das muss jeder für sich entscheiden, ob das Virus am Montagabend nicht so gefährlich ist wie am Dienstag mit Schnelltests und FFP2-Masken.“

Bürgermeisterin Sandra Perzul spricht von "Sitzungsverpflegung"

Eine andere Frage ist, ob angesichts der geltenden Corona-Regeln, die ein Zusammentreffen von Angehörigen aus mehr als zwei Haushalten nicht erlauben, ein solches Beisammensein überhaupt zulässig gewesen wäre. „Eine gute Frage“, meint Fastl. Er gehe aber davon aus, dass das abgeklärt worden sei. „Herr Springer (der Geschäftsstellenleiter im Rathaus, d. Red.) ist bei so was ja vorsichtig.“

Bürgermeisterin Sandra Perzul bezeichnet die belegten Brötchen, Wasser, Bier und Wein als "Sitzungsverpflegung".
Bild: Julian Leitenstorfer

Bürgermeisterin Sandra Perzul (Dießener Bürger) sagte, die belegten Semmeln und Getränke (neben Wasser gab es auch Bier und Wein, bestätigte sie) seien bestellt worden, weil abzusehen war, dass es eine sehr lange Sitzung werden würde. Weil man den Ablauf der Sitzung nicht unterbrechen wollte, habe man erst nach deren Ende gegessen und getrunken. Die Abstandsregeln seien dabei eingehalten worden. Wer sich von seinem Platz wegbewegt habe, habe Maske getragen. Perzul bestätigte auch, dass man noch bis etwa 2 Uhr zusammen gewesen sei, „wir haben aber auch bis dahin aufgeräumt“, sagte sie. Man habe nach der Sitzung keine Party gefeiert.

So ähnlich beschreibt auch Miriam Anton (Grüne) das Ereignis: „Das war kein geselliges Beisammensein, eher ein Imbiss, entspannen konnte man sich nicht.“

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