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Dießen

29.07.2020

Der Profi-Traum überdauert Corona

Ein Mal bei der Tour de France starten, ist der große Traum von Alexander Steffens, und dem ordnet er alles andere unter.
Bild: Thomas Ernstberger

Plus Alexander Steffens will einmal bei der Tour de France an den Start gehen. Der Dießener Radrennfahrer arbeitet hart für dieses Ziel. Fast wäre seine Karriere schon vorbei gewesen.

Zum Interview-Termin kommt er natürlich mit dem Fahrrad, einem schwarzen Renngerät aus Carbon. 110 Kilometer hat er um 13 Uhr schon hinter sich, gut 40 folgen am Nachmittag – das ist das ganz normale, tägliche Pensum des Dießener Elite-Rad-Amateurs Alexander Steffens.

Der 27-Jährige hat einen großen Traum. Einen Traum, für den er alles gibt, für den er hart arbeitet und für den er sogar seinen Beruf als Fitnesstrainer aufgegeben hat: Der gebürtige Starnberger, der in Dießen aufgewachsen ist, will Rad-Profi werden. „Radfahren ist mein Leben“, sagt er. „Ich will einmal bei der Tour de France starten, einmal in Paris ankommen. Ich weiß, dass ich keine Etappe gewinnen kann, aber als Wasserträger wäre ich gerne dabei. Ich setze alles daran, dass ich es noch schaffe.“ Auch wenn er mit 27 Jahren schon relativ alt für dieses Vorhaben ist.

Es schien, als sollte sich Steffens’ Profi-Traum nach einem „starken Jahr 2018, in dem mir alles geglückt ist, was ich in Angriff genommen habe“ und einem ordentlichen Jahr 2019 (da startete er unter anderem für das Starnberger Team Magnesium Pur in der Rad-Bundesliga) 2020 erfüllen. Doch dann kam dieser verhängnisvolle Tag, dieser 13. Oktober 2019.

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In Ljubljana ( Slowenien), wo er 2018 einen seiner Siege gefeiert hatte, übersah er bei Tempo 50 ein Schlagloch. Er stürzte in den Straßengraben und prallte dort mit dem Rücken gegen eine Mauer. So knapp, und das zeigt er mit dem Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger an, entging er dem Schicksal von Kristina Vogel. Die zweifache Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin sitzt seit einem Radunfall querschnittgelähmt im Rollstuhl.

Er schwebte in Lebensgefahr

Steffens schwebte in Lebensgefahr: Sechs Rippen gebrochen, Loch in der gequetschten Lunge, Teil der Hüfte ab- und Schulterblatt gebrochen. Zwei Wochen lag er in Slowenien auf der Intensivstation, danach vier Wochen in der Lungenfachklinik in Gauting, Lungenentzündung inklusive. „Die Ärzte sagten, ich könne frühestens in drei Monaten, wahrscheinlich aber erst in einem halben Jahr wieder Radfahren“, erzählt der Dießener, der erst seit dem Jahr 2017 alles auf die Karte Rad setzt.

Drei Monate? Von wegen: „Mitte November, also nach anderthalb Monaten, saß ich wieder auf dem Rad, eine halbe Stunde auf der Rolle. Bis Februar bin ich mit Puls 120 dahingerollt. Jetzt ist alles wieder vorbei, seit März stehe ich wieder voll im Saft und im Training.“ Sein Motto: „Jetzt erst recht!“

Es ist eine verrückte Rad-Karriere, die vom Elektronik-Dienstleister TQ mit dem Standort Gut Delling (Seefeld) gesponsort wird. Steffens: „Da bin ich offiziell angestellt. Detlef Schneider, der Chef, ist sportverrückt. Er unterstützt mich seit drei Jahren und sorgt dafür, dass ich meine Zeit einteilen kann, wie ich möchte.“

Beim MTV Dießen stand er im Tor

Alles für seinen großen Sportprofi-Traum, der eigentlich auf dem grünen Rasen begann – auf dem Fußballplatz des MTV Dießen. Da hütete Alex Steffens von Kindheit an das Tor. „Ich habe bis zur A-Jugend alle Nachwuchsteams durchlaufen, danach unter Trainer Billy Biljalov auch in der ersten Mannschaft gespielt.“ Auch da ein fürchterlicher Crash: „Ich sollte als Torwart auch Libero spielen. Da kam es in Schwabbruck zu einem Zusammenstoß“ – Bruch der Stirn-Nebenhöhle, die Narbe auf der Stirn und die Metallplatte erinnern noch immer an die Fußball-Karriere, der mehrere Jahre im Triathlon folgten. Damit begann er bereits mit 14 Jahren in Riederau.

Aber jetzt gilt die ganze Konzentration dem Radsport unter seinem österreichischen Trainer Mathias Nothegger aus Bregenz. Fußball? So schnell nicht wieder. Steffens: „Da ist mir die Verletzungsgefahr zu groß.“ Das sagt einer, der erzählt: „Im Kühtai geht’s schon mal mit 120 km/h den Berg runter. Und in Andechs mit 80 km/h...“

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