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Hitze-Sommer 2018: Warum wir unser Leben ändern sollten

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Kommentar Von Jürgen Marks
06.08.2018

Die einen genießen schöne Tage und laue Abende. Andere leiden unter der Hitze. Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen. Jeder kann helfen, ihn zu stoppen.

Wir genießen einen wunderbaren Sommer. Eigentlich haben wir in Bayern schon seit April prächtiges Wetter. In unserer Freizeit lümmeln wir am Badesee oder wandern in den Bergen. Und an den vielen lauen Abenden sitzen wir im Biergarten.

Alles gut also? Leider nein. So schön dieser Sommer auch ist, so gefährlich ist der langfristige Trend, den die Meteorologen Klimawandel nennen.

Zwar gibt es genügend hartnäckige Leugner, die angeführt werden von US-Präsident Donald Trump. Doch der Anstieg der durchschnittlichen Temperaturen weltweit um 1,4 Grad seit Beginn der Messungen 1881 spricht eine klare Sprache. Der wachsende Einsatz von Treibhausgasen wie Kohlendioxid erwärmt die Erde seit Beginn der Industrialisierung- mit all ihren Folgen auch für Europa. Vor allem Ältere werden künftig häufiger unter der Sommerhitze leiden. Im Winter wird es viel Regen geben - und weniger Schnee, weil die Zahl der Frosttage sinkt. Dazu kommen mehr Unwetter und monsunartige Niederschläge. Es wird ungemütlicher werden. Und das können wir kurzfristig auch nicht mehr ändern.

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Hitze-Sommer 2018: Auch Berlin erreicht die Klimaziele nicht

Denn selbst wenn alle Industriestaaten und Schwellenländer jetzt versuchen würden, gemeinsam umzusteuern und die Verbrennung fossiler Energien wie Braunkohle oder Erdöl zu reduzieren. Es bleibt noch immer ein riesiger Tanker mit langem Bremsweg, auf dem wir fahren. Die positiven Effekte würden sich erst nach Jahrzehnten auswirken.

Nicht einmal die Bundesregierung, die sonst gerne als Musterschüler dasteht, schafft es, ihre Klimaziele zu erreichen. Bis 2020 wollte Berlin den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken. Das Ziel wird sie verfehlen.

Und dennoch gibt es keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Stattdessen kann jeder bei sich selbst anfangen und dazu beitragen, dass Deutschland und Bayern klimafreundlicher werden.

Wie wäre es, wenn wir häufiger mit dem Fahrrad zum Bäcker fahren, statt das Auto zunehmen? Wir könnten in besser gedämmten Häusern weniger heizen und Strom mit modernen Leuchten sparen. Klimaschutz fängt im Kleinen an.

Auch in den Städten entwickelt sich seit Jahren ein Zeitgeist, der für mehr Nachhaltigkeit steht. Der Trend geht zu regional produzierten Lebensmitteln und ökologischer Mobilität. Je mehr Menschen sich dafür einsetzen, die Erde für unsere Kinder zu erhalten, desto größer wird auch der Druck auf die Bundesregierung, wenigstens unseren nationalen Tanker schneller umzusteuern.

Und es ist ja nicht so, dass nichts passiert. Der Anteil regenerativer Energien aus Wind, Wasser und Sonne wächst. Die Elektromobilität wird dem Verbrennungsmotor Marktanteile abjagen. Dafür sorgen staatliche Subventionen wie die kürzlich beschlossene halbierte Besteuerung für E-Dienstautos. Auch die Industrie setzt nach der Dieselaffäre stärker auf Elektromobilität, die allerdings erst dann Sinn macht, wenn die Batterien nicht mehr mit schmutzigem Braunkohlestrom gespeist werden.

Spätestens nach diesem Hitze-Sommer mit vor allem im Norden Deutschlands verdörrten Äckern und verdorbenen Ernten wird auch die Landwirtschaft umsteuern. Die Bauern werden in hitzeresistente Getreidearten investieren und Fruchtfolgen überprüfen. Es gilt vorzusorgen, um künftige Ernteausfälle zu vermeiden.

So schön der Sommer 2018 auch ist. Er ist Fingerabdruck einer neuen Zeit. Er macht den gefährlichen Klimawandel greifbar. Wollen wir auch weiter unsere Umwelt in Bayern genießen, ist es an der Zeit unsere Lebensweise zu ändern.

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08.08.2018

(edit/mod/bitte sachlich und zum Thema diskutieren)

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07.08.2018

CO2 pro Kopf in 2015:

https://infographic.statista.com/normal/infografik_9658_laender_mit_den_hoechsten_co2_emissionen_pro_kopf_n.jpg

China 7,5 Tonnen
Deutschland 9,9 Tonnen

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07.08.2018

Ein Vergleich der Pro-Kopf-Emissionen ist interessant, für die Beurteilung der Gesamtemissionen der Länder allein aber nicht aussagekräftig. Man muss auch die unterschiedliche Zahl der Köpfe berücksichtigen. In China liegt sie bei 1,4 Milliarden, in Deutschland bei 80 Millionen.

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07.08.2018

Deutschland versagt seit Jahren beim Klimaschutz: Viel zu viel unnötige Kohleverbrennung, zu wenig Ausbau von PV und Windkraft, zu viel spritschluckende und CO2-ausstoßende Autos, zu wenig Energiesparhäuser. Und dabei hat Deutschland in der Vergangenheit viel für den Klimaschutz getan, da wir mit dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ab dem Jahr 2000 den Boom an Photovoltaik und Windkraft ausgelöst haben. Dadurch sind gerade diese beiden Techniken so preiswert geworden, dass sie weltweit ihren Siegeszug begonnen haben.
Wie erfolgreich das ist, kann man daran sehen, dass wir weltweit mit Photovoltaik und Windkraft zusammen jetzt die Marke von 1000 Gigawatt (GW) überschritten haben. Bis hierhin hat es 40 Jahre gedauert. Die nächsten 1000 GW sollen schon in fünf Jahren erreicht sein und nur noch halb so viel kosten wie die ersten 1000 GW. Die meisten neuen PV- und Windkraftanlagen werden jetzt in China und Indien gebaut. Heute schon ist betriebswirtschaftlich meistens der Strom aus neuen PV- und Windkraftanlagen günstiger als der aus neuen Atom-, Gas- oder Kohlekraftwerke. Berechnet man die Folgekosten (Atomrisiken, Atommüll, Erderwärmung) mit ein, ist der Strom aus diesen Erneuerbaren-Energie-Anlagen allemal preiswerter.
Der Spruch vom „deutschen Wesen …“ passt hier nicht. Wir erzeugen, wenn man das Konsumprinzip annimmt, in Deutschland pro Kopf 18 Tonnen CO2 im Jahr. In Indien 3 t und in China 8 t. Leider reichen diese bei Wikipedia gefundenen Zahlen der Uni Graz nur bis 2011.
Seit vielen Jahren sind wir in Deutschland trotz unserer großartigen Leistungen nach dem Jahr 2000 nicht mehr vorbildlich im Klimaschutz. In den letzten Jahren sind die CO2-Emissionen in Bayern sogar wieder gestiegen.
Raimund Kamm

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07.08.2018

>> in Deutschland pro Kopf 18 Tonnen CO2 im Jahr <<

Bitte Nachweis. Meine oben verlinkte Grafik weist deutlich weniger aus.

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07.08.2018

Jetzt soll der Bürger die Untätigkeit der Politik mit dem Fahrrad zum Bäcker kaschieren ;-)

Dabei gibt es mächtige Faktoren die dagegen arbeiten!

Deutschland erlebt bis 2050 einen deutlichen Einwohnerzuwachs - der Immobilienmarkt hat das schon erkannt. Einfach mal diesen Artikel lesen und verstehen, wie die Asyl- und Migrationsindustrie denkt.

https://www.zeit.de/2016/10/demografie-bevoelkerungsentwicklung-deutschland-migration-wachstum

>> 93 Millionen werden wir sein <<

Eine Antwort der Politik war 2015 übrigens eine Abschwächung der Energiesparvorschriften für Flüchtlingsunterkünfte!

Einen echten ÖPNV Ausbau gibt es in Deutschland nicht - Augsburg gräbt gelangweilt an seinem 200 Mio Loch unter dem HBF, während die letzte Verlängerung des Tramnetzes bereits knapp 10 Jahre her ist. Derweil wurde die Verkehrsleistung reduziert und die Preise massiv erhöht - das Fahrgastwachstum resultiert überwiegend aus dem prozentualen Einwohnerzuwachs.

3. Gleise für den Bahn-Regionalverkehr? Neubaustrecke entlang der Autobahn verhindert - den Rest lassen wir ruhen. Verzögerung der Reaktivierung der Staudenbahn - kurz vor der Landtagswahl - die Grünen plakatieren Bienenschutz.

Preiserhöhungen Energie? Pfui das wäre ja unsozial ggü. den Menschen mit geringem Einkommen. So gut geht es Deutschland dann offensichtlich wieder nicht.

Die politische Allzweckwaffe ist der Aufruf der Politik an die Bürger das Fahrrad zu benutzen und dafür gefühlte Verbesserungen i.R. einer Fahrradstadt anzubieten. Zu wenig !

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07.08.2018

Deutschland war in den letzten 5 Jahren beim Klimaschutz sogar schlechter als China und die USA

Die Lage ist ernst. Nicht für uns heute Lebenden, sondern für die in 4 - 5 Jahrzehnten Lebenden. Wenn die Erdtemperatur um weitere 1 - 2 Grad steigt, werden nach den Prognosen der Wissenschaftler viele hunderte Millionen Menschen mehr unter Wassermangel leiden. Und durch den Anstieg des Meeresspiegels werden Lebensräume gefährdet, wo heute noch hunderte Millionen Menschen leben. Wir können es in diesen Tagen am eigenen Leibe erfahren, wie unangenehm das Leben wird, wenn die Temperaturen draußen auf 35 ° C oder gar 40 ° C steigen. Die weltweite Folge werden Völkerwanderungen, autoritäre Regierungen sowie Verteilungs- und Ablenkungskriege sein.

Was tun? In Paris haben die Vertreter der Völker im Jahr 2015 beschlossen, miteinander die Erderwärmung auf möglichst 1,5 ° C und höchstens 2 ° C zu beschränken. Dafür muss jeder Staat seinen Beitrag leisten. Leider zeigt die Statistik, dass Deutschland sogar in den letzten 5 Jahren weniger beim Klimaschutz getan bzw. erreicht hat als China und die USA. In China werden mit großem Tempo PV- und Windkraftanlagen zugebaut und dafür wird der Ausbau der Kohlekraft drastisch abgebremst. In den USA wurden viele Kohlekraftwerke still gelegt und durch Gaskraftwerke sowie viele neue PV- und Windkraftanlagen ersetzt.
Deutschland hingegen hat den PV-Ausbau drastisch verringert und bremst jetzt hart beim Windkraftausbau. Bayern am schlimmsten.
Und bitte nie persönliches Verhalten und politisches Handeln gegeneinander ausspielen. Beides braucht es!
In Deutschland sollten wir jährlich etwa 10 GW Zubau sowohl bei PV wie Windkraft anstreben. Und schnell erst die Braun- und dann auch die Steinkohlekraftwerke abschalten. Viel würden wir erreichen, wenn wir CO2 nach seinen Folgekosten bepreisten.
Raimund Kamm, Augsburg

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07.08.2018

Kann das Klima am deutschen Wesen genesen? Nein!

80 Millionen Deutsche können nicht reparieren, was über 7 Milliarden Menschen anderenorts an Klimaspuren hinterlassen. Die Hauptemittenten von Treibhausgasen sind China und die USA. Dort werden die Weichen für das Klima gestellt.

Wenn Deutschland das Ziel verfolgt, beim Klimaschutz mit vorne zu liegen, dann ist das ehrenwert. Unrealistisch aber wäre zu meinen, dass wir damit den Gang der Dinge wesentlich beeinflussen könnten. Dazu ist Deutschland in globaler Sicht viel zu unbedeutend.

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06.08.2018

Der Kommentar beinhaltet zwei zentrale Botschaften.
Erstens: Der Klimawandel ist unbestreitbar, schädlich und mittelfristig unumkehrbar.
Zweitens: Es ist gut, mit dem Fahrrad zum Bäcker zu fahren, regionale Lebensmittel zu wählen etc.
Beide Botschaften passen.

Doch mit den genannten Verhaltensänderungen lassen sich zwar lokale Umweltbedingungen verbessern, was im Übrigen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Aber sie können kaum nennenswerte Beiträge zum globalen Klimawandel leisten. Da müssen vor allem China und die USA ran.

Das Dumme ist nur, beide tun viel zu wenig. Die einen haben sich von Anbeginn an lange Übergangsfristen im Klimaabkommen einräumen lassen. Und die anderen haben beschlossen, vor allem an sich selbst zu denken.

Wir müssen uns auf die Auswirkungen des Klimawandels einstellen. Mit Hochwasserschutz, Brandschutz, zukunftsfester Landwirtschaft, Klimaanlagen etc. Vor allem aber brauchen wir in der Bundesregierung Führungspersonal, das sich den wirklich wichtigen Aufgaben stellt und eine proaktive Politik betreibt.

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