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Wie Konzerne mit ihren Mitarbeitern Monopoly spielen

Kommentar Von Jürgen Marks
11.04.2018

VW baut um. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitnehmer in Augsburg. Das war schon bei Osram so. Zum Glück gibt es Felsen in der Brandung.

In Wolfsburg saßen am Donnerstag die VW-Aufsichtsräte zusammen. Es ging um den Umbau des Vorstands und die Neuordnung des gesamten Konzerns. Und wie so häufig könnte auch der Standort Augsburg von der Neustrukturierung betroffen sein.

Denn am Lech arbeiten mehr als 5000 Menschen für Renk und MAN Diesel & Turbo. Beide gehören zu MAN. Diese VW-Tochter soll dem Vernehmen nach ausgegliedert und an der Börse platziert werden. Die neue Sparte wird in München daheim sein. Das liegt immerhin näher an Augsburg als der heutige Firmensitz Braunschweig.

Die Mitarbeiter sind unsichere Zeiten gewohnt

Es kann aber auch anders kommen. Sicher ist noch nichts. Die Mitarbeiter sind unsichere Zeiten gewohnt. Denn schon lange gibt es Spekulationen über die Ausgliederung beider Unternehmen aus dem Volkswagen-Konzern. Die Großgetriebe von Renk für Windkraftanlagen oder Panzerfahrzeuge passen genau wie die Schiffsmotoren von MAN Diesel & Turbo nicht so richtig ins Portfolio des Autobauers aus Wolfsburg.

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Die möglichen Veränderungen müssen für die Angestellten und ihre Familien aber gar nicht nachteilig sein. Denn beide Augsburger Unternehmen gelten als Renditeperlen. Sie sind profitabler als der Konzerndurchschnitt. Deshalb schauen die Männer und Frauen der Werke selbstbewusst in die Zukunft.

Das trifft leider nicht für alle Mitarbeiter aus der Region zu, die zum Spielball im Firmen-Monopoly geworden sind. Dies hat mit der Globalisierung Fahrt aufgenommen und die Spielregeln der Wirtschaft fundamental verändert. Früher lebte der Chef in der Augsburger Direktorenvilla. Heute arbeiten Manager und Entscheider in Wolfsburg, London oder Peking.

Die strategischen Fehler sind noch unter dem Dach von Siemens und Osram gemacht worden

Ihnen fehlt das Gefühl für die Region und die Mitarbeiter. Manchmal sind sie ihnen sogar egal.

So war es, als der chinesische Investor MLS Ende 2017 die Schließung des Augsburger Ledvance-Werkes, das jahrzehntelang Osram hieß, ankündigte. Die Versammlung dauerte 15 Minuten. Fragen wurden nicht zugelassen. Mitarbeiter, die zum Teil seit 30 Jahren im Unternehmen tätig sind, gingen mit Tränen in den Augen heim.

Auch einen Rettungsplan, der in Augsburg erarbeitet wurde, schmetterten die neuen Eigentümer in dieser Woche ab. Dabei tragen die Chinesen gar nicht die Hauptschuld an dem Desaster. Denn die strategischen Fehler sind noch unter dem Dach von Siemens und Osram gemacht worden, als in Augsburg auf Energiesparlampen gesetzt wurde statt auf moderne LED-Leuchten.

Die familiengeführten Mittelständler sind das Rückgrat der Wirtschaft in unserer Region

Zum Glück sind die großen Konzerne mit ihren fernen Zentralen aber nicht das Rückgrat der Wirtschaft in unserer Region. Das sind die zahlreichen familiengeführten Mittelständler zwischen Memmingen, Ulm und Ingolstadt.

Es ist ein unschätzbarer Vorteil für einen Wirtschaftsraum, wenn viele Unternehmer vor Ort arbeiten, die Identität der Menschen verstehen und ein Gefühl für die Heimat haben. Unternehmen wie die Spedition Dachser (Kempten), der Metallbauer Wanzl (Leipheim) oder der Maschinenbauer Grenzebach (Hamlar) sind Felsen in der Brandung der Globalisierung. Wie viele andere sind diese Beispiel-Firmen international tätig, doch das Unternehmerherz schlägt in der Heimat.

Dieses mittelständische Rückgrat zu erhalten, ist die Aufgabe von regionaler Wirtschaftspolitik. Investitionen in Gründerzentren machen ebenso Sinn wie der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, schaffen Familienunternehmer Arbeitsplätze und suchen nicht ihr Heil unter dem Dach großer Konzerne.

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Die Diskussion ist geschlossen.

13.04.2018

>> Die strategischen Fehler sind noch unter dem Dach von Siemens und Osram gemacht worden <<

Der strategische Fehler wurde doch im Falle Osram in Brüssel gemacht, als man auf grüne Forderungen hin sog. Energiesparlampen gefördert hat, während der asiatische Markt schon fleißig an der LED gearbeitet hat.

Es gibt genug Lampen in Haushalt und Industrie, die direkt von der Glühlampe auf LED umgestellt wurden und den politischen Zwischenschritt mit den quecksilberhaltigen, langsam startenden und oft mit schlechter Lichtfarbe versehenen Röhren-Energiesparlampen nicht erlebt haben.

http://www.t-online.de/finanzen/energie/id_43656864/trotz-quecksilber-gruene-halten-energiesparlampen-fuer-kleineres-uebel.html

>> Die Grünen halten quecksilberhaltige Energiesparlampen für das kleinere Übel im Verhältnis zu Strom fressenden Glühbirnen. Das Quecksilber in den Energiesparbirnen sei zwar ein Problem, es sei jedoch wichtiger, dass diese Leuchtkörper wesentlich weniger Energie verbrauchen als herkömmliche. <<

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