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Renaturierung

01.08.2015

„An der Wertach besteht hier 100 Prozent Handlungsbedarf!“

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3 Bilder
Wenn die Wertach im Unterallgäu an einigen Stellen einmal so ausschauen würde, wie im Bild die Isar nach einer Renaturierungsmaßnahme, würden sich nicht nur die Wertachfreunde freuen.
Bild: Leo Rasch

Wertachfreunde rufen zu einem offenen Flussdialog auf. Warum auch der Landrat seine uneingeschränkte Unterstützung zusagt, die Wertach aus ihren Zwängen zu befreien

Wenn man ein großes Projekt anstoßen will, sollte man sich Mitstreiter suchen. Die Wertachfreunde haben dies getan, allen voran will sie Landrat Hans-Joachim Weirather unterstützen, eine Strukturverbesserung der Wertach nach den Europäischen Wasserschutzrichtlinien im Bereich des Unterallgäus bis 2027 herbeizuführen.

Auf der Informationsveranstaltung „Wertach, wie geht’s dir?“ konnten sich die weit über 100 Interessierten einen guten Überblick über den derzeitigen Istzustand der Wertach und die Ziele der Wertachfreunde verschaffen. Vertreter der Gemeinden Ettringen, Türkheim sowie Bad Wörishofens waren ebenso gekommen wie Mitglieder der Unterallgäuer Fischereivereine, verschiedenster Naturschutzvereine und Fachleute unterschiedlichster Behörden. Einzig das Wasserwirtschaftsamt hatte niemanden nach Türkheim geschickt, was alle Redner äußerst bedauerten und nicht verstanden.

„Was können wir in den kommenden Jahren tun, damit es dem Ökosystem Wertach besser geht?“ das war die Frage, die Gudrun Kissinger-Schneider, Marktgemeinderätin der Grünen in Türkheim und Vorsitzende des örtlichen Bund Naturschutzvereines, gleich bei der Begrüßung stellte. Sie sah alle Naturschutzvereine, Privatpersonen und die Politik in der Pflicht, in und um den Fluss Verbesserungsmaßnahmen in die Wege zu leiten.

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Seine Unterstützung sicherte Landrat Hans-Joachim Weirather, zu. Er fühle sich gleich mehrfach angesprochen. Zuerst habe er natürlich als Landrat großes Interesse an einen gesunden und intakten Gewässerstand im Unterallgäu. Leider tue sich hier sowohl an der Iller als auch an der Wertach seiner Meinung nach viel zu wenig. In angrenzenden Landkreisen sei es bereits gelungen, die Flüsse teilweise zu renaturieren. „An der Wertach besteht hier 100 Prozent Handlungsbedarf!“ stellte Weirather fest. Angesprochen fühle er sich auch als Präsident des Fischereiverbandes Schwaben. Nur wenn es dem Fluss gut gehe, gehe es auch den Fischen gut. Ja und nicht zuletzt sei er einmal Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Kempten gewesen. „Ich bin bereit mit Überzeugungsarbeit zu leisten. Im engen Schulterschluss mit dem bayerischen Wasserwirtschaftsamt, allen Naturschützern, den Fischereiverbänden und interessierten Bürgern muss es uns gelingen den Zusammenbruch der Artenvielfalt zu verhindern und die Gewässerstruktur nachhaltig zu verbessern. Und dies noch zu unseren Lebzeiten!“ so Weirather.

Leo Rasch von den Wertachfreunden stellte dann den Istzustand der Wertach mit all seinen Problemen wie der tiefen Eingrabung des Flusses an vielen Stellen oder die unschönen Beton-Fischaufstiegshilfen vor. Auch die Problematik einer guten Anbindung der Seitenbäche sprach er an. Derzeit werde ein Gewässerentwicklungskonzept, also eine gewisse Ideensammlung, seitens des Wasserwirtschaftsamtes Kempten für die Wertach erstellt. Rasch rief zu einem offenen Flussdialog auf. „Wir müssen alle Ideen sammeln und miteinbringen. Denn nur das, was dort drinsteht, wird vielleicht auch einmal in Angriff genommen“, so Rasch.

Drei von mehreren konkreten Verbesserungsvorschlägen an der Wertach im Unterallgäuer Bereich stellte Bruno Faulhammer von den Wertachfreunden vor. Darunter waren große Projekte wie ein mögliches Naherholungsgebiet bis hin zu kleineren Maßnahmen wie einer Auwaldanbindung (in weiteren Artikeln werden die einzelnen Verbesserungsmöglichkeiten vorgestellt!).

Bernhard Uffinger vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben berichtete von seinen Erfahrungen aus dem Projekt „Wertach Vital“. In Augsburg ist dort die Wertach bereits aus ihren Zwängen befreit worden. Vom Mensch bis zum Käfer hätten alle laut Uffinger profitiert. Er erklärte auch, wie wichtig eine Bestandsaufnahme sei, um die Richtigkeit der einzuleitenden Maßnahmen zu untermauern. Anhand vieler Bilder konnte er zeigen, wie gut die Projekte dort schon gegriffen haben. Uffinger spornte alle Anwesenden an, an einem Strick zu ziehen, zum Wohle der Natur, der Tiere und der Menschen.

Bei der abschließenden Diskussion zeigte sich, dass die interessierten Gäste bestens informiert wurden und kaum noch Fragen offengeblieben sind. Professor Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern, war selbst auch beeindruckt von der Veranstaltung und lobte die Veranstalter. Heuer sei nun wichtig, alle Ideen einzubringen und die „Finger immer wieder in die Wunde zu legen“. Göttle wies auch auf den großen Wermutstropfen, der Grundstücksproblematik, hin. „Und vor allem brauchen sie einen langen Atem“, so Göttle. Die Finanzierung der einzelnen Maßnahmen sah er nicht als ein großes Hindernis. Es gebe verschiedenste Zuschusstöpfe und Programme derzeit, hier seien die Vorhabensträger gefordert. Dass im Unterallgäu noch kein Gewässerentwicklungsprogramm erstellt worden ist, konnte Göttle nicht verstehen. „Nutzen sie die derzeitige Chance, selbst wenn die Wertach ein staatliches Gewässer ist,“ so Göttle.

Beeindruckt von den vielen Augsburger Bildern sicherte auch Bürgermeister Sebastian Seemüller zu, „an der Sache dran zu bleiben“. Die Marktgemeinde Türkheim besitze viele Grundstücke an der Wertach und Seemüller will die Verbesserungsvorschläge im Marktgemeinderat beraten lassen. „Ich bin mir sicher, dass wir zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt vernünftige Wege finden, die Gewässerstruktur der Wertach zu verbessern. Angst vor Hochwasser müsse man ja heute nicht mehr haben“, so Seemüller.

Die von den Wertachfreunden erstellte Infowand ist in den nächsten 14 Tagen im Rathaus ausgestellt. Dort können sich Interessierte umfassend über die Wertach und mögliche Verbesserungsmaßnahmen informieren.

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