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Kirchheim vor einer Zäsur

19.07.2015

Der Chef verlässt die Baustelle

Anton Sonntag, Rektor der Grund- und Mittelschule Kirchheim, geht Ende Juli in den Ruhestand. An der Schule wird derzeit fleißig gebaut.
Bild: Johann Stoll

Dem Rektor Anton Sonntag waren immer die Kinder wichtig und er hat damit auch bei den Eltern gepunktet. Jetzt verlässt er aus Altersgründen die Grund- und Mittelschule Kirchheim – gemeinsam mit seinem Stellvertreter.

Das Fundament ist gelegt, der Keller fertig. Jetzt ist das zweite Obergeschoss dran, die Außenfassade eingerüstet. Der erste Stock muss bis Ende Juli leer geräumt sein, damit Bauarbeiter in den Ferien weiter machen können. Die Grund- und Mittelschule in Kirchheim ist Großbaustelle, und das wohl noch bis Mitte 2016. Ausgerechnet jetzt geht Ende des Monats der oberste Baumeister, Rektor Anton Sonntag, in Ruhestand. Und sein Stellvertreter Herbert Gutser geht gleich mit.

Sonntag quittiert das mit einem Schulterzucken. Er ist keiner, der groß von sich ein Aufhebens macht. Alles hat seine Zeit, sagt der Loppenhausener. Und seine sei eben jetzt gekommen. 65 Jahre und vier Monate ist er inzwischen alt. Da darf dann auch mal ein langes Berufsleben zu Ende gehen.

Angefangen hat Anton Sonntag, der in der Nähe von Illertissen groß geworden ist, als Chemieingenieur und sich erst auf dem zweiten Bildungsweg zum Lehrer ausbilden lassen. Den Anfang machte er in Pfaffenhausen, dann war er bis 1989 in Niederraunau bei Krumbach. Dort war Sonntag Lehrer für die ganz Kleinen. „Ich habe das sehr genossen“, erzählt er.

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Zuvor bereits Schulleiter in Neuburg an der Kammel

1989 dann wurde Sonntag Schulleiter in Neuburg an der Kammel. Auch dort waren es vor allem die kleinen Kinder, die er unterrichtet hat. 20, 22 Schüler je Klasse waren das damals. Mit 170 bis 180 Schülern war die Größe auch überschaubar. Kirchheim war dann ein anderes Kaliber. 450 Schüler zählte die Volksschule im Jahr 2001, als Sonntag anfing. Heute sind es noch 235. Immer weniger Geburten schlagen an der Schule durch. Auch das ist eine Baustelle, die derzeit viele Eltern umtreibt. Wer die Kirchheimer Schule im neuen Schuljahr führen wird, steht allerdings noch nicht fest. Nur wer Stellvertreter wird, ist entschieden. Bernd Petzenhauser ist schon jetzt regelmäßig nachmittags an der Schule um sich von Anton Sonntag alles zeigen zu lassen. Vormittags unterrichtet Petzenhauser an der Mittelschule in Mindelheim.

Anton Sonntag war immer Lehrer mit Leib und Seele. Wenn er die leuchtenden Kinderaugen der Erstklässler am ersten Schultag sieht, geht ihm das Herz auf. Das wird er vermissen, so viel gibt er dann doch zu. Wichtig sind die Kinder, nicht irgendwelche allzu eng gesetzten Vorgaben. „Ich entscheide, was wichtig ist“, sagt er selbstbewusst. Nicht jeder modischen Strömung, von denen die Schullandschaft voll ist, hat er nachgegeben.

Dass sich mit viel Miteinander auch viel bewegen lässt, zeigen die Jahre des Anton Sonntag in Kirchheim. Das Hallenbad ist saniert, ein Schulgarten mit viel Eigenleistung angelegt. Auch eine Mittagsbetreuung mit Bücherei gibt es inzwischen. Was aber macht einen guten Lehrer aus? Er muss Kinder mögen. Dann mögen ihn auch die Eltern. Jeden Tag sei er gerne in die Schule gegangen. Das hat viel mit dem guten Draht zu Eltern, Bürgermeister und Mitgliedern des Schulverbandes zu tun. Dass Hermann Lochbronner als Kirchheimer Rathauschef fast zur selben Zeit wie er angefangen hat, hat die beiden zusammengeschweißt. „Die menschliche Seite hat in Kirchheim immer gestimmt“, sagt Sonntag.

Auf einen guten Umgang miteinander hat der Rektor auch in der Schule immer wert gelegt. Konrektor Herbert Gutser hat ihm dabei von Anfang an sehr geholfen. Jetzt geht er gleichzeitig mit Sonntag in den Ruhestand. Kommenden Dienstag, 21. Juli, werden beide um 10 Uhr bei einem Festakt in der Turnhalle verabschiedet.

"Ich war selbst kein Musterschüler"

Unter den Kindern muss es gerecht zugehen. Wer etwas ausgefressen hat, muss Konsequenzen spüren. Dabei muss Sonntag manchmal innerlich schmunzeln über die Verfehlungen mancher Schüler. „Ich war selbst kein Musterschüler. Da habe ich schon Verständnis für manchen Lausbuben.“

Wenn er mit der Fachgruppe Schulleiter hin und wieder unterwegs ist, bekommt er hautnah mit, wie sehr die Welt in Kirchheim doch noch in Ordnung ist. „Wir leben hier in einem Schonraum“, sagt Sonntag. Kinder könnten sich im ländlichen Umfeld noch benehmen.

Auf den Ruheständler warten schon neue Aufgaben

Bei Eltern, stellt Sonntag fest, hat es in den vergangenen Jahren doch Veränderungen gegeben. Der Rektor stellt fest, dass viele in guter Absicht versuchten, viele unangenehme Dinge von ihren Kindern fernzuhalten. Den Kindern sei damit nicht gedient.

Daheim warten auf ihn schon neue Aufgaben. Seine Frau Mia, die auch Lehrerin ist, freut sich mittags schon auf Frischgekochtes von ihrem Mann. Im Garten und in der Werkstatt gibt es auch immer viel zu tun. Vor allem aber will sich Anton Sonntag viel Zeit nehmen – für seine fünf Enkel, von denen drei ganz in der Nähe wohnen. (jsto)

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