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Sprache in Mindelheim

18.10.2015

Dialekt fördert den Zusammenhalt

Manfred Kraus ist eines der vier Jurymitglieder des Mundartwettbewerbs unserer Zeitung. Im Gespräch erklärt er, was Dialekt für ihn bedeutet.
Bild: Manfred Kraus

Die Mindelheimer und Memminger Zeitung loben einen Mundartwettbewerb aus. Wir sprachen mit dem Heimatdichter Manfred Kraus über das Schwäbische

Landkreis Sprache schafft Gemeinschaft und Geborgenheit. Das gilt für die Hochsprache ebenso wie den Dialekt. Wer schwäbisch spricht, bekennt sich zu seinen Wurzeln. Trotzdem beherrschen immer weniger Kinder Dialekt. Mindelheimer und Memminger Zeitung wollen dem etwas entgegensetzen. Die beiden Lokalredaktionen rufen zu einem großen Mundartwettbewerb auf (siehe Infokasten), der unter der Schirmherrschaft von Landrat Hans-Joachim Weirather steht. Die Arbeiten begutachtet eine vierköpfige Jury, der Manfred Kraus aus Apfeltrach angehört. Kraus ist Lehrer an der Mittelschule in Pfaffenhausen und schreibt seit Jahren Geschichten auf Schwäbisch. Mit ihm sprach MZ-Redakteur Johann Stoll.

Herr Kraus, was kann der Dialekt, was die Hochsprache nicht kann?

Kraus: Unsere Mundart strahlt eine ganz besondere Warmherzigkeit aus. Neben ihrer Urwüchsigkeit hat sie eine sehr hohe Bildkraft. Ich kann Gefühle, meine Befindlichkeiten sehr gut in der Mundart ausdrücken. Unsere Mundart hat eine große Klangfarbe in sich. Ein paar Worte sagen hier viel mehr als in der Hochsprache.

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Schwäbisch klingt in jedem Dorf etwas anders. Warum ist das so?

Kraus: Die unterschiedliche Sprachfärbung fördert die Zusammengehörigkeit. Die Menschen haben das Gefühl, hier aufgehoben zu sein. Das gibt uns Identität. Anderen erlaubt es ein Hineinkommen. Mich stört es überhaupt nicht, dass man sich schwer tut herauszufinden, ob jemand mehr Schwabe oder Allgäuer ist. Am Mindeltal kann man zum einen sehen, wie das Schwäbische verbindet. Zum anderen haben wir aber auch diese sehr lokale Färbung.

Wie nah sind sich sprachlich das östliche und westliche Unterallgäu?

Kraus: Sehr. In Memmingen kommt eine etwas andere Klangfarbe mit hinein, was mit der Nähe zu Württemberg zu tun hat. Es gibt viel, was uns verbindet. Die kleinen Unterschiede sind interessant und spannend.

Lange Zeit war es verpönt, sich zu seinem Dialekt zu bekennen. Besonders in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt an Schulen nur die Hochsprache als wertvoll.

Kraus: Damals hatte man sehr vieles von früher über Bord geworfen. Vieles wurde in Schubladen gesteckt. Wir haben nach 1968 unser ganzes Leben entrümpelt. Da hat alles raus müssen. Das war der schöne alte Schrank genauso wie die Sprache, die wir praktisch hinausgeschmissen haben. Die Wissenschaft hat uns das auch einzureden versucht. Wer Mundart spricht, lernt nicht so gut. Das klang dann fast so, als wären Menschen, die Mundart sprechen, weniger intelligent. Das ist längst widerlegt. Anscheinend braucht es eine Art Irrweg, um sich wieder zu besinnen.

Dennoch können heutzutage dank Fernsehen viele Kinder keinen richtigen Dialekt mehr sprechen. Warum sollten Eltern dennoch darauf achten?

Kraus: Mundart ist ein Kulturträger. Sie bewahrt ganz viel von dem, was uns ausmacht. Wer seine Wurzeln kennt, findet seinen Weg. Ich fühle mich immer echter, authentischer, wenn ich etwas in Mundart sagen kann. Ich spüre oft, dass man sich einem anderen in Mundart viel besser mitteilen kann.

Da müssten wir jetzt eigentlich ja ins Schwäbische wechseln. Des kehnt mr macha, oder it? Aber vielleicht bleiben wir doch besser beim Hochdeutschen. Dialekt und Heimat sind ja ganz eng miteinander verbunden.

Kraus: Es hat uns alle ja weit in die Welt hinausgetragen. Die Globalisierung fördert das ja. Viele merken aber, dass mit dieser Gleichmacherei alles langweiliger wird. Wir suchen die Eigenarten, das Eigentümliche.

Das finden wir im Urlaub ja auch reizvoll.

Kraus: Ob Italien, Frankreich oder Griechenland - wir schätzen gerade die Eigenarten der Menschen, aber daheim trauen wir uns nicht, wir selber zu sein.

Mindelheimer und Memminger Zeitung rufen jetzt gemeinsam zu einem Mundartwettbewerb auf. Sie Herr Kraus gehören der Jury an. Was sollten die Autoren beachten?

Kraus: Jeder ist herzlich eingeladen. Wer mitmacht, sollte grundsätzlich beachten, dass er auch wirklich in Mundart schreibt – gerne auch in gereimter Form. Es wäre eine große Stärke, wenn wir Texte in echter Mundart erhalten würden mit echten alten Mundartausdrücken. Bitte keine Modewörter! Also nicht ins Schwäbische geholte Ausdrücke sind gefragt, sondern echtes Schwäbisch. Der verschmitzte Humor, wie er in unserer Gegend auch typisch ist, darf gerne zum Ausdruck kommen. Es ist aber genauso gut, wenn Menschen Texte mit Tiefgang schreiben. Die Form ist übrigens nicht entscheidend. In Prosa auf Schwäbisch zu schreiben ist sogar schwerer als in Reimform.

Welche Aufgabe kommt der Jury zu?

Kraus: Sie soll sich in den Schreiber hineindenken. Sie soll beachten, wie sehr Mundartliches zum Tragen kommt. Berücksichtigt wird natürlich, dass in jedem Dorf etwas anders gesprochen wird.

 

Die Idee: Mindelheimer und Memminger Zeitung loben einen großen Mundartwettbewerb aus.

Schirmherr: Landrat Hans-Joachim Weirather. Was gilt es zu beachten? Eingereicht werden können Gedichte oder Prosatexte in schwäbischer Mundart. Die Gedichte sollten nicht länger als zehn Strophen zu je vier Zeilen umfassen. Die Prosatexte dürfen nicht mehr als 80 Druckzeilen (entspricht 2700 Zeichen mit Leerzeichen) lang sein.

Wer kann mitmachen?  Jeder.

Wer entscheidet? Eine vierköpfige Jury aus: Waltraud Mair aus Bidingen im Ostallgäu, Kreisbäuerin Margot Walser aus Pleß, Hans Ferk aus Memmingen und Manfred Kraus aus Apfeltach. Mair, Kraus und Ferk haben bereits Texte in Mundart veröffentlicht.

Bis wann müssen die Texte vorliegen? Beiträge können bis spätestens Jahresende 2015 eingereicht werden.

Wie kommen die Texte zu den Zeitungen?  Am besten per Mail an redaktion@mindelheimer-zeitung.de unter dem Betreff Mundartwettbewerb. Oder per Post an: Mindelheimer Zeitung Dreerstraße 6 87719 Mindelheim Stichwort: Mundartwettbewerb. Bitte Absender und Telefonnummer für Rückfragen nicht vergessen.

Gibt es etwas zu gewinnen?  Für die Sieger werden Preise ausgelobt (wird noch bekannt gegeben).  

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