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Soziales

27.04.2019

Führerschein für Vereinschefs im Unterallgäu

Ob in der Bewährungshilfe, am Seelsorgetelefon, bei der Essensvergabe der Tafeln oder im Tierschutz: Ehrenamtliche sind vielerorts im Einsatz, werden aber auch im Unterallgäu immer weniger.
Bild: dpa

Wer sich ehrenamtlich engagiert, bekommt einige Fortbildungsangebote wie den "Vorstandsführerschein". Doch immer weniger wollen Verantwortung übernehmen.

Die Unsicherheit in Raum 403 des Unterallgäuer Landratsamtes ist groß an diesem Abend. Da sitzt das Paar aus Fellheim, das einen Verein für Nachbarschaftshilfe gründen will. „Es gibt so viele Gesetze, die man nicht bedenkt“, sagt Claudia Sauter und nennt als Beispiel den Datenschutz. Daneben sitzt Gunther Mucks. Der 78-Jährige macht Vereinsarbeit in Bad Wörishofen, kümmert sich unter anderem um die rechtlichen Angelegenheiten bei der Tafel. Er möchte wissen, welche neuen Gesetze es gibt. Mit dabei ist auch Manfred Schweigert aus Türkheim. In seinem Verein zog sich vor drei Jahren der Vorstand zurück. Schweigert engagiert sich dort jetzt mit seiner Frau. „Vereinsarbeit war für mich relativ neu“, sagt der 46-Jährige. Sie alle verbindet das ehrenamtliche Engagement und: Unsicherheit.

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Darum sitzen sie im Landratsamt in Mindelheim mit 20 anderen Teilnehmern und machen den „Vorstandsführerschein“ – ein Angebot der Bildungsregion Memmingen-Unterallgäu in Kooperation mit dem Landratsamt. An sechs Seminartagen erläutert Vereinsberater Karl Bosch beispielsweise das Vereinsrecht oder wie Vorstandssitzungen geleitet werden. „Für Vereine wird es immer schwieriger, die Vorstandsposten zu besetzen“, sagt Bosch. Unsicherheit gebe es gerade bei Haftungsfragen.

Viele wollen sich nicht mehr ehrenamtlich engagieren

„Man sagt ja immer, wenn ich Vorsitzender werde, stehe ich mit einem Bein im Gefängnis“, sagt Bosch. „Das stimmt nicht“, fährt er fort und erläutert: Nur wer vorsätzlich handle, also beispielsweise Steuern hinterziehe, könne haftbar gemacht werden. Andernfalls hafte der Verein. Der Berater aus Sonthofen sieht die Vereine mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Frage man Mitglieder, ob sie sich vorstellen könnten, den Vorsitz zu übernehmen, gebe es häufig Absagen. Bosch sieht die Gründe dafür im gesellschaftlichen Wandel. Die Arbeitswelt sei flexibler geworden und das Freizeitverhalten der Leute habe sich verändert. „Das führt dazu, dass man sich nicht mehr so binden will“, so Bosch.“

Führerschein für Vereinschefs im Unterallgäu

Nicht nur im Landkreis Unterallgäu gibt es Hilfestellungen für Menschen, die sich in Vereinen engagieren. So hat das Ostallgäu seit 2006 die Ehrenamtsbeauftragte Julia Grimm. Auch sie hat die Erfahrung gemacht: Vorstandsposten sind nicht mehr so leicht zu besetzen wie früher. Dabei gebe es zahlreiche Menschen, die sich engagieren wollen. „Viele möchten aber die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen“, sagt Grimm.

Der Landkreis Ostallgäu bietet Beratungen und Fortbildungen an – das Angebot ähnelt dem Vorstandsführerschein im Unterallgäu. Auch individuelle Beratung ist möglich.

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