1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Rammingen fiebert dem Bezirksmusikfest entgegen

Rammingen

21.05.2019

Rammingen fiebert dem Bezirksmusikfest entgegen

Copy%20of%20IMG_3394.tif
3 Bilder
Die Musikerinnen und Musiker der Ramminger Blaskapelle hatten beim Festakt mehrfach die Gelegenheit, ihr ausgezeichnetes musikalisches Können unter Beweis zu stellen.
Bild: Franz Issing

Beim Festakt des Musikvereins Rammingen gibt es eine einmalige Ehrung: Roland Mühlbauer (88) aus Ettringen spielt seit 75 Jahren Trompete.

Mit Lob für den Musikverein und das Organisationstalent seiner Mitglieder wurde beim Festakt zum Auftakt des 49. Bezirksmusikfestes nicht gespart. Musikanten und ihre Vorstände aus nah und fern hatten sich mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden und zahlreichen Ehrengästen in der Sporthalle eingefunden, um den Startschuss für das musikalische Großereignis und das mit ihm einhergehende 50-jährige Bestehen des Blasorchesters mitzuerleben.

Der Musikverein Rammingen kann auf eine ausgezeichnete Jugendförderung stolz sein

„Wir sind wir“ gab sich das Orchester schon zu Beginn der Veranstaltung musikalisch sehr selbstbewusst. Von Andreas Schuster wurden die Instrumentalisten in dieser Meinung noch bestärkt. In seiner Grußadresse bescheinigte der Vorsitzende des Allgäu Schwäbischen Musikbundes (ASM) dem mitgliederstarken Verein eine „ausgezeichnete Jugendarbeit“. „Nur ganz wenige Vereine in unserem Bezirk , so Schuster, können sich eine Kapelle mit 33 Jungmusikern leisten“. Viel Lob zollte der „ASM-Frontmann“ auch Alois Ledermann, der wie er sagte, den Verein seit 25 Jahren demokratisch und teamorientiert führt. Mit einem Programm voller Höhepunkte und ohne ein großes Risiko einzugehen, hätten die Ramminger Musikanten für die Veranstalter künftiger Musikfeste die Messlatte sehr hoch gelegt.

Lesen Sie dazu auch: Trommeln für das Bezirksmusikfest

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ähnlich äußerte sich auch Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer. Auch der ASM-Präsident lobte die „qualifizierte und professionelle Jugendarbeit“ des Musikvereins. „Hier lernen die jungen Leute nicht nur musizieren, sondern auch Werte und Tugenden, wie Fleiß, Disziplin, Motivation und Teamfähigkeit, die auch in Schule und Berufsleben unverzichtbar sind. Pschierer brach eine Lanze für das Ehrenamt und machte deutlich, „Face to Face“ sei im Zeitalter sozialer Medien wichtiger als Facebook.

Dies sah auch Landrat Hans-Joachim Weirather so. Der Landkreischef würdigte die ehrenamtliche Arbeit von Vereinen für die Gesellschaft und das kulturelle Leben in den Kommunen. „Der Musikverein Rammingen glänzt mit einer herausragenden Jugendarbeit fand auch er und unterstrich: „So was macht sich nicht von selbst“. Im Übrigen war auch der Landrat der Meinung: „Frau Musica macht ein Leben ohne Facebook möglich“. Als Geburtstagsgeschenk hatte er einen Scheck für die Anschaffung von neuen Noten mitgebracht. „Ihr dürft das Geld aber auch für Bier ausgeben“ scherzte Weirather.

"Was wäre Rammingen denn ohne Musik?", fragt nicht nur der Bürgermeister

Ein Fass mit Gerstensaft spendierte dem Musikverein auch der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl. Er ernannte Rammingen für eine Woche zur musikalischen Hauptstadt des Unterallgäus. „Was wäre unser Dorf ohne Musik“, fragte Bürgermeister Anton Schwele und hatte auch gleich die Antwort parat. „Uns würde viel Lebensqualität fehlen und nicht zuletzt auch ein klingendes Aushängeschild“, sagte er.

Wie Schwele blätterte auch Christina Schmid in der Geschichte des vor 50 Jahren gegründeten Musikvereins. Von der Chronistin war unter anderem auch zu erfahren, dass die Blasmusik in Rammingen eine lange Tradition hat und bereits im August anno 1880 ein „Musikkorps“ die Feierlichkeiten der 700-Jahrfeier der Wittelsbacher Dynastie musikalisch begleitete. Damals fand in der Pfarrkirche zu Unterrammingen ein feierlicher Gottesdienst mit Kirchenzug statt. Dem schloss sich ein „Festgelage“ auf dem Schulhof an, an dem sogar der bayerische Märchenkönig Ludwig II teilnahm.

Die Stammkapelle hat ihr Wachstum einer beispielhaften Jugendarbeit zu verdanken. Getreu dem Motto des Bezirksmusikfestes „Kommt – feiert mit uns“ gaben die Ramminger Nachwuchsmusiker und auch die „alten Hasen“ zur Eröffnung des Musikfestes schon mal ihre klingende Visitenkarte ab, die von den Dirigenten Teresa Hintner und Andreas Rest den Gästen überreicht wurden.

Und dann wurde es richtig feierlich. Vom ASM-Bezirksvorsitzenden Andreas Schuster wurden langjährige Mitglieder ausgezeichnet. Für 25 Jahre Treue zur Blasmusik wurde Vorsitzender Alois Ledermann geehrt. Mit Ehrenurkunde und Nadel des ASM für 50 Jahre Mitgliedschaft wurden Franz Mayer und Anton Schwele belohnt. Für die beiden Jubilare gab es noch ein besonderes Zuckerl. Sie wurden zu Ehrenmitgliedern des Musikvereins ernannt.

Für den 88-jährigen Roland Mühlbauer musste erstmal ein angemessener Orden des ASM besorgt werden

Sichtlich gerührt zeichnete ASM-Präsident Franz Josef Pschierer den 88-jährigen und seit 75 Jahren aktiven Trompeter Roland Mühlbauer aus Ettringen aus. Der Allgäu-Schwäbische Musikbund (ASM) verfügt für ein solch seltenes Jubiläum weder über Ehrennadel noch über eine Urkunde und musste einen Orden für Mühlbauer eigens beim Bayerischen Blasmusikverband bestellen. Es war in der Geschichte des ASM das erste Mal, dass eine solche Auszeichnung verliehen wurde.

Alle Verdienste und Ehrenämter des mit 15 Jahren aus dem Egerland vertriebenen Musikers aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Nicht unerwähnt soll jedoch bleiben, dass Mühlbauer schon mit sieben Jahren Geigenunterricht bekam, dass er am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg und an der Hochschule für Musik in München studierte und die Hauptfächer Flügelhorn und Trompete belegte.

Zudem schwang der Jubilar in den 1980er- und 90er-Jahren bei zahlreichen Orchestern und auch bei der Stadtkapelle Mindelheim den Taktstock. 55 Jahre stand er beim Liederkranz Ettringen am Dirigentenpult und war von 1965 bis 1985 Vizepräsident im ASM-Bezirk 10. Bis heute bläst Mühlbauer noch Trompete bei diversen Musikgruppen, seit zwölf Jahren im Bezirks-Oldie-Blasorchester (BOBO). „Musik war und ist halt meine ganz große Liebe“ verriet der Jubilar.

Zu seinen Ehren und als kleines Dankeschön spielten und sangen Musiker und Gäste gemeinsam das Lied „Egerland – Heimatland“ und weckten damit bei dem betagten Musiker Erinnerungen an dessen Jugendzeit.

Mit der Bayernhymne und dem Deutschlandlied stimmte die Stammkapelle auf die „Olympiade der Blasmusik“ ein, wofür Ehrenmitglieder Alois Rauscher und Stefan Britzelmayr die Schirmherrschaft übernommen haben.

Lesen Sie dazu auch: Rammingen feiert die Blasmusik

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren