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Bad Wörishofen

18.09.2020

Wer zielte  in Bad Wörishofen mit einem Laser auf Kampfjets?

Zwei Eurofighter waren auf dem Weg nach Neuburg an der Donau, als eines der Flugzeuge über Bad Wörishofen von einem Laserstrahl erfasst wurde.
Bild: Xaver Habermeier

Plus Nach dem Zwischenfall über Bad Wörishofen ermittelt die Kripo. Was genau passiert ist, erklärt nun ein Sprecher der Luftwaffe.

Wer mit Laserpointern auf Fahrzeuge oder Flugzeuge zielt, macht sich strafbar. Ein Vorfall in – besser: über – Bad Wörishofen hat für den Täter deshalb womöglich drastische Folgen – so er denn gefasst wird. Nachdem ein Eurofighter der Bundeswehr über Bad Wörishofen von einem Laserstrahl erfasst wurde, laufen die Ermittlungen der Polizei, jetzt übernimmt die Kripo die Angelegenheit. Der Zwischenfall hat für einiges Aufsehen gesorgt. Im Raum steht auch die Frage, wie ein so schnelles Flugzeug mit eigentlich nicht öffentlich bekannter Flugroute überhaupt von einem Laserstrahl getroffen werden kann.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe unserer Redaktion auf Nachfrage nun sagte, waren an dem fraglichen Tag, dem 10. September, zwei Eurofighter im Formationsflug über Bad Wörishofen unterwegs. Die Polizei teilte später mit, dass ein Pilot von einem grünfarbigen Laserpointer „vom Boden aus zweimal gezielt geblendet“ worden sei. Der Zwischenfall ereignete sich gegen 21 Uhr. Die Bundeswehr hatte ihn am vergangenen Freitag der Polizei in Neuburg gemeldet, wo die Kampfjets stationiert sind.

Bemerkt hatte den Laserstrahl der Flügelmann

Der Sprecher der Luftwaffe sagte unserer Redaktion, der Pilot des anderen Kampfjets habe bemerkt, dass der Eurofighter an seiner Seite vom Boden aus mit einem Laser angestrahlt wurde. Zu diesem Zeitpunkt seien die Kampfflugzeuge in etwa 1300 Metern Flughöhe über das Gewerbegebiet von Bad Wörishofen geflogen. Wie schnell die Eurofighter dabei waren, konnte der Sprecher nicht sagen.

Von zwei gezielten Blendungen, spricht die Polizei in ihrem Bericht. Es habe aber „keine „Blendung ins Auge“ gegeben, teilt der Luftwaffen-Sprecher mit.

Die Reichweite von Laserpointern ist manchmal beträchtlich

Einen Kampfjet auch in großer Höhe mit einem Laser zu erreichen, sei kein Problem, sagt der Luftwaffen-Sprecher. Es gebe leistungsstarke Laser, die sogar Reichweiten von 80 Kilometern erzielen. Diese Geräte dürfe man in Deutschland zwar eigentlich nicht benutzen. Kaufen und ins Land bringen dürfe man sie jedoch schon, berichtet der Sprecher.

Dass es sich bei dem Vorfall keinesfalls um ein Kavaliersdelikt handele, betont der Sprecher ebenfalls. „Es ist ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr.“ Dieser sei über Bad Wörishofen zum Glück ohne Folgen geblieben. Die beiden Besatzungsmitglieder des Eurofighters hätten den Nachtflug ohne Probleme beenden und planmäßig in Neuburg landen können. Die Polizei spricht von einer „schwerwiegenden und lebensgefährlichen Tathandlung“ und ermittelt gegen Unbekannt. Wie das Polizeipräsidium in Kempten auf Nachfrage mitteilte, wird nun die Kripo Kaufbeuren mit den Nachforschungen betraut. Der Zeugenaufruf der Polizei habe bislang keinen Hinweis auf den Verursacher erbracht.

Hunderte Zwischenfälle mit Laserpointern im deutschen Luftverkehr

Der Täter müsse unter Umständen mit einer Haftstrafe rechnen. Die möglichen Straftatbestände „sehen jeweils eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren vor“, berichtet der Luftwaffen-Sprecher.

Die Umstände des Vorfalls über Bad Wörishofen würden derzeit noch geprüft. Er war längst kein Einzelfall. Allein im Jahr 2017 habe die Deutsche Flugsicherung rund ein Dutzend Zwischenfälle mit Laserpointern innerhalb der Luftwaffe erfasst, berichtet der Sprecher. „429 solcher Angriffe“ (Luftwaffe) seien es im gleichen Jahr insgesamt im deutschen Luftverkehr gewesen.

Die Piloten wissen, was dann zu tun ist. „Nach einem erfolgten Angriff durch Laserpointer meldet der Pilot das Vorkommnis an den zuständigen Flugsicherheitsoffizier und unterzieht sich unmittelbar einer augenärztlichen Untersuchung“, erklärt der Luftwaffen-Sprecher das Prozedere.

Man schule die Piloten regelmäßig, damit sie sich bei einer Blendung durch einen Laserpointer richtig verhalten.

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