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Landkreis Neu-Ulm

23.07.2019

Bekommen die alten Kelten eine neue Heimat in Senden?

Die seit Jahren leer stehende alte Post in Senden könnte einmal die archäologische Sammlung des Landkreises beherbergen.
Bild: Alexander Kaya

Im leer stehenden Sendener Postgebäude könnte die archäologische Sammlung des Kreises Platz finden

Im alten Sendener Postgebäude geht schon länger nichts mehr ab. Vielleicht könnten die Räume in der Ortsstraße bald wieder belebt werden, wenn dort das neue Museum des Landkreises einzieht, das sich diesmal den Kelten widmet. Dieses Zentrum für die graue Vorzeit des Landkreises ist allerdings noch Zukunftsmusik. Ob solch eine Schau überhaupt finanziert und zu einigermaßen erträglichen Kosten betrieben werden kann, muss sich erst noch herausstellen. Zumindest ein erster Schritt ist gemacht, denn der Kreis hat in seiner jüngsten Sitzung entschieden, eine entsprechende Studie zu erstellen.

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Die Odyssee der archäologischen Sammlung

Immerhin könnte das die Odyssee der kreiseigenen archäologischen Sammlung beenden, die seit elf Jahren, größtenteils in Kisten verpackt, darauf wartet, wieder ans Licht geholt und gezeigt zu werden. Im Juli 2008 war sie ins Depot gewandert, weil die Stadt Neu-Ulm die Räume am Petrusplatz, wo die Exponate bis dahin zu sehen waren, für das Edwin-Scharff-Museum benötigte. Seither lagerten die Stücke in der alten Fachhochschule. Doch auch da standen sie irgendwann im Weg: Die Stadt forderte den Landkreis auf, das Depot bis Anfang Juli zu räumen, weil die Räume übergangsweise für die Bücherei benötigt werden. Und so kamen die Relikte aus der Vorzeit erst mal in die Förderschule nach Weißenhorn. Wie lange sie dort bleiben, ist höchst ungewiss, denn erst einmal soll die Machbarkeitsstudie vorliegen, danach will der Kreistag weitersehen.

Im alten Postamt Senden wird es wohl billiger

Schließlich ist alles auch eine Frage des Geldes. Es gab schon viele Ideen, wo die Sammlung unterkommen könnte – etwa in der alten Klosterbrauerei in Elchingen, der alten Weberei in Senden, in Roggenburg, in Weißenhorn oder im alten Landratsamt in Illertissen. Das stellte sich alles als zu teuer heraus, denn allein um das Museum einzurichten, wären zwischen 3,9 und 5,2 Millionen Euro nötig gewesen, gefolgt von Betriebskosten zwischen 135000 und 230000 Euro pro Jahr.

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Die Sendener Lösung scheint nach den bisherigen Schätzungen billiger zu kommen. Um die Räume aus dem Jahr 1978, die der Firma Möbel Inhofer Wohnbau gehören, entsprechend herzurichten und die Sammlung vernünftig zu präsentieren, wären wohl 1,8 Millionen Euro nötig. Hinzu kämen die jährlichen Betriebskosten, denn neben dem obligatorischen Kassen- und Aufsichtspersonal wird noch die Anstellung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters in Vollzeit für nötig erachtet.

Genug Platz in der alten Post

Der alte Postbau bietet offenbar Platz genug, dort könnte die Sammlung auf rund 500 Quadratmetern präsentiert werden. Was sie zeigen soll, steht bereits fest, der Kreisarchäologe Richard Ambs hat ein entsprechendes Konzept skizziert. Im Mittelpunkt werden die Bronzezeit und die Kelten stehen, von denen sich im Landkreis etliche Hinterlassenschaften finden ließen. Aber auch die Umwelt kommt zum Zuge, denn bei der Metallverarbeitung, der sich die Ausstellung intensiv widmet, nahm die Natur etwa durch Abholzung schon vor zweieinhalb Tausend Jahren Schaden.

Der Kreistag war einverstanden mit dem Ausstellungsschwerpunkt. Nun soll weiter geprüft werden, ob sich das Gebäude dafür eignet. Wenn die entsprechende Machbarkeitsstudie vorliegt, entscheidet der zuständige Ausschuss darüber. Für Landrat Thorsten Freudenberger steht fest: „Museen können erfolgreich sein, wenn man sie g’scheit macht“.


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