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19.07.2010

Ein Spaziergang durch die Zeit

Belebte Altstadt: Die Eröffnung lockte rund 100 Bürger zum Museum.
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Belebte Altstadt: Die Eröffnung lockte rund 100 Bürger zum Museum.

Weißenhorn Draußen acht Tafeln, drinnen 20 große Gesichter: Im Heimatmuseum sind am Freitagabend zwei Ausstellungen zum Geburtstag der Fuggerstadt eröffnet worden. Die "Stadtgeschichte(n)" bieten einen Rundgang durch die Altstadt und informieren mit acht Stelen über die jahrhundertealte Geschichte. Im Museum ist nun die Ausstellung "850 Jahre Heimat" zu sehen. 20 Weißenhorner Bürger ließen sich interviewen - und überlebensgroß fotografieren.

Vor ihrem Spaziergang durch die Zeit bekamen die rund 100 Besucher vor dem Heimatmuseum Fetziges aus dem Hause Fugger zu hören. Rudolf Keller aus Illerzell zupfte Pop von 1562 auf der Gitarre. Oktavian Sekundus Fugger hatte die Songs seinerzeit in Bologna gehört und die Noten eifrig in sein Büchlein notiert. So brachte der 13-Jährige damals angesagte Tanzmelodien aus Italien in die Heimat mit.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt lobte die Doppelausstellung als "Juwel" in der langen Reihe von Veranstaltungen zum Jubiläum. Er empfahl den Besuchern, sich Zeit und Muße zu nehmen und die Stelen in der Altstadt einmal in Ruhe abzulaufen. Museumsleiter Wolfgang Ott führte in die Ausstellung zur Heimat ein: 20 Weißenhorner hatten ihre Heimatgefühle beschrieben, mal nachdenklich, mal ironisch. Fotograf Martin Ebert aus Vöhringen lichtete die Interviewten ab. Nun sind Bilder und Texte im Museum zu sehen. Die Persönlichkeiten der Einzelnen seien "wunderbar getroffen" worden, freute sich Ott.

Anekdoten von damals

Ein Spaziergang durch die Zeit

Im vergangenen Jahr haben sich sieben Schüler mit Lehrerin Monika Göbel in einem Praxis-Seminar mit der Geschichte der Fuggerstadt beschäftigt. Sie erarbeiteten acht Stelen zu spannenden Zeiten. Jede Tafel besitzt drei Seiten, sie informieren erstens über Weißenhorner Geschichte, ordnen die Ereignisse zweitens in das weltweite Geschehen ein und bieten auf der dritten Seite historischen Lesestoff in Form einer Anekdote aus der damaligen Zeit. Die Schüler nahmen die Besucher zu einem Rundgang durch die Altstadt mit.

Schülerin Ramona Jehle empfing die Spaziergänger auf dem Kirchplatz am Eingang zu den Schlössern. Sie hat das Adelsgeschlecht der Neuffen erforscht: "Ihr Wappen zeigt drei Hörner und sieht damit dem Weißenhorner sehr ähnlich." Ein paar Meter schilderte Miriam Stetter die Geschichte des Fuggerschlosses und wie die reichen Augsburger Kaufleute adelig wurden.

An der Heilig-Geist-Kirche befand sich einst ein Krankenhaus: Christine Schwering erklärte die Funktion des ehemaligen Spitals als Zufluchtsort für Alte und Waisenkinder. Vor der Stadthalle berichtete Timo Tahedl über das Schicksal der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Für den Schüler ein Stück Familiengeschichte: "Meine Großeltern waren betroffen." An der Memminger Straße erläuterte Daniela Fetzer die Gründerzeit der Fuggerstadt. Für ihr Projekt musste die junge Frau in vielen Geschichtsbüchern schmökern - mit großem Spaß: "Ich bin fasziniert vom Mittelalter." Lehrerin Monika Göbel stellte in der Josef-Holl-Straße ihre Stele zum Dreißigjährigen Krieg vor: "Es herrschten Not und Elend. Die Menschen hatten ihren Glauben verloren." Fabian Unglert schilderte den Einsturz der Stadtpfarrkirche im Jahr 1859 und wie ein Maurermeister einen Großteil der Messebesucher in letzter Sekunde vor die Tür komplimentierte: "Ein richtiger Held." Am Oberen Tor entführte Markus Held in die Zeit der Bauernkriege, für den Schüler ein interessantes Thema: "Menschen in sozial schwachen Positionen lehnten sich gegen die Obrigkeit auf."

Im Herbst werden die Schüler ihre Texte für Audioguides, einen Stadtrundgang zum Anhören, einsprechen.

Bei uns im Internet

Viele Fotos vom Rundgang durch die Geschichte finden Sie unter:

www.nuz.de/lokales

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