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Straße

22.07.2011

Mehr Unfälle durch Raser

Die Verkehrsexperten Erich Sailer und Hanspeter Albrecht (von rechts) beim Selbstversuch an der „Taverne“-Kreuzung in Pfaffenhofen.  Fotos: Philipp Schröders
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Die Verkehrsexperten Erich Sailer und Hanspeter Albrecht (von rechts) beim Selbstversuch an der „Taverne“-Kreuzung in Pfaffenhofen. Fotos: Philipp Schröders

Verkehrsexperten mahnen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Zahlreiche Verletzte

Landkreis Vier Menschen kamen 2010 bei Verkehrsunfällen im Landkreis Neu-Ulm aufgrund überhöhter Geschwindigkeit ums Leben. 123 wurden verletzt. Im Vergleich zu 2009 sind die Unfallzahlen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen – von 282 auf 379. 2011 ist zwar ein leichter Rückgang zu erkennen, aber die Verkehrsexperten aus dem Landkreis appellieren nun an die Bürger, in Gefahrenzonen vom Gas runterzugehen, um diesen Trend nicht einbrechen zu lassen.

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Hanspeter Albrecht, Fahrschullehrer und Vorsitzender der Verkehrswacht Neu-Ulm, sagt: „Die Autofahrer denken immer, wenn 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, dann fahre ich auch 50. Dabei gilt die zugelassene Höchstgeschwindigkeit nur unter guten Voraussetzungen.“ Schlechte Sicht durch Regen, ein Kindergarten in der Nähe oder eine scharfe Kurve – alles Gründe, um die Geschwindigkeit lieber zu drosseln.

Feingefühl für schwächere Verkehrsteilnehmer vermisst

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Wolfgang Jehle von der Polizeiinspektion Neu-Ulm vermisst bei manchen Autofahrern das Feingefühl für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Kinder und Ältere. Zusammen mit Erich Sailer, Leiter der Fachbehörde Verkehr im Landratsamt Neu-Ulm, möchten die beiden Verkehrsexperten daher auf bestimmte Gefahrenzonen hinweisen. „Ein Problem sind Bereiche, wo Kinder erfahrungsgemäß häufig auf die Fahrbahn laufen“, sagt Sailer. In Holzheim auf der Neuhauser Straße, kurz vor der Kurve an der Kirchstraße hat das Landratsamt daher ein „Achtung-Kinder“-Schild aufstellen lassen. Vielen Autofahrern sei allerdings nicht mehr bewusst, welche Bedeutung die zwei kleinen Strichmännchen in dem roten Dreieck haben. Sailer sagt: „Man muss hier jederzeit bremsbereit sein.“ Wer in der Nähe der Grund- und Hauptschule Holzheim eine Person anfährt, wird härter bestraft als in einer regulären Tempo-50-Zone.

Auch Fußgängerüberwege, im Volksmund meist „Zebrastreifen“ genannt, werden oft missachtet. Wenn ein Fußgänger die Fahrbahn an dieser markierten Stelle überqueren will, dann muss der Autofahrer halten. „Wir haben allerdings schon erlebt, dass wartende Autos sogar überholt werden“, sagt Polizist Jehle. Das bayerische Verkehrsministerium hat nun alle Landratsämter dazu verpflichtet, möglichst viele freiwillige Helfer – Schülerlotsen – an Fußgängerüberwegen einzusetzen. In Pfaffenhofen funktioniert das System laut Sailer bereits gut. Hier sind 22 Helfer im Einsatz, um die Schüler unter anderem über den Zebrastreifen auf der Hermann–Köhl-Straße zu geleiten.

„Zum Glück passiert hier nur selten etwas“

Ein Bereich, in dem Autofahrer ganz besondere Vorsicht walten lassen müssen, sind verkehrsberuhigte Zonen, sogenannte „Spielstraßen“, wie in Attenhofen auf der Kreuzackerstraße. „Zum Glück passiert hier nur selten etwas“, sagt Jehle. Viele missachten jedoch, dass Kinder in diesem Bereich absoluten Vorrang haben und überall, auch mitten auf der Straße, spielen dürfen. Für Autofahrer gilt daher Schrittgeschwindigkeit – bis sieben Stundenkilometer. Ein durchaus umstrittenes Thema sind Ortseinfahrten. Immer wieder wird die Polizei dafür kritisiert, dass sie vermehrt blitzt, wenn die Geschwindigkeit plötzlich von 100 auf 50 Stundenkilometer gedrosselt werden muss.

Zum Beispiel an der Ortseinfahrt nach Weißenhorn auf der Ulmer Straße steht oft die Verkehrsüberwachung, wie Jehle bestätigt. Das habe aber nichts mit „Abzocke“ zu tun. „Geldverdienen spielt bei der Verkehrsüberwachung keine Rolle. Wir gehen gegen Geschwindigkeitsübertretungen vor, weil sie die häufigste Ursache für einen Verkehrsunfall sind.“ Wenn irgendwo ein Unfall geschehe, dann werde dort verstärkt kontrolliert. „Oft messen wir sogar auf Wunsch der Bürger. Jede Woche bekommen wir solche Anrufe.“

Ganz einig sind sich die Verkehrsexperten jedoch nicht. Auch Albrecht bemängelt, dass manche Ortseinfahrten aufgrund der Bebauung nicht direkt erkennbar seien. „In Illerberg haben wir dieses Problem.“ Sailer sagt, dass die Mitarbeiter des Landratsamts sorgsam darauf achten, wo sie die Ortstafeln aufstellen. „Es muss sich innerörtlicher Verkehr abspielen.“

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