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Ulm

20.03.2019

Trotz Übernachtungsrekord: Immer mehr Hotelbetten bleiben leer

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Eines von vielen neuen Hotelbetten in Ulm, um Ulm und um Ulm herum: Das Leonardo-Hotel im Dichterviertel eröffnete Ende 2018. Dahinter steckt eine Kette aus Israel, die über 190 Hotels in Europa betreibt.

Nie waren es mehr: 900000 Übernachtungen zählten die Hotels der Region im vergangenen Jahr. Allerdings gibt es auch so viele Betriebe wie noch nie.

Es ist der neunte Rekord in Folge: Exakt 918876 Übernachtungen zählte die Ulm/Neu-Ulm Touristik (UNT) im vergangenen Jahr. Damit wurde in Ulm, dem Kreis Neu-Ulm und dem Alb-Donau-Kreis erstmals die 900000er-Marke übertroffen, wie Wolfgang Dieterich, der Geschäftsführer der UNT, bei der alljährlichen Pressekonferenz sagte. Beachtlich ist auch die Steigerung im langfristigen Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Übernachtungen um knapp 84 Prozent.

Was den Hotel-Markt angeht, sieht die UNT allerdings erste Sättigungstendenzen. Die Bettenbelegungsquote sank erstmals seit drei Jahren wieder: Nur 46,8 Prozent aller Betten waren im vergangenen Jahr im Schnitt belegt. Damit liege Ulm unter einem Schnitt von 50 Prozent, wie er in vergleichbaren Städten wie Freiburg oder Heidelberg erreicht werde. Allerdings wurden im vergangenen Jahr in der Region auch rekordverdächtig viele neue Hotels gebaut. Die Zahl der Hotelbetten knackte mit 5535 erstmals die 5000er-Marke. Zum Vergleich: 2008 gab es in der Region nur 3554 Hotelbetten. Insbesondere große Hotelketten hätten die Möglichkeiten der Region erkannt und in großem Stil rund um das Münster Hotels eröffnet. In jüngster Zeit entstanden in Ulm/Neu-Ulm zwei B&B-Hotels und ein Leonardo. Im April eröffnet in der Sterngasse das „Boutique 005“-Hotel, das zur Centro-Gruppe gehört. Auch das Stern-Hotel beim Hacker-Pschorr-Wirtshaus kooperiert neuerdings mit dieser Kette.

Inhabergeführte Hotels haben es gegen Ketten schwer

„Die Ketten wollen auf Teufel komm’ raus ihre Stecknadeln auf die Landkarte setzen“, sagt Dieterich. Inhabergeführte Hotels hätten es gegen von Investmentfonds gestützte Filialisten und ihre „aggressiven Expansionspläne“ immer schwerer. Und „zu meinem Schrecken“, wie es Dieterich ausdrückte, kommen weitere Hotels in die Region: In Nersingen an der A7 entstehe etwa ein Hotel, ein weiteres in der Ulmer Kässbohrerstraße und auch in Neu-Ulm, an der Reuttier Straße zwischen Bahntrog und Bahnhofstraße, will – wie berichtet – ein Investor ein Hotel bauen. Damit nicht genug: Gegenüber dem Ulmer Hauptbahnhof am Bahnhofsplatz ist das „Me and All Hotel“ im Bau. Das Vier-Sterne-Hotel soll über 141 Doppelzimmer mit einer durchschnittlichen Größe von 20 Quadratmetern verteilt auf sieben Etagen verfügen. Unterm Strich rechnet Dieterich mit 500 zusätzlichen Betten bis 2020, sodass das Knacken der Million-Marke bei den Übernachtungen nur eine Frage der Zeit sei.

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Bei aller Sorge über ein zu großes Hotel-Angebot in der Region sieht Dieterich allerdings auch die großen Chancen der Doppelstadt. Wenn die Neubaustrecke plus „Stuttgart 21“ möglicherweise 2025 Ulm mit der Landeshauptstadt verbindet, könnten sich die Investitionen in die Hotels spätestens als goldrichtig erweisen. „Dann wird Ulm plötzlich interessant für Großveranstaltungen wie den Deutschen Ärztetag“, sagt Dieterich. Gerade kleinen Hotels will die UNT künftig mit einem Onlineportal-Dienstleister (Lohoso) unter die Arme greifen. Mit einem einzigen Eintrag werden die Unterkünfte so auf vielen namhaften Onlineportalen wie booking.com buchbar.

Einen Schub erwartet sich Dirk Homburg, Leiter Kommunikation bei der UNT, zudem durch das Marketing-Konzept der „Zweilandstadt“, das mit der Grenzsituation Bayern/Baden-Württemberg spielt. Zwei Jahre nach der Einführung und dem Fokus auf die lokale Einführung des Tourismus-Fonds werde nun der Schwerpunkt auf Außenwerbung gesetzt. Je weiter man sich von Ulm/Neu-Ulm entferne, umso größeren Reiz strahle die Donau als Grenze aus.

Die meisten Besucher kommen aus der Schweiz und den Niederlanden

75 Prozent der Übernachtungsgäste seien aus geschäftlichen Gründen in der Region. Was bleibt, sind 25 Prozent, die aus privatem Antrieb hier sind. Die meisten Übernachtungen aus dem Ausland in der Region gehen auf die Schweizer zurück (28577). Es folgen Übernachtungen von Niederländern (27120) und Italienern (19913). Die meisten Übernachtungen von Überseegästen (insgesamt Rang sechs) haben die US-Amerikaner (12927) auf dem Konto. Stark gewachsen ist der spanische Markt mit einem Plus von 12,3 Prozent auf 8621 Übernachtungen. „Vor allem in den Sommermonaten gehen Spanier sehr gerne nach Deutschland“, sagt Dieterich. „Die finden es ganz aufregend, wie grün die Region auch im August ist.“

Die Zahl der Gruppenführungen sei mit 3511 auf hohem Niveau leicht gesunken. Viel Wachstumspotenzial sieht die UNT hier ohnehin nicht – mit der Ausnahme, dass mit Chinesisch und Usbekisch bald neue Sprachen hinzukommen. Ein Hauch von „Overtourism“ gebe es auch in Ulm: Gerade an den Wochenenden müsse eher daran gearbeitet werden, die schiere Masse besser zu kanalisieren. Denn bis zu 20 Gruppen gleichzeitig im Münster sind selbst einem Touristikprofi zu viel.

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