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05.01.2011

Von der Krise zum Boom - und wieder zurück

Von der Krise zum Boom - und wieder zurück
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Übernahme: Gardena, der Ulmer Traditionshersteller von Gartengeräten, wurde 2002 von einer schwedischen Investorengruppe übernommen, seit 2007 ist er ein Teil des ebenfalls schwedischen Husqvarna-Konzerns. Fotos: Brücken, Archiv (3)

Was ist ein Jahrzehnt? Für die meisten Menschen ist die Zeit von 2000 bis 2010 ein Jahrzehnt - auch wenn das tatsächlich elf Jahre sind. Die "Nuller-Jahre" (2000 bis 2009) sind schon vorbei. Das Jahrzehnt im geschichtlichen Sinn (2001 bis 2010) geht jetzt zu Ende. Sicher ist: In dieser Zeit ist viel passiert in der Region. Die NUZ blickt in den kommenden Tagen zurück auf das, was vor Ihrer Haustür passiert ist. Heute werfen wir einen Blick auf die Schlagzeilen der Wirtschaftsseiten.

Neu-Ulm Umbrüche, Übernahmen, Insolvenzen - aber auch Erfolge: Das vergangene Jahrzehnt war für die Wirtschaft nicht nur in der Region wechselvoll. Und doch steht der Raum Ulm/Neu-Ulm heute nach wie vor so gut da wie nur wenige.

Krise war auch schon vor zehn Jahren das große Thema. Praktisch in jedem Wirtschaftsbereich ging es im Jahr 2001 im Landkreis Neu-Ulm und in Ulm nur in eine Richtung: bergab. Die Parallele zur Krise 2010: Stark zu leiden hatte insbesondere das in der Region Ulm/Neu-Ulm besonders starke Nutzfahrzeuggeschäft.

"New Economy" heißt ein Schlagwort des Jahres, das heute völlig in Vergessenheit geraten ist. Genauso wie die Firma "Openshop". Thomas Egner, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der Neu-Ulmer Openshop AG kam bei einem Flugzeugabsturz im Landeanflug auf Augsburg ums Leben. Ein Jahr später wurde Openshop als einstiger Star am Börsenhimmel vom Ulmer Softwarehaus Wilken gekauft.

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2002

Gardena, der Ulmer Gartengerätehersteller, wurde schwedisch: Eigentümer der Stammaktien von Gardena wurde die Investorengruppe "Industri Kapital", die sich von Anfang an für den langfristigen Erhalt der weltweit rund 3000 Arbeitsplätze (in Ulm befinden sich mehr als die Hälfte davon) aussprach. Auch die Gegenwart ist schwedisch: Nach der Übernahme 2007 durch den Husqvarna-Konzern wird Ulm sogar Europasitz der schwedischen Mutter.

Ein schwieriges Jahr für Kögel. Der Verlust wird auf bis zu 20 Millionen Euro beziffert.

2003

Ikea wird neuer Ankermieter der Einkaufsmeile Blaubeurer Straße. 20 000 Kunden kamen zur Eröffnung der neuen Ikea-Filiale. Inhofer "nimmt den Kampf an", wie damals geschrieben wurde. Und das mit Erfolg, wie wir heute wissen. Während Ikea als Vertreter einer neuen Warenwelt nach Ulm kam, drohte ein Traditionsunternehmen zu verschwinden: Abt. Doch die Zukunft des insolventen Traditionshauses Abt am Ulmer Münsterplatz wurde gesichert: Der Günzburger Unternehmer Hermann Hutter und eine Investorengruppe übernahmen im Sommer des Jahres das Haushaltswaren-Fachgeschäft.

2004

Kögel in Ulm gibt es nicht mehr. 154 Menschen verloren insgesamt im Zuge der Insolvenz des Ulmer Nutzfahrzeugbauers Kögel ihren Arbeitsplatz. Vor allem den Standort Ulm traf es hart: 108 Stellen wurden dort gestrichen. Im vergangenen Jahr wurde auch der letzte Rest von Kögel in Ulm Geschichte: Kögel-Teile "Made in Ulm". Das war einmal. Der Bereich Teilefertigung von Kögel im Ulmer Donautal wurde zum 1. Februar geschlossen.

2005

Rund sieben Millionen Euro investiert die Raiffeisenbank Neu-Ulm/Weißenhorn in den Bau ihrer neuen Hauptstelle zwischen Herzog-Georg- und Herzog-Ludwig-Straße in Weißenhorn. Einzugstermin war im Herbst 2007.

Ein Rettungsanker, der keiner war: Die Grosse Jac Webereimaschinen GmbH wurde an die chinesische Textilgruppe Qingdao Hisun Garment Group verkauft. Grosse hatte im Oktober 2001 Insolvenz angemeldet. Seit diesem Zeitpunkt führte Insolvenzverwalter Michael Pluta den ehemaligen Weltmarktführer bei Jacquardmaschinen fort. Doch der Verkauf an die Chinesen brachte dem Standort letztlich den Ausverkauf: Mitte des Jahres 2009 wurde die letzte Jacquard-Webmaschine in Burlafingen gefertigt. Die Reste des Traditionsunternehmens kamen unter den Hammer.

2006

Einer der größten Arbeitgeber der Region trennte sich im WM-Jahr von Mitarbeitern. Freude im April, Verzweiflung im Mai. Binnen eines Monats sorgte das Neu-Ulmer Evobus-Werk für Schlagzeilen der zuversichtlichsten und der schlimmsten Art: Im April wurde der Spatenstich für das neue, 47 Millionen Euro teure Ersatzteil-Logistikzentrum in Schwaighofen gefeiert, im Mai hieß es, dass 500 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Wenige Jahre später rollt EvoBus aber gänzlich ohne Kurzarbeit durch die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise.

Aus für Tiscon in Neu-Ulm: Der damals neue Besitzer, die Arques Industries AG, beendete das IT-Geschäft und setzte die zuletzt verbliebenen 44 Mitarbeiter vor die Tür.

Auch Emag schloss den Standort Neu-Ulm mit 134 Mitarbeitern. Damit ging die Ära eines traditionsreichen Maschinenbauers zu Ende.

2007

Aus zwei mach eins: Die Ulmer Volksbank fusionierte mit der Volksbank Biberach. Das Ziel der Fusion der beiden Volksbanken, die zusammen eine Bilanzsumme von über zwei Milliarden Euro aufweisen, war klar: Stärkung der Marktposition. Wirtschaftliche Erfolgsmeldungen bestimmten das Jahr: Wieland, Bosch-Rexroth und Hilti investierten und schafften neue Arbeitsplätze.

Die Iveco Magirus AG verlegte die Drehleiterfertigung komplett ins Donautal und EvoBus eröffnete das neue Kundencenter in Schwaighofen.

2008

Das Jahr vor der Krise sorgt für viele positive Schlagzeilen. 500 neue Jobs bei Nokia in Ulm, Peri, weltweit größter Schalungs- und Gerüstbauer, investiert 50 Millionen Euro in den Standort, Rekordjahr für EvoBus - doch der Abwärtstrend wird bereits spürbar. So brachte die Kostenexplosion am Rohölmarkt den Ulmer Schmierölspezialisten Liqui Moly in (längst gemeisterte) Schwierigkeiten, Ende Juni verkündete der Nutzfahrzeugbauer Iveco, die Trennung von allen 350 Leiharbeitern und 530 Arbeiter bangten bei Bosch Rexroth um ihre Jobs.

Das Jahr begann mit einer Tragödie. Unternehmer Adolf Merckle brachte sich um. Der Multimilliardär wählt am frühen Abend des 5. Januars den Freitod. "Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet", heißt es in einer kurzen Erklärung der Familie.

Die Wirtschaftskrise schlägt voll zu: Für viele Betriebe in der Region stand das Jahr ganz im Zeichen der Kurzarbeit. Schon im Januar sind nach Auskunft der Neu-Ulmer Außenstelle der Agentur für Arbeit 20 Betriebe und insgesamt 1300 Mitarbeiter betroffen.

Der Halbleiterhersteller Lamitec geht pleite. Die Staatsanwaltschaft ermittelt letztlich ergebnislos wegen Insolvenzverschleppung.

Israelis kaufen Ratiopharm. Die profitable Perle des einstigen Merckle-Imperiums geht an Teva. Der israelische Konzern zahlte rund 3,625 Milliarden Euro für den Ulmer Generikahersteller. Dass so etwas eigentlich nie ohne Jobabbau funktioniert, zeigte auch dieser Fall: 150 Stellen werden wahrscheinlich in Ulm wegfallen. Schock für die Mitarbeiter des Nersinger Maschinenbau-Unternehmens Maka im März: Die Traditionsfirma meldete Insolvenz an, nachdem sie bereits in den Vormonaten durch Auftragseinbrüche schwer gebeutelt wurde.

Ein Verkauf von Maka gelingt dennoch: Den Zuschlag bekam schließlich im Juni die Investorengesellschaft Prolimity. Wermutstropfen: Rund ein Drittel der rund 180 Mitarbeiter verlor den Job.

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