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Weißenhorn

06.02.2019

Weißenhorns Bürgermeister Fendt: Ich teile die Ängste zum AKW-Abfall

Der Streitpunkt: ein Sack mit Material aus dem AKW.
Bild: Andreas Brücken

Der Weißenhorner Bürgermeister ist immer noch verärgert darüber, wie das Thema Gundremminger Abfall behandelt wird.

Der Zorn von Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt ist nicht verraucht, im Gegenteil. Er fühlt sich immer noch nicht richtig informiert, wie er in der jüngsten Stadtratssitzung sagte. Und er zweifelt daran, dass der freigemessene Abfall aus Gundremmingen wirklich so harmlos ist, wie es Vertreter des Kernkraftwerks und des Landesamtes für Umwelt am Montag vor der Presse dargestellt hatten.

Der Leiter des Kreisabfallwirtschaftbetriebes, Thomas Moritz, hatte am Montag öffentlich erklärt, vor dem Vertragsabschluss mit Günzburg habe er bei der Regierung von Schwaben nachgefragt, ob es zulässig sei, das freigemessene Material in Weißenhorn zu verbrennen. Dort bekam er die Auskunft, dass es sich nicht um radioaktive Abfälle handle, es könnte also mit Haus- und Gewerbemüll zusammen entsorgt werden. Aber offenbar sei anderen nicht klar gewesen, dass auch Material aus Gundremmingen in der Feuerung landen würde. Wie Fendt gegenüber unserer Redaktion sagte, kenne er keinen Kreisrat, der über das Thema Bescheid wusste. Auch als Bürgermeister von Weißenhorn sei er nicht informiert worden: „Zu keinem Zeitpunkt wurde da etwas mitgeteilt.“ Er beklagt „mangelnde Transparenz“.

Die Gundremminger Abfälle treiben die Weißenhorner um

Das Thema Gundremminger Abfall treibt die Menschen in seiner Stadt um. Es gebe kein einziges Gespräch, das er in jüngster Zeit geführt habe, bei dem das nicht angesprochen wurde, und: „Ich kann die Ängste der Bürger teilen.“ Er verstehe einfach nicht, warum über das freigemessene Material nicht früher informiert worden sei. Das stärke nicht gerade das Vertrauen in die Politik. Wie berichtet, hat Landrat Thorsten Freudenberger vorerst die Lieferungen aus Gundremmingen nach Weißenhorn untersagt. Fendt wäre es am liebsten, wenn diese Übergangsregelung zum Dauerzustand würde. Er fordert Nachverhandlungen mit dem Landkreis Günzburg. Das Ziel: Freigemessenes Material solle nicht mehr nach Weißenhorn gelangen. Ganz allgemein bedauert er, dass bei der Behandlung des Themas die nötige Sensibilität gegenüber den Bürgern gefehlt habe.

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Die Ulmer Ärzteinitiative warnt vor einer Belastung

Interessant findet Fendt, was die atomkritische Ulmer Ärzteinitiative zu der Angelegenheit zu sagen hat. Die hält das Wort „Freimessung“ für eine Verharmlosung, denn das sei eine fragwürdige Methode, „mit der radioaktives Material abgetrennt und lediglich anders verteilt wird“. In einer Mitteilung der Initiative heißt es wörtlich: „Es gibt keinen unteren Strahlengrenzwert, unter dem eine radioaktive Belastung als wirkungslos bezeichnet werden kann. Jede weitere Strahlenbelastung und auch viele kleine weitere zusätzliche Belastungen rufen bei Mensch, Tier und Pflanze weitere Folgen hervor, die sich im Laufe der Jahre summieren.“ Die Initiative fordert den „sicheren Einschluss“ des Materials im Kernkraftwerk.

Die Vorgeschichte zu diesem Thema lesen Sie hier:

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