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Neu-Ulm

12.06.2019

Wie sicher ist Neu-Ulm? Jetzt spricht die Polizei

Auch das Bahnhofsumfeld zählt zu möglichen Kriminalitätsbrennpunkten in Neu-Ulm. Die Polizei betont jedoch: Man sollte den Blick lieber auf den gesamten Bereich der Inspektion lenken.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Plus Nachdem OB Noerenberg alarmierende Zahlen vorgelegt hat, meldet sich nun die Polizei zu Wort und betont: Es geht um mehr als nur um zusätzliche Einsatzkräfte.

Wie ist es um die Sicherheit der Stadt Neu-Ulm wirklich bestellt? Nachdem Oberbürgermeister Gerold Noerenberg jüngst alarmierende Zahlen vorgelegt hat, meldet sich nun die Polizei zu Wort. Die Beamten betonen: Man solle nicht nur die möglichen Kriminalitätsbrennpunkte ins Auge fassen, sondern den Blick auf den ganzen Bereich der Inspektion lenken. Guido Limmer, Polizeivizepräsident des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten, erklärt, es wirke nun so, als habe die Stadt ein Problem, das nur mehr Polizei lösen könne. Doch das stimme nicht, sagt er und verweist auf die weiteren Akteure. Limmer betont zudem: „Steigende Zahlen sind nicht unbedingt schlechte Zahlen.“ Stattdessen können diese auch auf gute Polizeiarbeit zurückzuführen sein.

Den früheren Artikel zur Mitteilung der Stadt finden Sie hier: OB Gerold Noerenberg fordert mehr Polizisten für Neu-Ulm

Grundsätzlich sei die Sicherheitslage in Bayern so gut wie seit 30 Jahren nicht mehr, so Limmer. „Aber die gefühlte Lage ist anders.“ Das liege auch an der Fokussierung auf mögliche Kriminalitätsbrennpunkte wie das Bahnhofsumfeld, den Glacis-Park oder die Caponniere. Wie berichtet, ist diese beliebter Treffpunkt bei großen – teilweise aggressiven – Jugendgruppen. Limmer: „Allein so eine Ansammlung von Jugendlichen wirkt schon bedrohlich – und auch deutsche Jugendliche würden vielleicht so wirken.“ Dennoch betont er, dass sich Straftaten wie Belästigung, Diebstähle oder Beleidigungen dort nicht ballen, sie seien gleichmäßig über den Innenstadtbereich verteilt. Das ist auch der Grund, warum die diskutierte Videoüberwachung bei der Caponniere rechtlich nicht möglich ist.

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Steigende Kriminalitätszahlen in Neu-Ulm zeigen auch gute Polizeiarbeit

Die Häufigkeitszahl, die Zahl der registrierten Straftaten je 100.000 Einwohner, lag mit 7574 Fällen in Neu-Ulm erstmals höher als in Ulm. Sie ist zudem die höchste im Präsidiumsgebiet Schwaben Süd/West. Thomas Merk, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion (PI) Neu-Ulm, warnt jedoch davor, diese Zahl isoliert zu betrachten. „Die Städte Neu-Ulm und Ulm wachsen zusammen, wir haben hier Großstadtniveau.“ Durch die Baustelle am Ulmer Bahnhof werde das Bahnhofsumfeld Neu-Ulm für ein bestimmtes Klientel wieder interessanter. Zudem habe die Neu-Ulmer Innenstadt mittlerweile einen höheren Freizeitcharakter.

Limmer betont jedoch auch, dass hohe Kriminalitätszahlen nicht immer gleich etwas Schlechtes bedeuten müssen: „Das zeigt auch gute Polizeiarbeit.“ Das Stichwort sind hier Kontrolldelikte. So nennt man Straftaten, die ohne eine Kontrolle der Polizei überhaupt nicht erfasst worden wären, wie beispielsweise Drogendelikte. Solche Taten machten in der jüngsten Kriminalstatistik von 2018 etwa neun Prozent aller Straftaten im Bereich der PI Neu-Ulm aus. „Wir ziehen vom Dunkelfeld ins Hellfeld. Und das ist auch gut so“, so Limmer. Bei den Körperverletzungen im öffentlichen Raum habe es jedoch eine Zunahme gegeben: von 58 Fällen 2017 auf 90 Fälle in 2018. In Sachen Straßenkriminalität weist Limmer aber auch darauf hin, die Langzeitentwicklung zu beobachten – und die sei seit 2014 vergleichsweise konstant.

Am häufigsten rücken die Neu-Ulmer Polizisten wegen Ordnungswidrigkeiten wie Ruhestörung aus

Die geplante Einrichtung eines runden Tisches für Landkreis, Stadt und Polizei sehen die Beamten positiv. „Wir freuen uns darauf“, sagt Merk. „Wir brauchen ein Boot, in dem alle Sicherheitsbehörden Platz nehmen.“ Limmer erhofft sich, dass dabei auch diskutiert wird, wo das eigentliche Problem liege – und wie man gegensteuern kann. Denn am häufigsten rücken die Beamten der PI Neu-Ulm nicht wegen Straftaten aus, sondern wegen Ordnungswidrigkeiten wie Ruhestörung oder Pöbeleien. „Genau die sind es, die das Sicherheitsgefühl beeinflussen“, sagt der Polizeivizepräsident.

Er betont, dass es neben der Polizei viele weitere Akteure gebe, die mithelfen können, dieses Sicherheitsgefühl bei der Bevölkerung zu stärken: die Sicherheitswacht, die bald um weitere drei Personen auf 13 ausgebildete Ehrenamtliche verstärkt wird, der städtische Ordnungsdienst, für den zwei neue Stellen bewilligt wurden, oder Streetworker. Limmer würde es auch gut finden, wenn man die Nachbarschaft mit einbezieht, beispielsweise durch ein Quartiermanagement oder Stadtteilbüro, wie es zum Beispiel im Vorfeld schon vorhanden ist. Ihm ist es wichtig, „nicht nur an Symptomen herumzudoktern, sondern auch die Ursachen herauszufinden und zu lösen“.

Ein Sechstel des Personals im Präsidiumsbereich geht nach Neu-Ulm

Über mehr Personal würde sich die Inspektion aber natürlich dennoch freuen. „Die Kollegen sind stark belastet“, so Merk. Deshalb sei die Dienststelle froh über den Einsatz von OB Noerenberg: „Er ist ein Freund auf unserer Seite, der versucht, uns im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterstützen.“ Bereits jetzt werde die Neu-Ulmer Dienststelle bei der Verteilung neuer Beamter überproportional berücksichtigt, erklärt Limmer. „Wir haben über 30 Dienststellen im Präsidiumsbereich und ein Sechstel des Personals geht nach Neu-Ulm.“ Aber oft würden die neuen Beamten nur solche ersetzen, die in den Ruhestand gehen. Wie viele neue Stellen im Rahmen der von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann angekündigten Polizeioffensive in der Neu-Ulmer Dienststelle entstehen, sei bislang noch unklar.

Eine weitere Herausforderung für die Neu-Ulmer Beamten kommt bald hinzu: die Anker-Dependance im Starkfeld, wo bis zu 250 Flüchtlinge unterkommen sollen. „Das wird auch ein sehr interessantes Thema“, sagt Merk. Aber Angst mache ihm das nicht: „Ich denke, wir sind gut aufgestellt.“ Und weiter: „Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass alle an einem Strang ziehen, damit wir adäquate, annehmbare Verhältnisse haben und alles unternommen wird, dass das so bleibt.“

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Michael Ruddigkeit: Gemeinsam für mehr Sicherheit in Neu-Ulm

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