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Landkreis Neu-Ulm/Ulm
04.01.2022

Arbeitsagentur: So hat sich Corona auf den Arbeitsmarkt 2021 ausgewirkt

Die Agentur für Arbeit hat ihr Fazit für das Jahr 2021 gezogen.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Corona prägt den Arbeitsmarkt, doch die Lage hat sich gebessert. Alte Probleme werden spürbarer. So sieht es im Kreis Neu-Ulm, in Ulm und im Unterallgäu aus.

Im ersten Halbjahr 2021 waren die Arbeitslosenzahlen hoch und die Nachfrage nach Personal war eher verhalten, berichtet Richard Paul im Jahresrückblick. "Ab der Jahresmitte hat sich der Arbeitsmarkt überraschend schnell sehr gut erholt. Sowohl die Arbeitslosenzahlen als auch der Stellenmarkt haben sich wieder stabilisiert und näherten sich den Werten des Vorkrisenniveaus an", schildert der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth weiter. Im Jahresdurchschnitt liegt die Arbeitslosenquote im Kreis Neu-Ulm bei 2,8 Prozent und mit 0,4 Prozentpunkten unter dem Vorjahreswert. Im Jahr 2019 lag sie bei 2,2 Prozent. Durchschnittlich waren im Landkreis 2899 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 428 weniger als im Jahr 2020 (minus 12,9 Prozent) und 676 mehr als im Jahr 2019 (plus 30,4 Prozent). Mit der anziehenden Konjunktur rücke das Thema der fehlenden Fachkräfte wieder in den Fokus.

Das Kurzarbeitergeld sicherte auch 2021 in großem Umfang Arbeitsplätze und Beschäftigung. So zahlte die Agentur für Arbeit Donauwörth 101,5 Millionen Euro aus. 2020 waren es 126 Millionen Euro. Während in der ersten Jahreshälfte von den Unternehmen noch viele Anzeigen wegen der Pandemie-bedingten Einschränkungen gestellt wurden, gingen die eingereichten Anzeigen im Sommer deutlich zurück. Mit den Lieferengpässen nahmen sie ab dem Herbst wieder zu, allerdings in einem weit geringeren Umfang als im Vorjahr.

Zahl der Langzeitarbeitslosen im Kreis Neu-Ulm nimmt zu

Im Jahr 2021 wurden insgesamt 106,2 Millionen Euro an Arbeitslosengeld I inklusive Sozialversicherungsbeiträgen ausbezahlt. 2020 betrugen die Ausgaben 115,6 Millionen Euro. Männer (56,3 Prozent) waren im vergangenen Jahr mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen (43,7 Prozent). Bei unter 25-Jährigen sank die Arbeitslosigkeit um 100 (oder 27,3 Prozent) auf 268 Personen. Im Jahr 2021 waren durchschnittlich 1172 Menschen im Alter ab 50 Jahren gemeldet, 30 (oder 2,5 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Menschen mit Behinderung ging um drei (oder 0,9 Prozent) auf 285 zurück und die der ausländischen Arbeitslosen um 194 (oder 18,2 Prozent) auf 872. Jedoch konnten nicht alle Personengruppen profitieren. So gab es einen Anstieg bei den Langzeitarbeitslosen um 268 (oder 69,6 Prozent) zum Vorjahr auf 652.

Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung. Im Verlauf des Jahres meldeten sich 10.412 Menschen arbeitslos, davon kamen 4393 aus einer Beschäftigung. Im Gegenzug konnten sich 11.490 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, davon nahmen 4089 eine Erwerbstätigkeit auf. Menschen in der Region sind in der Regel nur eine kurze Dauer ohne Stelle.

Nachfrage nach Arbeitskräften steigt

Beim Jobcenter Neu-Ulm waren 1099 Menschen arbeitslos gemeldet, das entspricht 38 Prozent aller Arbeitslosen. Hier ist ein Anstieg um 85 Personen (plus 8,4 Prozent) zu verzeichnen. Dagegen ist im Bereich der beitragsfinanzierten Arbeitslosenversicherung ein Rückgang zu verzeichnen. Bei der Agentur für Arbeit sank die Zahl der Arbeitslosen um 22,2 Prozent (minus 513) auf 1800 Personen.

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Nach einem verhaltenen Frühjahr zog ab der Jahresmitte die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder an. Allerdings liegt der Jahresdurchschnitt noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Im Jahr 2021 waren durchschnittlich 1508 offene Stellen gemeldet. Das sind 400 oder 36,1 Prozent mehr als im Jahr 2020, aber 390 beziehungsweise 20,5 Prozent weniger als im Jahr 2019. Der Neuzugang von Stellen ist im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls gestiegen. Im gesamten Jahresverlauf wurden 4405 Arbeitsstellen zur Besetzung gemeldet, 1172 oder 36,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber 1004 beziehungsweise 18,6 Prozent weniger als vor zwei Jahren.

Agentur für Arbeit: Fachkräfte werden gesucht

Digitalisierung und Strukturwandel sind nach Angaben der Agentur weiter in vollem Gange. Damit tritt auch das Problem des Fachkräftemangels wieder zum Vorschein. Rund 80 Prozent der Arbeitsangebote sind für Fachkräfte oder eine höhere Qualifikation. Doch fast die Hälfte aller Arbeitslosen weist keine derartige Qualifikation auf.

Nach den aktuellsten Daten vom Juni 2021 standen zu diesem Zeitpunkt 65.426 Menschen im Landkreis Neu-Ulm in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Die Beschäftigung stieg im Vergleich zum Vorjahr um 40 beziehungsweise 0,1 Prozent. Absolut betrachtet verzeichnet die Arbeitsagentur die stärkste Zunahme beim Wirtschaftsbereich Heime und Sozialwesen mit plus 200 beziehungsweise 5,8 Prozent. Am ungünstigsten war die Entwicklung dagegen im verarbeitenden Gewerbe.

Arbeitslosenquote steigt im Dezember 2021 nur leicht

Die Arbeitslosigkeit im Landkreis Neu-Ulm ist zum Jahresende nur minimal gestiegen. Aktuell sind 2341 Menschen arbeitslos gemeldet, 17 mehr als vor einem Monat. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 2,3 Prozent. "Verglichen mit den Vorjahreszahlen hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt sehr gut stabilisiert. Im Dezember 2020 waren 30,9 Prozent bzw. 1046 Personen mehr arbeitslos gemeldet, allerdings liegen wir immer noch minimal über dem Niveau vor der Krise. Im Dezember 2019 waren 44 beziehungsweise 1,9 Prozent Arbeitslose weniger registriert", fasst der Chef der Arbeitsagentur zusammen. 57 Prozent aller Arbeitslosen sind bei der Arbeitsagentur gemeldet, 43 Prozent beim Jobcenter Neu-Ulm. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen liegt derzeit bei 1883. Im Dezember wurden dem Arbeitgeber-Service 329 neue Stellen gemeldet.

Viele Unternehmen nutzen auch weiterhin das Kurzarbeitergeld, um ihre Beschäftigten zu halten. Da die Betriebe bis zu drei Monate im Nachgang abrechnen können, liegen verlässliche Daten erst mit einem längeren zeitlichen Verzug vor. Der aktuelle Trend lässt sich am besten an den monatlich neu eingegangenen Anzeigen ablesen. Die Zahl der Anzeigen über konjunkturelle Kurzarbeit ist von November auf Dezember minimal gestiegen, jedoch wurden für weniger Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Bis zum 27. Dezember gingen 37 neue Anzeigen für 208 Beschäftigte ein. Im November wurden 36 Anzeigen für 308 Beschäftigte eingereicht.

Positive Zahlen vom Arbeitsmarkt in Ulm und im Unterallgäu

Im Stadtgebiet Ulm waren im Dezember 2397 arbeitslose Menschen über die Arbeitsagentur (1178) und das Jobcenter (1219) auf der Suche nach einer neuen Stelle. Somit nahm die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um acht Personen oder um 0,3 Prozent ab. Die Arbeitslosenquote lag wie bereits im Vormonat bei 3,3 Prozent und damit 1,0 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr. "Damit blieb Ulm der einzige Stadtkreis im Land mit einer Drei vor dem Komma", stellt Agenturchef Mathias Auch fest.

Die Arbeitslosenquote im Unterallgäu lag im Dezember nach Angaben der Agentur für Arbeit bei 2,0 Prozent. 1680 Menschen hatten keinen Job. Vor einem Jahr betrug die Quote noch 2,4 Prozent.

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