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Hockey

29.12.2020

Meist bleibt man unter sich

So voll wie bei diesem Spiel zwischen Hanau und Ulm vor knapp drei Jahren sind die Ränge selten beim Hockey. Meist bleibt man unter sich in dieser Randsportart und findet das auch nicht weiter schlimm.
Bild: imago/Patrick Scheiber

Die „Steckaleswetzer“ betreiben seit 100 Jahren eine Randsportart und sie finden das gar nicht schlimm. Es gab viele Erfolge, aber ebenso wichtig war immer die Geselligkeit

Zwar wurde der erste Ulmer Hockeyverein, der UFV 94, offiziell erst am 16. Juli 1924 gegründet. Trotzdem blicken die „Steckaleswetzer“, wie sich die Spieler selbst nennen, dieses Jahr auf 100 Jahre Hockeysport in der Doppelstadt an der Donau zurück. Denn bereits 1920 hatten Leichtathleten des damaligen TV Neu-Ulm begonnen, Hockey als Ausgleichssport zu betreiben. Was zunächst der Verbesserung von Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit diente, wurde bald zum ernsthaften Wettkampfsport. Nach Kenntnis des Hockey-Urgesteins Fritz Glauninger rührte eine gewisse Baronin Hermann, die diesen Sport in England kennen- und liebengelernt hatte, mächtig die Werbetrommel.

Hockey war in Ulm seitdem immer beliebt und wichtig, auch wenn es eine Randsportart geblieben ist. Sicher auch deswegen, weil das Spiel mit Schläger und Ball recht schwierig zu erlernen und zu verstehen ist. So blieb der Kreis der Menschen, die sich für Hockey interessieren, recht überschaubar. „Ich finde das nicht schlimm“, sagt Finanz-Abteilungsleiter Dirk Schäfer: „So bleibt der familiäre Charakter erhalten. Jeder kennt jeden, und wenn wir zu anderen Vereinen kommen, werden wir super aufgenommen. Wir sind keine Profis und auch keine elitäre Truppe. Bei uns ist jeder willkommen.“ Immerhin hat die Hockeyabteilung des SSV Ulm 1846 seit Jahren eine ziemlich konstante Zahl von aktiven Mitgliedern, die sich zwischen 300 und 350 bewegt.

Der Anfang war recht schwer. Bis 1928 wurden ausschließlich Freundschaftsspiele ausgetragen. In denen stellten die Ulmer aber mit 25 Siegen, sechs Unentschieden und nur sechs Niederlagen ihren Ehrgeiz schon unter Beweis. In der Folge entwickelten sich die Ulmer zu einem württembergischen Spitzenverein. 1937 und 1938 wurde der UFV 94 Landesmeister. 1939 gab es eine Kuriosität: In der Meisterschaftsrunde belegten der UFV 94 und der 1. SSV Ulm punktgleich Platz eins. Per Losentscheid wurde der SSV zum Titelträger bestimmt. Teil dieser Mannschaft war damals auch Lothar Schultheiß, später lange Jahre Vorsitzender des Vereins. Im selben Jahr schloss sich der UFV 94 mit dem Turnerbund Ulm, dem Turnverein Ulm und der Sportvereinigung Ulm 1889 zur TSG Ulm 1846 zusammen. Nachdem der Verein 1942 noch einmal Meister geworden war, wurde der Spielbetrieb auch bei den Frauen und den sehr erfolgreichen Mädchen im Zweiten Weltkrieg eingestellt.

Nach Kriegsende ging es aber sofort weiter, wobei der 1. SSV Ulm auf der Erfolgswelle schwamm: Zwischen 1947 und 1960 holte er achtmal den württembergischen Titel. Bei der TSG Ulm 1846 kamen die Frauen 1954 bei der deutschen Meisterschaft unter die Top-Vier. Da hatte beim SSV mit Emil schon die Reck-Ära begonnen. Er war erst aktiv und später lange Zeit Trainer der SSV-Teams, während sich seine Kinder zu hervorragenden Spielern entwickelten. Auf Landesebene gab es für die Teams Erfolge über Erfolge, die A-Jugend feierte am 22. Juni 1969 in Hamburg sogar die deutsche Meisterschaft auf dem Feld. Damals mit dabei waren unter anderen Karl-Ulrich Schnaufer, später Abteilungsleiter und dieses Jahr am 31. Mai verstorben, sowie die beiden Reck-Söhne Wolfgang und Herbert. Immer wieder wurden Ulmer Spieler in die württembergische Auswahl oder sogar ins Nationalteam berufen.

Nach der Fusion von 1. SSV Ulm und TSG 1846 im Jahr 1970 war Fritz Glauninger Abteilungsleiter, Emil Reck wurde als Frauen-Nationaltrainer 1971 mit seinem Team in Neuseeland Zweiter bei der Weltmeisterschaft, 1974 kam Wolfgang Reck zu Nationalspieler-Ehren, sein Bruder Thomas wurde 1982 in Malaysia Juniorenweltmeister und sicherte sich mit dem A-Nationalteam bei den Olympischen Spielen 1984 und 1988 jeweils die Silbermedaille.

Diese ganz großen Erfolge gab es später zwar nicht mehr, aber das gesellige Leben im Verein wurde unter anderem mit dem Bau der Hockeyhütte, bei der später ein Kunstrasenplatz entstand, weiter gepflegt. Beim „Hockey-Fescht“ treffen sich dort seit vielen Jahren Freunde aus dem In- und Ausland. „Wir haben immer mit angenehmen Menschen zu tun“, schwärmt Dirk Schäfer.

Sportlich gab es in dieser Zeit einige Höhen und Tiefen. Immerhin mischte die erste Männermannschaft 1982 in der Hallen-Bundesliga sowie 1988 und 1990 in der zweiten Feld-Bundesliga mit. Erfolge gab es insbesondere im Jugendbereich. Die Knaben (1988) und die B-Jugend (1989) wurden beispielsweise deutscher Hallenmeister, Frank Gemmrig wurde mit der deutschen Mannschaft 1993 Junioren-Weltmeister. Drei Jahre später ein weiterer Höhepunkt: Das deutsche Nationalteam traf auf der Gänswiese auf Pakistan.

Im Corona-Jahr ging natürlich sportlich nicht viel für die Ulmer Mannschaften. Die geplante Feier zu 100 Jahren Hockey beim SSV Ulm 1846 soll aber 2024 auf keinen Fall ausfallen.

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