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Gemeindeleben

21.05.2015

Dorferneuerung kommt in Schwung

Franziska Burlefinger

In Rohrenfels steht ein Nachbarschaftshilfeprojekt in den Startlöchern. Und auch die Planungen für die Weiterentwicklung des Ortes machen Fortschritte

Was vor zwei Jahren begann, nimmt jetzt konkrete Gestalt an: Die Dorferneuerung in Rohrenfels hat erste Projekte und Ergebnisse vorzuweisen. Bei einer Bürgerversammlung wurden diese nun vorgestellt. Rund 50 interessierte Besucher kamen ins Sportheim und wollten wissen, was sich Neues tut.

Das erste große Projekt, das in Kürze starten soll, ist die Nachbarschaftshilfe. Der Strukturwandel in ländlichen Regionen hat zur Folge, dass Verkehrsanbindung, Nahversorgung und auch die sozialen Kontakte nicht mehr dieselben sind wie früher. Davon blieb auch Rohrenfels nicht verschont. Um für die dabei entstehenden Probleme Abhilfe zu schaffen, haben viele Gemeinden in der Region Projekte der aktiven, ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe entworfen. So, wie etwa in Burgheim, Ehekirchen oder Königsmoos, wird es ab Anfang Juli auch in Rohrenfels ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer geben.

Das Konzept der Nachbarschaftshilfe sieht so aus: Jeder bietet das an, was er am besten kann oder gerne tut – ein Hobbygärtner Hecke schneiden, ein Informatiker Hilfe am Computer oder ein guter Zuhörer Zeit für andere Menschen. Wer Unterstützung benötigt, kann sich bei der Verwaltungsgemeinschaft Rohrenfels melden und diese leitet die Anfrage an das Team der Nachbarschaftshilfe weiter.

Mitmachen und Hilfe anbieten können alle Bürger aus Rohrenfels und den angeschlossenen Ortsteilen. „Ziel ist es, sich im Alltag zu unterstützen, sei es beim tropfenden Wasserhahn oder dem Austauschen einer Glühbirne“, erklärte Mitorganisator Wolfgang Wilfling. Er selbst hat eine Mutter mit 81 Jahren und weiß, wie schwierig gerade die vermeintlich einfachen Dinge im Alter werden. An diesem Punkt setzt die Nachbarschaftshilfe an: Sie vermittelt kurzzeitig Hilfe bei klassischen Gefälligkeitsdiensten, stärkt den Zusammenhalt im Dorf und verbessert dadurch langfristig die Lebensqualität der Einwohner.

Im Sinne einer Solidargemeinschaft sollten sich alle Beteiligten darüber einig sein, dass die ehrenamtlichen Angebote dort enden, wo professionelle Hilfe beginnt. „Einen Ehrenamtlichen zu bitten, er solle mein Haus mit 40 Fenstern putzen, geht selbstredend zu weit“, betonte Projektmanagerin Johanna Knöferl von der Caritas. Über eine Engagementvereinbarung verpflichten sich die Freiwilligen Helfer zur Verschwiegenheit und sind ihrerseits für die Dauer ihrer Tätigkeit über den Sozialverband Caritas versichert. Derzeit umfasst das Team der Freiwilligen zwölf Personen, aber wenn es nach den Organisatoren der Nachbarschaftshilfe geht, dürften es ruhig noch mehr werden. „Damit das Projekt rund läuft und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage stimmt, wäre es schön, wenn wir bis zum Start im Juli 20 Personen wären“, erklärt Gemeinderätin Manuela Heckl.

Die künftige Lebensqualität der Bürger steht auch bei den geplanten Entwicklungen im baulichen und infrastrukturellen Bereich der Gemeinde im Zentrum. Der beauftragte Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Walter Herb und seine Mitarbeiterin Franziska Burlefinger berichteten bei der Bürgerversammlung vom Zwischenstand der Planungen. Leitend war für sie die Frage, wie ein gutes Leben in der Gemeinde in Zukunft aussehen kann, wovon dies abhängt und wie es zu beeinflussen ist.

Dafür haben sie zunächst die Stärken und Schwächen der Gemeinde analysiert. Positiv fielen Aspekte wie der günstige Wohnraum, die naturnahe Freizeitgestaltung, die Nähe zu wirtschaftlichen und kulturellen Zentren sowie das gelingende Miteinander in den Vereinen auf. Schwächen sehen die Planer im Fehlen von umfassenden Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung, Arbeitsplätzen vor Ort sowie Altenpflegeeinrichtungen. Anhand dieser Basisdaten entwarfen sie ein Leitbild, eine Vison, wie die Gemeinde Rohrenfels im Jahr 2030 aussehen könnte: ein Ort mit einer ruhigen, dörflichen Prägung, schmucken Bauten und Plätzen und einer nachbarschaftlichen Nahversorgung.

Es entstehen allerdings auch Fragen, in denen sich die Gemeinde positionieren muss: Wie stark wollen wir wachsen, welche wirtschaftlichen Strukturen wollen wir ansiedeln, wollen wir eine Umgehungsstraße oder bestehende Straßen beruhigen, wohin soll es mit unserer Grundversorgung gehen und wollen wir den Ausbau erneuerbarer Energien fördern, um nur einige zu nennen. In einem Planspiel durften die anwesenden Bürger die Fragen exemplarisch beantworten. Das Ergebnis war teils eindeutig: Sie sind klar für den Ausbau erneuerbarer Energien, wollen keine Großbetriebe, sondern nur Betriebe von kleiner und mittlerer Größenordnung und sprechen sich in Sachen Nahversorgung eindeutig für einen Dorfladen aus. Das Votum der Bürgerversammlung soll in die weiteren Planungen einfließen, um am Ende ein klares Meinungsbild darüber zu bekommen, was von den Einwohnern erwünscht ist und wohin sich die Gemeinde entwickeln soll.

Auf Grundlage der Gegebenheiten in Rohrenfels hat das Planungsbüro bereits eine Zukunftsvision entwickelt, wie die Gemeinde im Jahr 2030 aussehen könnte. Die Einwohnerzahl soll von 933 (Stand 2013) auf 1200 gestiegen sein, es wird einen Dorfladen geben und mehrere attraktive Ortszentren: eine neue Mitte am Gemeindehaus, eine alte Mitte an der Kirche und dem Dorfladen sowie einen Treffplatz an der großen Dorflinde mit Gaststätte. Gewiss, das ist Zukunftsmusik und bis es soweit ist, wird noch einiges an Zeit vergehen. Nichtsdestotrotz wurden diese und viele weitere Punkte bereits in einem umfassenden Maßnahmenkatalog zusammengefasst, um – wenn es soweit ist – beim Amt für ländliche Entwicklung förderfähig zu sein. Denn das war erst der Anfang, es kommt Schwung in die Dorferneuerung.

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