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12.06.2014

Hitze kann Senioren nicht bremsen

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Bild: Clara Böcker

Seit zehn Jahren veranstalten die Neuburger Senioren Touren rund um Neuburg. Die Jubiläumsfahrt fand am Dienstag statt – trotz 33 Grad

33 Grad zeigt das Thermometer am Dienstagmittag an. Es ist der Tag nach dem heißesten Pfingstwochenende seit 50 Jahren. Den Radlern läuft der Schweiß in Strömen den Nacken hinunter, die ersten Wasserflaschen sind schon nach wenigen Kilometern leer getrunken. Trotzdem strampeln alle Radler tapfer den Berg nach Oberhausen hinauf: Die erste Etappe der Fahrradtour von Bittenbrunn nach Burgheim ist geschafft. Es ist bemerkenswert, dass fast niemand vom Fahrrad absteigt, sind die Radler doch alle mindestens 60 Jahre alt.

Seit zehn Jahren veranstaltet der Seniorenbeirat Radltouren durch den Landkreis. Sieben Touren sind für den Sommer 2014 geplant worden, die rüstigen Senioren radeln zum Beispiel nach Pöttmes, Hütting oder Bertoldsheim. „Wir wollen keine Kilometer sammeln, sondern spazieren fahren“, erzählt Sebastian Graf. Bereits seit Gründung des Gremiums vor rund elf Jahren sitzt der 79-Jährige für die SPD im Seniorenbeirat und engagiert sich für die älteren Mitbürger in seiner Stadt. Mit den Radltouren wollte er einen Anreiz schaffen, „gemeinsam unsere Heimat kennen zu lernen.“ Unterstützung bekommt er dabei von Gerhard Kunz, Erwin Preiser und Lorenz Ruf. Alle drei fahren regelmäßig als Tourenbegleiter bei den Radltrips mit und wurden dafür jetzt mit einem Ehrenamtszeichen der Stadt ausgezeichnet.

Am Dienstag kommen trotz Hitze rund 20 Senioren zur Berufsschule nach Bittenbrunn, ausgestattet mit Fahrradhelm, Tacho und viel Wasser. Der älteste Radfahrer ist 83 Jahre alt.

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Als Tourenbegleiter haben sich Sebastian Graf und Gerhard Kunz besonders gut auf die Strecke vorbereitet. Mit Warnweste bekleidet bilden sie Anfangs- und Schlusspunkt der Radl-Kolonne. Damit niemand abgehängt wird, bleiben die beiden während der gesamten Tour per Walkie-Talkie in Verbindung. „Passt noch alles?“, scheppert es da einige Male durch’s Gerät. An der Donau entlang radelt die Gruppe zunächst nach Oberhausen. Die Sonne brennt immer noch vom Himmel. Da ist es angenehm, im Schatten der Bäume zu fahren, ins Schwitzen kommen die Radler aber trotzdem, sogar bei leichten Anstiegen. „Es is scho gscheid anstrengend“, findet einer der Radler, kämpft sich aber Tritt für Tritt weiterhin den Berg hinauf.

Einen Vorteil hat das Ehepaar Weigert. Die beiden sind mit E-Bikes unterwegs, ihre Fahrräder sind mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet. Seit einigen Jahren fahren sie schon bei den Touren des Seniorenbeirats mit. Weil sie auch im Urlaub „oft mit dem Radl unterwegs“ sind, zum Beispiel an den Chiemsee, sind sie vom normalen Fahrrad auf’s E-Bike umgestiegen.

In Oberhausen legen die Radler eine kurze Trinkpause ein - nach dem steilen Anstieg und angesichts der Hitze ist die auch nötig - und dann geht es bergab, nach Unterhausen. Der Fahrtwind ist eine Wohltat bei den tropischen Temperaturen.

Insgesamt haben die Senioren schon 64 Touren veranstaltet, 3000 Kilometer sind dabei gemeinsam zurückgelegt worden. Von Anfang April bis Mitte Oktober ist Radl-Saison. Jeden zweiten Dienstag im Monat gibt es eine Tour. Bisher musste erst eine ausfallen, damals hatte es einfach zu heftig geregnet, wie Graf erzählt. Und einen richtigen Unfall hat es „zum Glück“ auch noch nicht gegeben. Den 79-Jährigen freut es, dass regelmäßig so viele ältere Radler an den Touren teilnehmen. Ein Grund dafür könnte laut dem engagierten Seniorenbeiratsmitglied der sein, dass die Radler selbst entscheiden können, ob sie Lust haben, mitzufahren. „Viele ältere Leute scheuen sich davor, einem Verein beizutreten“ und damit Verpflichtungen einzugehen. Zu den Radltouren kommt nur, wer Zeit hat.

Mittlerweile ist die Truppe in Burgheim angekommen, der Tacho zeigt 17 Kilometer an. Dort können sich die Senioren abkühlen. Denn das Ziel der Radltour ist die Firma Brunnthaler am Ortsrand der Marktgemeinde. Junior-Chef Andreas Sausel führt die Gruppe durch den Betrieb, der seit der Gründung 1931 - damals noch in der Ortsmitte gelegen - in Familienhand ist. Nach einer Stärkung geht’s dann wieder nach Neuburg zurück. Am Ende haben die Radler bei flirrender Hitze 34 Kilometer zurückgelegt.

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